Tag zwei des Motorrad Grand Prix of Hungary auf dem Balaton Park Circuit. Bevor am heutigen Sonntag die WM-Piloten loslegten, war es dem potenziellen Moto3-WM-Nachwuchs des Moto4 Northern Cup vorbehalten, den Renntag zu eröffnen. Den gestrigen kombinierten Trainings-und Renntag hatten sie beschlossen.
Bei diesem mit starker deutscher und sächsischer Beteiligung am Samstagnachmittag machten Anina Urlaß aus Hohndorf bei Stollberg und Robin Siegert aus Lengefeld allein vorn auf weiter Flur das Ding unter sich aus. Nachdem Anina gestern beim finalen Angriff von Robin um den Rennsieg stürzte und der Erzgebirger gewann, wiederholte der 15-Jährige seinen gestrigen Sieg diesmal ziemlich konkurrenzlos mit einer Solo-Fahrt par excellence. Zusammen mit seinen zwei Siegen bei zweiten Saisonevent auf dem Sachsenring ist Robin seit nunmehr vier Rennen ungeschlagen und führt die Cup-Tabelle nach diesem Wochenende klar an.
Weitere sächsische Akteure in den Top-10
Anina Urlaß hatte hingegen mit technischen Problemen zu kämpfen und fiel sukzessive zurück. Diese gipfelten in einem kapitalen Motorschaden, sodass sie mit zwei Nullern auf dem Balaton Park Circuit ein Wochenende zum Vergessen erlebte. Auch in der Meisterschaft verlor sie viel an Boden. Den Weg nach Ungarn hatte sie noch als Cup-Führende angetreten. Da passte es geradezu ins Bild, dass sie auserkoren wurde, das nachfolgende Moto3-WM-Rennen abzuwinken, doch just in dem Moment, als sie die schwarz-weiß-karierte Flagge in die Hand nahm, wurde das Rennen wegen eines Unfalls per roter Flaggen abgebrochen. Somit wurde sie auch um dieses kleine Seelenbalsam gebracht.
Dafür kämpfte der Aufsteiger aus dem ADAC Mini Bike Cup, Jason Rudolph aus St. Egidien, am Schluss um den dritten Rang auf dem Podest, musste sich nach einem Verbremser und Schaltfehler jedoch mit Rang vier begnügen. Unmittelbar hinter ihm schaffte die ebenfalls für den AMC Sachsenring fahrende Smilla Göttlich aus Eibau nach verkorkstem Saisonbeginn mit Platz fünf ihr bestes Saisonergebnis. Danny Hinkelmann aus Königsfeld wurde diesmal Zehnter.
Hauptrennen der Premiumklassse begann mit Massencrash
Hatten den Samstag die Moto4-Northern-Cup-Talente den Tagesschlusspunkt gesetzt, kam heute mit dem Rennen der Premiumklasse MotoGP das Beste zum (Gesamt-)Schluss. Dieses Rennen begann mit einem Massencrash in der ersten Kurve. Wenngleich dieser glücklicherweise weitgehend harmlos ausging, waren der WM-Spitzenreiter Marco Bezzecchi aus Italien, sein spanischer Teamkollege beim Werksteam Aprilia Racing Jorge Martin, die weiteren Spanier Fermin Aldeguer (BK8 Gresini Racing MotoGP, Ducati) und Raul Fernandez (SuperFile Trackhouse MotoGP Team, Aprilia) sofort „out of race“. Der ebenfalls gestürzte Italiener Fabio die Giannantonio aus Valentino Rossis Ducati-Team Pertamina Enduro VR46 Racing setzte seine Fahrt als Letzter fort und kam immerhin noch als Zwölfter ins Ziel.
Vorn hatte indessen Pedro Acosta (ESP, Red Bull KTM Factory Racing) die Führung vor seinem Landsmann Marc Marquez und dem Italiener Francesco „Pecco“ Bagnaia (beide Ducati Lenovo Team) an sich gerissen, konnte sich aber nicht entscheidend von Marc Marquez absetzen.
