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RVE setzt das 200. Schienenfahrzeug in Marienberg instand

Verkehr Anfang Juli rollt er wieder mit Fichtelberg-Schmalspurbahn

Marienberg. 

Marienberg. Seit 20 Jahren repariert das aktuell 13-köpfige Team der Werkstatt des Regionalverkehrs Erzgebirge in Marienberg Schienenfahrzeuge. Zurzeit bereiten sie das 200. Fahrzeug auf. Eigentlich sollte das gefeiert werden. Aufgrund der aktuellen Beschränkungen muss das jedoch entfallen. Es handelt sich um einen Wagen der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft mbH mit der Betriebsnummer 970-494. Dieser ist normalerweise auf der Strecke der Fichtelbergbahn unterwegs.

100-jähriger Wagen wird modernisiert

Anfang Juli wird er wieder Reisende der Schmalspurbahn aufnehmen. "Der Reisezugwagen ist etwa 100 Jahre alt und mehrfach aufgearbeitet. Bei uns ist er schon zum dritten Mal", versichert der Leiter der Werkstatt. Das Fahrzeug erhält eine neue Lackierung. Gleichzeitig wird er modernisiert. Die Bühnen werden so umgebaut, dass das Personal während der Fahrt von einem Wagen in den anderen gelangen kann. Selbstverständlich werden auch alle sicherheitsrelevanten Baugruppen überprüft und gegebenenfalls wieder instand gesetzt. Dazu gehören unter anderem die Drehgestelle, Zugvorrichtungen und Bremsanlagen. Das ist laut Betriebsordnung für Schmalspurbahnen alle acht Jahre Pflicht. Als der Wagen vor etwa einem Vierteljahr hier ankam, war er noch in einem sehr guten Zustand. Dabei rollte er schon seit etwa 100 Jahren über die Schienen.

Ein Stück Geschichte

Der Hauptrahmen ist jedoch immer noch original. "Die Verbindungen der Stahlteile sind alle noch genietet. Das ist typisch für die Entstehungszeit", so Uwe Mehnert. Die Deutsche Reichsbahn hatte den Wagen in den 1970er Jahren schon einmal rekonstruiert. Das Dach ist ebenfalls sehr alt. Dessen Grundsubstanz wurde damals übernommen und bis heute nur mehrfach ausgebessert. Dabei handelt es eine mit Schweißbahnen überdeckte Holzkonstruktion. Die Prozedur, die jeder Wagen in der Werkstatt durchläuft, ist immer gleich. Nach seiner Ankunft wird er komplett demontiert und in sämtliche Bestandteile zerlegt. Danach wird er gründlich gewaschen. Daran schließt sich die Begutachtung an.

13-köpfiges Werkstatt-Team im Einsatz

Sachverständige nehmen alles genauestens unter die Lupe. Daraus leitet sich das Schadbild ab, das in einem Protokoll festgehalten wird. Uwe Mehnert weiß nun, welche Arbeiten anfallen, bis der Wagen wieder zurück auf die Schienen darf. Gleich mehrere Gewerke greifen nun in der Werkstatt ineinander. Stahlbauer, Tischler, Lackierer sind nur drei davon. Die meisten Arbeiten müssen alle der aktuell 13 Mitarbeiter ausführen. "Wir haben auch Spezialisten für verschiedene Tätigkeiten", räumt der 61-Jährige ein. Kaum etwas funktioniert ohne Muskelkraft. Mikroelektronik spielt dabei kaum eine Rolle. Das gilt auch für die Messvorgänge. Hier heißt es: Messschieber vor PC-gesteuerter Technik. Elektronische Komponenten sind nur bei der selbstverständlich nachträglich eingebauten Zentralschmierung verwendet worden. Die Bauteile haben die Marienberger aus der KFZ-Technik modifiziert. "Im Verhältnis gesehen ist das aber ein recht kleiner Umfang gegenüber modernen Schienenfahrzeugen", so Uwe Mehnert.



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