Beisammensitzen, gemeinsam singen und musizieren, schunkeln; diese alte Erzgebirgstradition lebt nicht nur in Hutzenstuben weiter, sondern auch im Dorfchemnitzer Stampfencafé. Seit Anfang 2025 lädt der gastgebende Verein dort einmal im Monat zur Stampfensession ein, die erste im neuen Jahr gab es am 7. Januar.
Könner und Laien spielen und schunkeln gemeinsam
"Jeden ersten Mittwoch im Monat treffen sich bei uns Leute aus dem Ort und dem Erzgebirge, die Freude am Singen und Musik machen haben. Profis genauso wie solche, die sonst nur daheim am Küchentisch Akkorde probieren oder bei der Arbeit trällern. Im Stampfencafé finden alle ihre Bühne unter Gleichgesinnten und Applaus", meint Stefan Kieß, der sonst in der Band D Generation X spielt. Gemeinsam mit Falk Jenkner hatte er die Idee zu den Musikabenden. Bald war Falks Gartenhütte zu klein für die wachsende Schar und mit dem Stampfencafé im Zwönitzer Ortsteil Dorfchemnitz fand sich eine passend große Location mit erzgebirgischem Flair.
Stimmfest oder schräg - jeder stimmt ein
Der heimelige Raum war auch am 7. Januar 2026 fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Punkt halb sieben machten Kieß, Jenkner und ihre Kumpels den Auf-Takt, traditionell mit dem Steigermarsch. Nach eine Reihe Lieder vom Günther, Anton folgten Schneewalzer, Vugelbeerbaam und andere Schunkler, ehe es mit Neil Young, Bob Dylan & Co. international wurde. Später "legte" man Udo Jürgens und andere deutsche Interpreten "auf". Längst hatten Raiko Teuchert mit seinem Bandonion sowie Stefan Günther aus Lößnitz, Otti und Ralf Lohr, aus Jahnsdorf, Barbara Bogdain aus Hohndorf, Bärbel Funk aus "Zwänz" und andere "Gitarristen" eingestimmt. Und ob stimmfest oder schräg, der ganze Laden stimmte ein. Natürlich auch Claus Uhlmann sowie Kerstin und Ronny Illing vom Verein "Freunde der Knochenstampfe e. V." Letztere sorgten für perfekte Organisation sowie lecker‘ Speis‘ und Trank.
Hier blüht das Dorfleben
Der Verein mit jetzt knapp zwanzig Mitgliedern besteht seit 2016, den Anstoß lieferte seinerzeit die Frauengruppe des SV Dorfchemnitz. "Die Sportlerinnen buken zum jährlichen Stampfenfest Kuchen. Sie schlugen vor, das leerstehende Café neben dem Museum Knochenstampfe zu nutzen, um übers Jahr das Dorfleben zu bereichern. Zwönitz‘ Bürgermeister Wolfgang Triebert freute sich, kommt doch Leben in das Haus und auch andere Gruppen wie Feuerwehrkameraden, Motorradfahrerstammtisch, Kleingärtner oder Hasen- und Geflügelzüchter fühlen sich unter dem Dach wohl", berichtet Claus Uhlmann, der Vereinsvorsitzende. Etliche Termine seien inzwischen Kult, fügt er hinzu. Etwa das Sonntagscafé jeden zweiten Sonntag und die "Kaffee-Kränzl" für Senioren am letzten Dienstag im Monat und erwähnte Stampfensession jeden ersten Mittwoch. Außerdem Reisevorträge oder die Frühlings-Musiksession Mitte Mai. "Leider ist das Museum Knochenstampfe nebenan wegen Sanierung geschlossen, doch auf Anmeldung können wir Besuchern die Tür gern öffnen", sagt Claus Uhlmann. Und frische Ideen gebe es auch, etwa Spieleabende und Whisky-Tastings.
Vielfalt ist Trumpf im Stampfencafé
Die 11. Stampfensession ist für 4. Februar, 18.30 Uhr geplant. "Wer Lust hat, bringt seine Klampfe mit oder nur Stimme und gute Laune. Trotz sehr guter Resonanz, ein Plätzchen für Neue findet sich immer", lädt Falk Jenkner ein. Darüber hinaus wartet das Stampfencafé mit vielfältigen weiteren Kultur-Hits auf. Dazu zählt "Leise kriselt der Schnee" am 17. Januar, ein etwas anderes Weihnachtsprogramm von Sterni und Freunden mit kritischen Texten zur Livemusik. Oder der Mix aus Swing, Blues und Rock‘n‘Roll am 24. Januar - Handgemacht von der Gruppe B-coloured. Am 12. Februar erzählen Tine Lickert und Jörg Lehmann über ihren 15.000-Kilometer Roadtrip vom Erzgebirge in den Kongo. Und am 7. März geht es "mit dem Papst durch Polen", auf einer Reise mit AWO-Motorrädern durch unser Nachbarland.
Das komplette Stampfencafé-Programm bis April steht auf der Website.
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