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Naturforscher aus Weißbach mit Bundesverdienstorden geehrt

Verdienstmedaille Seit 40 Jahren beobachtet Sieghard Uhlich Pflanzen und Wetter

Weißbach. 

Weißbach. Aktuell hat Sieghard Uhlich viel zu tun. Nicht nur, weil der studierte Wirtschaftskaufmann Vorstand der Agrargenossenschaft Weißbach ist. Der 61-jährige Weißbacher kommt auch in seiner Freizeit selten zur Ruhe. Grund dafür ist sein ehrenamtliches Engagement als phänologischer Beobachter für den Deutschen Wetterdienst, für den er in seiner Wetterstation auch die Mengen und die Art des Niederschlags misst. Der Phänologie, der Lehre vom Einfluss der Witterung und des Klimas auf die jahreszeitliche Entwicklung der Pflanzen und Tiere, hat sich der Erzgebirger schon seit seiner Jugend verschrieben.

Große Zeremonie fällt aus

Weil er inzwischen schon 40 Jahre lang wichtige Informationen liefert, die wissenschaftlich verarbeitet werden, ist Sieghard Uhlich nun eine große Ehre zuteil geworden. Mit dem Verdienstorden erhielt er die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht. Die Verdienstmedaille, auch Verdienstkreuz am Bande genannt, konnte er coronabedingt leider nicht in Berlin von Frank-Walter Steinmeier persönlich in Empfang nehmen. Nach Hause schicken lassen wollte er sie sich aber auch nicht. Stattdessen fuhr der Weißbacher in die Leipziger Niederlassung des Deutschen Wetterdienstes, um die vom Bundespräsidenten unterschriebene Urkunde und den Orden abzuholen. "So konnte ich mir dort wenigstens die Technik anschauen", sagt der 61-Jährige, der schon immer Nützliches miteinander verbindet.

Familientradition bewahrt

"Mit der Bienenhaltung ging's los. Da war ich 20", erzählt Sieghard Uhlich. Dass alles direkt miteinander in Verbindung steht - Tiere, Pflanzen und Wetter - war ihm schon immer klar. "Aber die Zusammenhänge zu erkennen, ist schwierig", so Uhlich. Dies war allerdings kein Grund, es nicht zu versuchen. Also nahm er seinem Vater, der auch als Wetterbeobachter tätig war, die Beobachtung der Pflanzen ab. Lieferte er zu DDR-Zeiten mithilfe unzähliger Postkarten Informationen über den aktuellen Entwicklungsstand der Pflanzen, so gibt er die Angaben zu 33 ausgewählten Arten inzwischen mithilfe des Internets weiter. Auch die Technik trägt dazu bei, dass der Weißbacher noch längst nicht müde ist. "Es macht mir Spaß. Solange ich kann, mache ich weiter", sagt der Wetter- und Pflanzen-Experte, der selbst zu einer aussterbenden Art zu gehören scheint. Schließlich gibt es in Deutschland nur noch 1200 phänologische Beobachter, Tendenz weiter sinkend. Auch Sieghard Uhlich ist sich nicht sicher, ober eines Tages einen Nachfolger finden wird.