Sich finden lassen

Das Wort zum Sonntag von René Wiechmann

In letzter Zeit prallen immer häufiger entschiedener Atheismus und vollmundiges Bekenntnis zu Gott aufeinander - Gottleugner hier - Gottverehrer da. Bisweilen stehen sie sich verbissen gegenüber. Religiöse Lebensdeutung und areligiöse Lebensdeutung geraten in Konfrontation zueinander. Nicht nur in Deutschland. Darum: Nur wo ich Gott vermisse, mache ich mich auf die Suche und kann ihn womöglich finden, wieder neu finden.

Genau diesen Weg beschreibt der Prophet Jeremia in seinem Brief an die religiös ortlos Gewordenen, die ihre religiöse Heimat, ihr Zuhause, ihre innere Mitte verloren haben, die zu Fremden geworden sind. Er schreibt von der Einladung Gottes, IHN zu suchen: "Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen ..." (Jeremia 29,13b+14a).

Das kommt mir vor wie bei einem Versteckspiel, als ich noch Kind war. Wenn man mich nicht gleich fand, dann ließ ich mich finden, weil mich Unruhe plagte. Ich gab mich zu erkennen, damit die Suche ein Ende und Erfolg hatte.

Suchen nicht mit kühlem, berechnendem Kopf, sondern mit Empathie, mit Schmerz und Freude, mit dem Herzen. Ich wollte schon als Jugendlicher mit brennendem Herzen ein Teil der Schöpfung sein, mich als Gottes Geschöpf entdecken.