Noch viele Fragen unangenehm

Das Wort zum Sonntag von Gottfried Riedel

Ich erinnere mich noch daran, als ich mit meinem Freund bei einer Moped-Tour an der innerdeutschen Grenze in Thüringen von Grenzposten mit Gewehren aufgegriffen wurde: Wir waren wirklich aus Versehen in die Sperrzone - den 5-km-Streifen - geraden. Zum Glück klärte sich bald alles auf. Ich muss gestehen, dass mich abgesehen von diesem Ausflug keine großen weiteren Erinnerungen an die innerdeutsche Teilung plagen. Obwohl doch diese Grenze so einschneidend war. Jahrzehntelang hat sie Familien getrennt. Für viele war sie bis zum Herbst 1989 unüberwindbar. Und ich kam irgendwie durchs Leben, ohne mir allzu viele Gedanken zu machen, wie es mit der DDR und dem Leben der Menschen dort weitergehen könnte. Wenn am 3. Oktober der Tag der Deutschen Einheit begangen wird, dann wird in allen Medien der Blick zurück geworfen: In Dokumentationssendungen und Reden wird an die Teilung Deutschlands erinnert. Mauer und Zaun, die dramatischen Schicksale von Menschen.

So groß die Freude über die Einheit des Landes ist, so sehr gilt es immer auch, nach der Einheit unserer Gesellschaft zu fragen. Wie steht es darum? Noch gibt es viele unangenehme Fragen. Es geht also nicht nur darum, sich an die errungene Einheit eines Landes zu erinnern. Es gilt, sich immer wieder neu darum zu bemühen - um diese Einheit der Gesellschaft; diese Einheit gilt es gemeinsam anzupacken. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Feiertag.