Kurz nach Rennmitte, in der 15. von 26 Rennrunden, kam was kommen musste. Marquez quetschte sich an Acosta vorbei, zog weg und stellte schlussendlich seinen 100. Grand-Prix-Sieg querbeet über alle Klassen sicher. Damit ist er erst der dritte Fahrer im 100er-Club. Vor ihm liegen noch der Rekord-Weltmeister und -GP-Sieger Giacomo Agostini mit 122 Triumphfahrten sowie Valentino Rossi, der 115 Mal siegreich war. Gleichzeitig war es der 100. Sieg von Ducati in der Motorrad-Weltmeisterschaft. Den Anfang machte 1958 der Italiener Alberto Gandossi. Das alles traf sich gut, denn in diesem Jahr feiert der Hersteller aus Bologna sein 100-jähriges Bestehen. Pecco Bagnaia rundete als einsamer Dritter des Rennens den Ducati-Feiertag ab.
Honda auch dank des ausgedünnten Feldes im Vorderfeld
Auf Platz vier fuhr im arg dezimierten Feld lange Zeit Valentino Rossis Halbbruder Luca Marini mit einer eigentlich zu leistungsschwachen Honda des Teams Honda HRC Castrol. Zwei Runden vor Schluss musste er sich allerdings dem Japaner Ai Ogura (SuperFile Trackhouse MotoGP Team, Aprilia) beugen.
Die Top-10 komplettierten Diogo Moreira (BRA, Pro Honda LCR), der Alex-Marquez-Ersatzfahrer Iker Lecuona (ESP, BK8 Gresini Racing MotoGP, Ducati), Jack Miller (AUS, Prima Pramac Yamaha MotoGP, Enea Bastianini (ITA, Red Bull KTM Tech3) und Brad Binder (RSA, Red Bull KTM Factory Racing).
In der WM-Tabelle ist Marc Marquez mit seinen beiden Siegen auf dem Balaton Park Circuit, gestern im Sprintrennen und heute im GP-(Haupt-)Rennen, mit nun insgesamt 108 WM-Punkten auf Rang fünf vorgedrungen. Auf den weiterhin führenden Marco Bezzecchi fehlen allerdings noch 72 Zähler. Andererseits sind in diesem Jahr noch 14 Grand Prix ausständig.
Sieg bzw. Doppelpodium für deutsches Team Liqui Moly Dynavolt Intact GP
Zuvor feierte das Memminger Rennteam LIQUI MOLY Dynavolt Intact GP ein Doppelpodium. Es gewann der Spanier Manuel Gonzalez und der Australier Senna Agius wurde Dritter. Dazwischen klassierte sich der Tscheche Filip Salac vom OnlyFans American Racing Team. Bis zur zehnten von 22 Runden hatte er sogar vor Manuel Gonzalez geführt. Sein fünfter WM-Podestplatz kam gerade rechtzeitig, denn der nächste Grand Prix ist vom 19. bis 21. Juni sein Heimrennen in Brno.
Im Zwischenklassement hat Manuel Gonzalez mit seinem dritten Saisonsieg in Folge seine Führung auf nun 49,5 Punkte ausgebaut.
Freud und Leid beim Memminger Team nach dem Moto3-Rennen
Auch im Moto3-Rennen gab es für das Team Liqui Moly Dynavolt Intact GP einen Podestrang zu bejubeln, in dem der Spanier David Almansa Zweiter wurde. Er musste nur seinem Landsmann Maximo Quiles vom CFMOTO Gaviota Aspar Team den Vortritt lassen, der damit fünf der bisherigen acht Saisonrennen gewann und weiter klar auf Titelkurs liegt. Der weitere Spanier Alvaro Carpe (Red Bull KTM Ajo) komplettierte das Podest.
Dieses schien auch für den zweiten Fahrer der letzten aktiven deutschen Vertreter im Grand-Prix-Zirkus, David Munoz, bis kurz vor Schluss möglich zu sein, doch durch einen Dreier-Sturz in der letzten Runde sah auch er keine Zielflagge. Ihn hatte es am schlimmsten erwischt. Zwar waren, nach Auskunft der Rennleitung, alle drei Fahrer bei Bewusstsein, doch Munoz musste zu weiteren Untersuchungen per Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht werden.
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