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Pastor folgte mutig seinem Gewissen

Geschichte Erinnerungen an 30 Jahre Mauerfall - das geschah damasls in Annaberg-Buchholz

Annaberg-B. 

Annaberg-B. Vor 30 Jahren im Herbst 1989 begannen in Ostdeutschland die unvergesslichen Tage der Friedlichen Revolution, die schließlich am 9. November 1989 zum Fall der Mauer führten. Nicht nur in den großen Städten, sondern auch im Erzgebirge gab es dabei eine Aufbruchsstimmung zu der Tausende Menschen beitrugen. Friedensgebete, Demonstrationen und Runde Tische sorgten mit dafür, dass innerhalb weniger Wochen ein diktatorisches System zusammenbrach. In Annaberg-Buchholz öffnete am 4. November 1989 die Methodistenkirche am Emilienberg zum ersten Friedensgebet ihre Pforten.

Zu verdanken war das dem damaligen Pastor Thomas Fritzsch. Er trotzte den Warnungen, folgte mutig seinem Gewissen und öffnete für das "Neue Forum" die Türen seiner Kirche. Im Oktober 2015 wurde dem Pastor i. R. dafür die Ehrenbürgerwürde von Annaberg-Buchholz verliehen. Wenn Pastor Thomas Fritzsch an diesen Tag zurückdenkt, dann fällt ihm vieles wieder ein, was kurz zuvor geschah.

Der 69-Jährige erinnert sich: "Am 7. Oktober 1989 formierte sich vor dem ehemaligen Luxor-Theater in Chemnitz ein Schweigemarsch. Dabei erlebte ich, dass die angerückten Einsatzkräfte der Kampfgruppen und Bereitschaftspolizei trotz ihrer Schlagstöcke mehr Angst hatten als wir. Alles löste sich am Ende friedlich auf, doch für mich stand fest: Jetzt muss auch bei uns im Erzgebirge etwas geschehen. Also habe ich mit meinem Gemeindevorstand besprochen, ob wir die Kirche für das Neue Forum öffnen könnten. Da es bei einigen massive Bedenken gab, holte ich mir bei unserem Bischof die Zustimmung dafür. Und so öffnete ich die Kirche, nicht ahnend was da auf mich zukam."

10.000 Menschen schlossen sich an

Der Friedensgottesdienst am 4. November 1989 in der Methodistenkirche begann 16 Uhr. Bereits 15 Uhr war die Kirche mit etwa 1.000 Menschen überfüllt. An die 10.000 hatten sich davor auf dem Emilienberg versammelt, um dann zur ersten freien Demonstration aufzubrechen. "Unter dem Motto: 'Wer Kerzen hält, der kann keine Steine werfen', gab es in Annaberg-Buchholz bis Februar 1990 immer samstags Friedensgottesdienste und Demonstrationen. Als am 9. November die Mauer fiel, war das nicht nur für mich eine Befreiung", so Thomas Fritzsch. Auch am diesjährigen 4. November beginnt um 19.30 Uhr eine Veranstaltung in der Evangelisch-methodistischen Kirche am Emilienberg unter dem Thema "30 Jahre friedliche Revolution". Es referiert Werner Schulz, 1989 Gründungsmitglied des Neuen Forums in Berlin und dessen Vertreter am Zentralen Runden Tisch.



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