Netzwerke sollen in die Zukunft helfen

Fachkräfte-Sicherung: Vertreter ländlicher Regionen tauschen sich im Erzgebirge aus

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Bei einem Rundgang führte der Qualitätsmanagement-Beauftragte Erik Lippmann die Gäste durch die Ehrenfriedersdorfer Firma Normteile Lindner. (Kuerzel: aba)

Ehrenfriedersdorf. Dass es junge Menschen verstärkt in die Großstädte zieht und der Altersdurchschnitt in den ländlichen Räumen steigt, ist ein genereller Trend. Durch diese demografische Entwicklung kommt es vielerorts in kleineren Städten und Kommunen zu einem Mangel an Fachkräften. Auswirkungen dieser Art machen sich im ganzen Land bemerkbar. Um sich über das Problem und mögliche Lösungsansätze auszutauschen, hat die Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume ein Treffen mit Vertretern aus zahlreichen Bundesländern organisiert. In Kooperation mit dem Regionalmanagement Erzgebirge war es in dieser Woche soweit: An zwei Tagen wurde das Thema bei Besuchen regionaler Firmen in Mildenau, Ehrenfriedersdorf und Oelsnitz rege diskutiert.

Um dabei auch von realen Erfahrungen vor Ort zu profitieren, besuchten die reichlich 30 Teilnehmer aus Sachsen, Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen zunächst die Norafin Industries GmbH in Mildenau. Marc Jolly, der Verantwortliche der Abteilung Research und Development, hatte dabei einiges über die Integration ausländischer Fachkräfte zu erzählen. Schließlich arbeiten bei dem Hersteller spezieller Vliesstoffe Menschen aus fünf Ländern. Als Franzose, der seit 2004 im Erzgebirge zuhause ist, gehört Jolly übrigens selbst dazu. Doch wichtig ist ihm zufolge ohnehin nicht die Herkunft. Nicht einmal die Qualifikation sei entscheidend. "Wir definieren eine Fachkraft als motivierten Mitarbeiter", erklärte Jolly, der auch Quereinsteiger bei entsprechender Einstellung beschäftigen würde: "Wer motiviert ist, leistet mehr." Wie der Norafin-Experte stellte später auch Erik Lippmann fest, dass es bei der Suche nach speziellen Fachkräften noch etwas an regionalen Netzwerken und Ansprechpartern mangelt. Der Qualitätsmanagement-Beauftragte der Ehrenfriedersdorfer Firma Normteile Lindner bezog sich in seinem Vortrag allerdings in erster Linie auf Menschen mit körperlicher Behinderung. Fünf arbeiten derzeit in der Metallverarbeitungsfirma von Anett und Jens Lindner. "Wir leben Integration. Dafür ist allerdings viel Eigeninitiative gefordert", sagte Lippmann, der sich wie viele andere Beteiligte für eine bessere Vernetzung und klare Ansprechpartner seitens der Behörden wünscht. Dies waren zwei von vielen Anregungen, die die Gäste aus dem Erzgebirge mit nach Hause nahmen.