Nach schrecklicher Brandnacht im Erzgebirge folgt Welle der Nächstenliebe

Simone Lasch kämpft sich mit viel Unterstützung und Hilfe in einen neuen Alltag zurück.

Waschleithe

Simone Lasch sieht geschafft aus. Es kostet Kraft, wenn sie an ihr einstiges Zuhause in der Hinterdorfer Straße in Waschleithe zurückkehrt. Viel ist ihr an materiellen Dingen nicht geblieben. In der Nacht zum 16. Februar haben Simone Lasch und ihre Mutter bei einem verheerenden Brand ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Und doch hatten sie Glück: „Wir sind am Leben“, sagt die 58-Jährige, die in besagter Unglücksnacht nicht schlafen konnte. „Ich habe plötzlich weißen Rauch im Treppenhaus bemerkt. Es roch als zieht ein Ofen nicht richtig.“

Dramatische Rettung über den Mauersims

Simone Lasch rettete erst sich ins Freie, balancierte über eine Mauersims zum Schlafzimmerfenster ihrer Mutter. Sie klopfte gegen das Fenster und weckte so ihre Mutter auf. Nachdem Simone Lasch sicheren Boden unter den Füßen hatte, holte sie eine Leiter, so dass ihre 85-Jährige Mutter über diese ins Freie gelangen konnte. „Zum Glück ist meine Mama mit 85 Jahren fit“, so Simone Lasch.

Notruf aus dem Nachbarhaus

Alles andere ging schnell. Sie setzte bei ihrem Neffen, der ein Haus weiter wohnt, einen Notruf ab. Die Feuerwehr kam, ein Rettungswagen dazu. Die Sanitäter kümmerten sich um die 85-jährige Frau.

Feuerwehr kämpft stundenlang gegen die Flammen

„Der Blutdruck war zwar etwas hoch, aber ansonsten ging es ihr gut“, erinnert sich Simone Lasch: „Alles andere hätte ich ihr gern erspart.“ Das Haus, in dem die Mutter seit 1962 wohnt, stand lichterloh in Flammen. Mutter und Tochter mussten hilflos zusehen. Die Feuerwehrleute um Einsatzleiter Jörg Zimmermann kämpften stundenlang gegen die Flammen. Die Kälte der Februarnacht machte den Einsatz zur besonderen Herausforderung.

Traurige Erinnerung

Acht Tage danach liegt die Herausforderung auf der Seite der Brandopfer. „Es sind so viele Dinge zu klären. Ich komme kaum zur Ruhe“, sagt Simone Lasch. So muss sie zahlreiche Versicherungsfragen klären, Behördengänge erledigen sowie sich in einen neuen Alltag zurückkämpfen. Ab und an schaut sie in Waschleithe vorbei. „Vier- oder fünfmal war ich schon hier“, so Lasch und schaut traurig auf den Schutthaufen, den das Feuer hinterlassen hat. Ihre Badewanne ist noch zu erkennen, ein Herd dazu. Zwischen den verbrannten Gegenständen und den völlig verkohlten Holzbalken liegen einzelne Schuhe. Das Bild lässt einen sprachlos zurück.

Über 95.000 Euro Spenden gesammelt

Sprachlos ist Simone Lasch auch angesichts der riesigen Hilfswelle, die sie seither erlebt. So erlebte sie auf unterschiedlichen Ebenen unbürokratische Unterstützung. Ein Nachbar initiierte eine private Spendensammlung über die Internetplattform „gofundme“. Dort sind bereits über 95.000 Euro zusammengekommen. Zudem bekam sie etliche Sachspenden. „Nichts von dem, was ich anhabe ist von mir. Das sind alles Geschenke“, sagt sie gerührt. „Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Ich bin so gerührt und unendlich dankbar – auch für jedes Gebet“, so Simone Lasch, die natürlich auch von ihrer Familie und ihren drei Söhnen unterstützt wird. Wie es genau weitergeht kann sie noch nicht sagen. Allerdings hofft sie, dass es dort, wo einst, das älteste Haus Waschleithe stand, auch ihre Zukunft liegt und es ihr möglich ist, das alte Fachwerkhaus wieder aufzubauen.

Katze „Miez“ bewacht das Grundstück

Und dann ist da noch Katze „Miez“. Auch Miez hatte Glück. Sie ist Freigänger und war am Unglückstag nicht im Haus. Jetzt wirkt es, als bewache die Katze die Unglücksstelle. „Auf mich ist sie böse. Sie sitzt vor der Haustür und wundert sich, dass ich die Tür nicht öffne“, so Simone Lasch. Nachbarn kümmern sich aktuell um das zwölf Jahre alte Tier. In ihre neue Wohnung in Grünhain, wo Simone Lasch und ihre Mutter mittlerweile untergekommen sind, kann sie die Katze nicht mitnehmen.

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