Die Diskussion um die zukünftige Schulstandortplanung in Venusberg und Drebach bewegt derzeit viele Familien, Eltern und Bürgerinnen und Bürger in der Region. Besonders die Entscheidung zugunsten des Standortes Drebach sorgt für Gesprächsstoff – aber auch für Fragen und Sorgen.
Um die Sichtweise der Gemeinde besser nachvollziehen zu können, haben wir Bürgermeister Swen Drechsler zu den wichtigsten Punkten rund um die Entscheidung befragt. Seine Antworten im Wortlaut.
„Die Entscheidung basiert auf einer langfristigen Gesamtbetrachtung“
Welche wesentlichen Gründe waren ausschlaggebend für die Entscheidung zugunsten des Standortes Drebach?
Swen Drechsler: „Die Entscheidung basiert auf einer langfristigen Gesamtbetrachtung und nicht auf kurzfristigen Einzelaspekten. Ausschlaggebend waren unter anderem die demografische Entwicklung (Geburtenentwicklung in den Orten), die vorhandenen räumlichen Möglichkeiten (Sportplatz, Planetarium, neue Turnhalle), die bessere Umsetzbarkeit eines modernen und barrierefreien Schulcampus sowie die langfristige Zukunftsfähigkeit des Standortes.“
Zukunft von Venusberg weiterhin offen
Welche Perspektive sieht die Gemeinde künftig für den Standort Venusberg?
Swen Drechsler: „Der Gemeinderatsbeschluss betrifft zunächst die zukünftige Schulstandortplanung. Über die weitere Nutzung des Gebäudes und mögliche Entwicklungsperspektiven wird zu gegebener Zeit beraten. Dabei sollen selbstverständlich auch die Interessen des Ortsteils Venusberg berücksichtigt werden.“
So soll der Übergang bis 2028 gestaltet werden
Wie soll der Übergang bis zum Schuljahr 2027/2028 gestaltet werden?
Swen Drechsler: „Mit dem Beschluss beginnt nun die konkrete Planungsphase. Dazu gehören bauliche, organisatorische und verkehrstechnische Fragen ebenso wie die Abstimmung mit Schule und Hort. Geplant ist die Zusammenlegung der Schulbezirke ab dem Schuljahr 26/27, die Bauphase ab dem Schuljahr 27/28 und wenn alles nach Plan läuft, der Umzug nach Drebach ab dem Schuljahr 28/29. Während der Bauphase soll in Drebach Baufreiheit geschaffen werden. Das Schuljahr 27/28 wird daher herausfordernd, aber wir sind absolut bestrebt, dies für die Schüler, Eltern und Lehrer so optimal wie möglich zu gestalten.“
Auswirkungen auf Lehrkräfte und Beschäftigte
Welche Auswirkungen hat die Entscheidung auf die derzeitigen Beschäftigten beider Schulen – sowohl im pädagogischen Bereich als auch im organisatorischen und versorgenden Umfeld?
Swen Drechsler: „Ziel der Gemeinde ist es, gemeinsam mit den zuständigen Stellen verträgliche Lösungen für Beschäftigte und den laufenden Schulbetrieb zu finden. Entscheidungen trifft beim Lehrerpersonal das Landesamt für Schule und Bildung.“
Fördermittel und sinkende Geburtenzahlen als zentrale Faktoren
Welche Rolle spielten wirtschaftliche Aspekte und bereits erfolgte Investitionen in die Entscheidungsfindung?
Swen Drechsler: „Die Gemeinde trägt Verantwortung für einen nachhaltigen Einsatz öffentlicher Mittel sowie für eine langfristig tragfähige Bildungsinfrastruktur. Vordergründig waren nicht die laufenden Kosten für zwei Schulstandorte. Hauptargument sind die stark fallenden Geburtenzahlen. Der aktuelle Zeitpunkt ist günstig, da der Bund die Mittel für die Kommunen aus dem Sachsenfonds zur Verfügung stellt. Außerdem erhoffen wir Berücksichtigung bei der Vergabe der Mittel für den Schulhausbau. Dazu findet – um für unser Projekt zu werben – ein Termin am 01.06.26 in Dresden bei Staatsminister Clemens statt. Eines ist klar – wenn die Gelder aus Dresden zum Schulhausbau nicht kommen, müssen wir über die Dimension der Maßnahmen neu beraten.
Bisher wurde in beide Schulen investiert. Dies ist uns bewusst, daher wurde diese Entscheidung nicht leichtfertig sondern intensiv diskutiert. Bindefristen für Fördermittel aus vergangenen Baumaßnahmen stehen mit auf der Agenda beim Termin in Dresden.“
Kritik an fehlender früher Beteiligung
In welcher Form wurden Eltern, Schulleitung und Mitarbeitende in den Prozess eingebunden?
