Nach Unfall: Gastwirt aus dem Erzgebirge kämpft sich eisern zurück ins Leben

Alexander Schnerrer ist zurück in der Küche in Zwönitz

Zwönitz

Seit Mitte November ist Alexander Schnerrer wieder in seinem Metier. Er schneidet Rotkraut, brät Gänsekeulen und formt Klöße. Dass er jetzt schon wieder in der Küche seiner Gaststätte "Zur Börse" in Zwönitz stehen kann, kommt einem kleinen Wunder gleich. Denn Mitte des Jahres hatte der Gastwirt einen schweren Motorradunfall.

Tragisches Ende einer Fahrt ins Blaue

Eigentlich wollte er am 7. Juni nur kurz den Kopf freibekommen und das schöne Wetter nutzen. Doch die Motorradfahrt endete für ihn an einem Straßenbaum. Erinnerungen daran hat er kaum noch. Vieles liegt im Dunkeln. Seine Erinnerung setzt etwa fünf Tage nach dem Unfall auf der Intensivstation der Uniklinik Leipzig wieder ein. "Ich hatte keine Schmerzen, aber ich war sehr müde", so der 43-Jährige. Das linke Bein, vor allem der Unterschenkel, waren stark lädiert. Hinzu kamen sechs gebrochene Rippen, eine angerissene Milz und ein "gesprengtes" Schultergelenk.

"Ich brauche keinen Beileidstrostblick. Das hat mich im Krankenhaus fertig gemacht. Ich spreche auch nicht von Pech. Ich finde, ich hatte riesiges Schwein." Zu verdanken war dies auch seinem Ersthelfer - einem Soldaten, der ihm das Bein abband und so vermutlich schlimmeres verhinderte. Ihm ist er überaus dankbar, hat sich mittlerweile sogar mit ihm getroffen. "Wie schön ist das, dass ich am Leben bin", betont der Zwönitzer Gastwirt.

Schnerrer trennt sich von Fuß

Etwa zehn Tage nach dem Unfall musste Schnerrer eine schwierige Entscheidung treffen. Wie weiter mit dem Unterschenkel? Die Ärzte sprachen über eine komplizierte Erhaltungsoperation, bei der Muskeln aus dem Rücken entnommen und am Fuß eingesetzt werden - über plastische Chirurgie. Alexander Schnerrer macht sich schlau und entscheidet sich für eine Amputation. Er überrascht damit die Ärzteschaft des Uniklinikums Leipzig. "Keiner konnte mir sagen, wie lang der Heilungsprozess beim Erhalt des Fußes ist", erinnert er sich.

Nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen war, setzte er alles daran, wieder richtig fit zu werden. "Ohne meine Familie, die Freunde, aber auch ohne das Physioteam und die Orthopädietechnik hätte ich es nicht geschafft", resümiert Schnerrer. Sein Netzwerk, wie er es auch nennt, stand zu jeder Zeit hinter ihm. "Keiner hat mir Vorwürfe gemacht und gesagt, was bist du nur für ein Idiot - das alles, weiß ich sehr zu schätzen."

Mit Personaltrainer zum Erfolg

Entscheidend waren aber eiserne Selbstdisziplin und der Wille, den inneren Schweinehund zu überwinden. "Ich hasse Sport. Deshalb habe ich mir einen Personaltrainer genommen. Für den Tritt in den Po", sagt er. Alexander Schnerrer kämpft und fing bereits im Oktober in seiner Küche mit dem Testlauf für den November an. Manch einer wunderte sich über seine Abgeklärtheit und sein pragmatisches Handeln. Doch Alexander Schnerrer gibt: "Auch bei mir gibt es stille Momente, in denen die Tränen kommen." Meist aber sind es Tränen der Dankbarkeit.

Mit seiner Geschichte jedenfalls will er anderen Mut machen und Hoffnung geben. Er scheut sich auch nicht, offen über seine Prothese zu sprechen.

Auch interessant für dich