Sieger-Spagat zwischen Apokalypse und Komödie

Poetry Slam Sieger war ein 16-Jähriger aus Neukirchen

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Annaberg-Buchholz. Zum 7. Mal gab es in Annaberg-Buchholz den Poetry Slam, einen Wettstreit der Wortakrobaten. Die Texte waren neu, die Regeln wie immer bekannt und knallhart: Zwei Durchgänge, in denen selbst geschriebene Texte aufgesagt oder vorgelesen werden und die Bewertung hat schon basisdemokratischen Charakter: Das Publikum entscheidet, in der 1. Runde durch Punktevergabe, in der 2. durch Applaus. Dabei wird nicht die Stärke gemessen, sondern die Dauer, in einem nicht ganz so komplizierten mathematischen Verfahren werden die Ergebnisse beider Durchgänge zusammengezählt, dann konnte auch im Neuen Konsulat ein eindeutiges Ergebnis verkündet werden: Mit dem Titel "Bester Poetry Slammer" im Herbst 2017 darf sich ein ganz "Gungscher" schmücken.

Vincent Glathe gewinnt den Poetry Slam

Vincent Glathe heißt er, stammt aus Neukirchen und er las zwei Texte, die sich jeweils reimten, vom Sujet aber diametral waren. In "Apokalypsengespräch" ließ er unter anderem Godzilla und die Apokalyptischen Reiter auftreten, es gab mindestens eine Atombombe, der, wie der Autor findet durchaus mit Berechtigung, auch der Erfinder der weißen Jeanshose erlegen war. Die Menschheit wird dahingemetzelt, das war wie die Hölle aus Dante Aligheris Göttlicher Komödie, das Inferno auf lustig-absurd, wie auf Speed, aber der Jetztzeit angepasst. Da war auch schon mal "Alice im Arompilzwald" unterwegs. Klare Sache, dass Vincent Glathe damit ganz vorn lag, und mit "Elegie eines jungen Künstlers", seinem 2. Stück, machte er den Sieg perfekt.

Wieder reimten sich die Verse, da hat die "Halle der Künste seltsame Ausdünste", der 16-Jährige verarbeitete darin seine traumatischen Erfahrungen mit dem Kunstunterricht. Vincent Glathe gelang am Freitag der Spagat zwischen Apokalypse und Komödie "Der 1. Text ist natürlich erfunden, den 2. habe ich genauso erlebt", versicherte der prämierte Sprachakrobat. Nur vier Poetry Slammer hatten sich im Neuen Konsulat eingefunden, Stefan Mauersberger wurde 2. Sieger vor Max Mesick aus Bad Schlema und dem Frohnauer Michael Habermann.

Nicht nur Worte - auch Musik

Auch am Freitag gab es wieder Musik zu hören, der Scheibenberger Florian Illing, schon Starter beim Poetry Slam, hatte Zettel und Stift mit Gitarre, Mikro und Technik getauscht. Damit bot er als "Poject Rainfall" gekonnt eindringliche Klangstrukturen, die, aufgezeichnet und wieder abgespielt, sich überlagerten. "Ich war in Chemnitz und Dresden schon bei einigen Poetry Slams, bei denen Profis in großen Hallen auftreten. Hier ist es viel intimer, einfach gemütlich, macht aber unheimlich viel Spaß", sagte Sarah Wolf, die sich "als eher der Zuhörertyp" bezeichnete.

Organisiert wurde der Poetry Slam wieder vom Winterstein-Theater, dessen neuer Leiter er Öffentlichkeitsarbeit Chris Brinkel bewährte Unterstützung von Assistentin Maria Schubert erhielt, die, wie immer unbestechlich, auch diesmal wieder die "Quadratur des Kreises" meisterte und die Punkte aus der Bewertung mit der Dauer des Applauses zu einem Ergebnis verband.