Swen Drechsler: „Seit der letzten Diskussion vor zwei Jahren ist dieses Thema präsent. In den letzten Monaten wurde sich innerhalb der gemeindlichen Gremien darüber ausgetauscht. Auch mit den Schulleitern, den Lehrkräften, dem Landesamt für Schule und Bildung wurde der Austausch gepflegt. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass sich Eltern und Bürgerinnen und Bürger eine frühere öffentliche Diskussion gewünscht hätten. Am Ende wollte jedoch der Gemeinderat sich eine belastbare Entscheidungsgrundlage schaffen, bevor konkrete Planungen vorgestellt werden. Der Gemeinderat ist das demokratisch gewählte Gremium der Gemeinde und trägt die Verantwortung, Entscheidungen im Interesse der langfristigen Entwicklung der gesamten Kommune zu treffen. Mit dem Grundsatzbeschluss beginnt nun die eigentliche Planungs- und Beteiligungsphase, in der weitere Gespräche mit Schule, Hort, Eltern, Mitarbeitenden und Öffentlichkeit erfolgen sollen.“
Welche Alternativen wurden geprüft?
Gab es alternative Modelle oder Varianten, die ebenfalls geprüft wurden?
Swen Drechsler: „Ja. Im Vorfeld wurden unterschiedliche Varianten betrachtet und diskutiert. Dazu gehörten unter anderem die Fortführung beider Schulstandorte, verschiedene Übergangslösungen während einer möglichen Bauphase sowie unterschiedliche Nutzungskonzepte für die Zukunft. Nach Abwägung der demografischen Entwicklung, der baulichen Möglichkeiten, organisatorischer Abläufe und der langfristigen Perspektiven kam der Gemeinderat und auch die Schulleiter mit den Lehrkräften jedoch zu dem Ergebnis, dass die Bündelung an einem Standort die nachhaltigste und zukunftsfähigste Lösung darstellt.“
„Wir nehmen die Sorgen vieler Familien sehr ernst“
Wie bewertet die Gemeinde die aktuelle Stimmung und die Sorgen vieler betroffener Familien?
Swen Drechsler: „Wir nehmen die Sorgen, Enttäuschungen und auch die emotionale Betroffenheit vieler Familien sehr ernst. Uns ist bewusst, dass eine Schule weit mehr ist als nur ein Gebäude. Sie ist Teil des dörflichen Lebens und für viele Menschen eng mit persönlichen Erinnerungen, Identität und Gemeinschaft verbunden.
Gerade deshalb wurde die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen. Gleichzeitig sehen wir es als Verantwortung des Gemeinderates an, frühzeitig tragfähige Entscheidungen für die kommenden Jahrzehnte zu treffen. Nicht zu entscheiden oder notwendige Entwicklungen weiter hinauszuschieben, wäre aus unserer Sicht langfristig die schlechtere Lösung gewesen. Am Ende sehen wir die Gefahr, dass die Gemeinde Drebach komplett ohne Schule dasteht.“
Langfristige Vorteile für Kinder und Bildungsqualität
Welche Vorteile sieht die Gemeinde langfristig für die Kinder und die Bildungsqualität am zukünftigen Standort?
Swen Drechsler: „Die Gemeinde sieht die Chance, einen modernen und langfristig stabilen Schulstandort zu entwickeln. In Drebach bestehen bessere räumliche Entwicklungsmöglichkeiten, unter anderem durch die unmittelbare Nähe zu Turnhalle, Sportanlagen und weiteren Einrichtungen. Auch die Umsetzung moderner und barrierefreier Lernbedingungen ist dort langfristig einfacher realisierbar. Ziel ist es, trotz sinkender Schülerzahlen dauerhaft gute Lern-, Betreuungs- und Ganztagsbedingungen für die Kinder der gesamten Gemeinde sicherzustellen.“
Weitere Informationen sollen folgen
Ist vorgesehen, die Öffentlichkeit weiterhin über die nächsten Schritte und Planungen zu informieren?
Swen Drechsler: „Ja. Mit dem Grundsatzbeschluss beginnt nun erst die konkrete Planungs- und Konzeptphase. Die Gemeinde wird die Öffentlichkeit auch weiterhin über wichtige Entwicklungen, Planungen und Entscheidungen informieren. Dabei sollen auch Gespräche mit Schule, Hort, Eltern und weiteren Beteiligten fortgeführt werden.“
„Es geht nicht um ein Gegeneinander der Ortsteile“
Was ist Ihrerseits noch wichtig zu erwähnen?
Swen Drechsler: „Dem Gemeinderat war bewusst, dass diese Entscheidung nicht überall Zustimmung finden wird. Dennoch musste eine Entscheidung getroffen werden, die nicht nur die Gegenwart, sondern vor allem die kommenden 10 bis 20 Jahre im Blick hat. Dabei ging es ausdrücklich nicht um ein Gegeneinander der Ortsteile oder um eine Bewertung der bisherigen Arbeit an den einzelnen Schulen. Beide Standorte haben engagierte Lehrkräfte, Eltern und Unterstützer. Entscheidend war letztlich die Frage, welcher Standort langfristig die besseren Entwicklungsmöglichkeiten für die gesamte Gemeinde bietet.“
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