Nach vorn schauen - nicht zurück

Das Wort zum Sonntag von Siegfried Kunz

Ich werde alt: Diese Feststellung löst bei manchem von uns Angstvorstellungen aus. Was wird, wenn ich mich nicht mehr selbst behelfen kann? Wer hilft mir, die Alltagsaufgaben zu bewältigen, wenn die körperlichen Gebrechen beschwerlicher werden? Oder wenn sich gar Demenz einstellt? Ist dann die Stunde des Abschieds gekommen?

Eigentlich müsste jedem doch klar sein, dass das Alter nicht zum Tod, sondern zum Leben gehört. So einfach machen wir es uns aber nicht. Meine Mutter war fast 80 Jahre alt, als sie mit Freude am ersten Geburtstag ihres Enkels mitfeierte und einen Tag danach einen Schlaganfall erlitt. Noch wenige Stunden zuvor gab sie mir eine Weisheit mit auf dem Weg: Sie selbst lebte in der Gegenwart, erzählte wenig von Früher. Von der Vergangenheit zu sprechen fand sie langweilig. Sie wollte den Tag erleben, auch wenn sie manches nicht verstand, was da in unserer "heilen" Welt vonstattenging. In ihrem Zimmer hing ein Bild an der Wand: "Wer seine Hand an den Pflug legt und schaut zurück, der ist nicht gemacht für das Reich Gottes." (Lukas 9,62).

Das Leben wird nicht leichter, wenn wir ins Klagen und Jammern verfallen. Schauen wir nach vorn, wie der Landwirt beim Pflügen einer geraden Furche.