Rennfahrerin Lucy aus dem Erzgebirge kämpft in Frauen-WM und mit 175-Kilo-Bike

Beim dritten Saison-Event der reinen Motorrad-Frauen-Weltmeisterschaft waren für Lucy Michel Punkte in Reichweite, doch fehlte ihr etwas Rennglück.

Schwarzbach

Die reine Frauen-Weltmeisterschaftsklasse „WorldWCR“ (Women´s Circuit Racing World Championship) wurde 2024 erstmals ausgerichtet und läuft seit dem im Rahmen einiger europäischer Rennen der seriennahen und zweitwichtigsten Motorrad-Weltmeisterschaft neben der MotoGP, der Superbike-WM „WorldSBK“.

Quasi als Frau der ersten Stunde mit dabei ist Lucy Michel aus dem zu Elterlein gehörenden Schwarzbach. Doch die motorsportliche Vorgeschichte der heute 21-Jährigen liegt noch weiter zurück.

Schon 13 Jahre Motorsport

Seit 2013 betreibt sie die Rennfahrerei, erst bei den Pocket-Bikes, später im ADAC Mini Bike Cup. Seit jeher musste sie sich mit Knaben messen und an ihnen messen lassen, was punktuell Vorteile in sich birgt, andererseits aber auch nicht wegzudiskutierende körperliche Nachteile mit sich bringt. In ihrem Fall ist das sogar ziemlich extrem, denn heutzutage ist die nur 1,50 m große Erzgebirgerin mit 45 kg ein echtes Leichtgewicht.

Frauen-WM kam wie gerufen

Da war die Einführung der Frauen-WM für sie an sich ein Segen, doch da die eine oder andere Konkurrentin durchaus stämmiger und muskulöser erscheint, hat die zierliche Lucy auch in der WorldWCR einen schweren Stand. Das hängt auch damit zusammen, dass in der Damen-Liga mit rund 175 Kilo schweren Einheits-Motorrädern der Marke Yamaha (YZF-R7) gefahren wird, die eigentlich fürs zarte Geschlecht, eines von zweien, nicht gerade ideal sind. Im Zusammenspiel von Fahrerin und Maschine müssen 227 Kilo auf die Waage, was im Fall von Lucy nur mit Ballast am Motorrad zu erreichen ist.

Keine idealen Voraussetzungen

Alles keine idealen Voraussetzungen, was die Rennlady bei den ersten drei Saisonstationen Ende März im portugiesischen Portimao, im April im niederländischen Assen und am vergangenen Wochenende auf dem Balaton Park Circuit in Ungarn zu spüren bekam. In bisher sechs Rennen (zwei pro Event) schaffte sie es, teilweise auch aus nicht in ihrer Macht stehenden Gründen, erst einmal in die Punkteränge (bis Platz 15). Das war auf dem TT Circuit in der „Cathedral of Speed“ in Holland, wo sie schlussendlich als 13. gewertet wurde.

Zu schweres Bike und immer stärker werdende Konkurrenz

2024 wurde sie gemäß ihrer (Lieblings-)Startnummer 16. des Endklassements. Das vorige Jahr schloss sie auf Tabellenrang 17 ab und aktuell rangiert sie nur auf der 21. Position.

Unterm Strich ist Lucy Michel allerdings sehr wohl froh, dass es diese Klasse überhaupt gibt. So sagte sie zuletzt unweit des Plattensees: „Prinzipiell bin ich glücklich, Teil der Frauen-WM zu sein und mich mit gleichen Waffen mit meinesgleichen messen zu können. Allerdings finde ich, ist das Motorrad nicht das richtige für uns. Überhaupt wird die Konkurrenz immer stärker, was es immer schwerer macht, mitzuhalten. Aber wir geben unser Bestes.“

Auch in Zukunft in der Frauen-WM?

Ob es im nächsten Jahr mit der Serie generell und dem gleichen Bike weiter geht, ist noch nicht bekannt. Allerdings spricht bei steigenden Teilnehmerinnenzahlen und qualitativ immer besseren Fahrerinnenfeldern nichts dagegen. „Egal wie es kommt, wird es für mich immer schwieriger, auch finanziell. Ob ich nächstes Jahr wieder dabei bin, kann ich noch nicht sagen. Mein Wunsch wäre es aber auf jeden Fall. Was anderes kommt eigentlich für mich auch nicht mehr infrage. Wenn man einmal Weltmeisterschaft gefahren ist, will man ungern wieder absteigen“, meint die Medizinische Technologin für Radiologie in Erlabrunn zu ihrer motorsportlichen Zukunft.

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