Siegert schlägt wieder zu: Nächster MotoGP-Sieg in Brno

Beim Motorrad Grand Prix von Tschechien gab es einen altbekannten und zwei Debüt-Sieger. Der Moto4 Northern Cup wurde wieder eine sächsische Beute.

Brno / CZE

Das Brno-Wochenende 2026 der MotoGP ist Geschichte und wurde, verglichen mit dem letzten Jahr, von etwas enttäuschenden "nur" 171.230 Zuschauern verfolgt. Im Vorjahr, als das Rennen nur eine Woche nach dem LIQUI MOLY Grand Prix von Deutschland auf dem Sachsenring stattfand, hatten sich noch 219.544 Besucher am Automotodrom Brno eingefunden.

Das Minus von 48.314 Zuschauern durfte wohl mit der ausufernden Preispolitik des tschechischen Veranstalters zu begründen sein. Schade, denn die Rennen in unserem südöstlichen Nachbarland waren traditionell bedingt auch für Fans aus Sachsen immer ein echter Wallfahrtsort.

Diesmal Kampf bis zum letzten Meter

Sportlich war aber auch die 2026er-Ausgabe über jeden Zweifel erhaben, und aus sächsischer Sicht startete der Renntag in etwa so gut wie der gestrige geendet hatte.

Ins Rennen zum Moto4 Northern Cup ging der 15-jährige Robin Siegert aus Lengefeld wieder von der Pole Position und die gleichaltrige Anina Urlaß aus Hohndorf bei Stollberg nach ihrer Strafversetzung in Folge eines Reglementverstoßes ihres Teams erneut nur vom 22. und damit letzten Startplatz aus. Das hinderte sie wieder nicht daran, schleunigst durchs Feld in Richtung Spitze zu wuseln. Hatte sie sich gestern noch mit Platz zwei hinter dem enteilten Sieger Robin Siegert begnügen müssen, konnte sie heute in der sich gebildeten siebenköpfigen Spitzengruppe sogar Führungsluft schnuppern.

In einem packenden Finish war allerdings Robin Siegert einen Tick cleverer und holte sich seinen sechsten Sieg in Folge. Klar, dass er in der Tabelle auf einen beruhigenden Vorsprung von 54 Punkten (mehr als es für zwei Siege gibt) auf das schnelle Mädchen blicken kann. Mit Platz drei sorgte der Tscheche Roman Durdis für die ersten Glücksmomente der tschechischen Fans auf den Rängen.

In besagter Spitzengruppe mischte auch der Klassenneuling Danny Hinkelmann aus Königsfeld munter mit, führte das Feld phasenweise ebenfalls an und wurde letztendlich Sechster.

Die für den AMC Sachsenring fahrenden Smilla Göttlich aus Eibau und Jason Rudolph aus St. Egidien landeten auf den Plätzen 14 und 15 und somit schnapp ab in den Punkterängen. Auch die kämpferischen Leistungen der weiteren Rookies konnten sich wieder sehen lassen und gaben Anlass zur Hoffnung auf ihr nächstes Rennen, ihr Heimrennen im Rahmen des MotoGP auf dem Sachsenring vom 10. bis 12. Juli.

Marc Marquez katapultierte sich wieder in den WM-Titelkampf

Dann werden natürlich wieder die drei WM-Kategorien im Mittelpunkt stehen, allen voran die Top-Klasse MotoGP.

Deren Rennen gewann heute der mit zwölf Sachsenring-Siegen "King of the Ring", der Spanier Marc Marquez. Anfangs führte dessen italienischer Stallgefährte im Ducati Lenovo Team, Francesco "Pecco" Bagnaia, das Rennen vor Marquez sowie dem Japaner Ai Ogura vom SuperFile Trackhouse MotoGP Team an.

In der 16. von 21 Runden auf der 5,403 Kilometer langen Berg- und Talbahn in Südmähren drückte sich Marquez jedoch an Bagnaia vorbei und zog sogleich etwas weg. Einen Umlauf nach Marquez ging auch Ogura an Bagnaia vorbei und durfte beim 101. Grand-Prix-Sieg des Spaniers als Zweiter mit aufs Podest. Der in der letzten Zeit arg gebeutelte Bagnaia war aber auch mit Rang drei sehr zufrieden, wie er später zugab.

Der Tabellenleader Marco Bezzecchi vom Team Aprilia Racing erhielt für heute Startverbot, nachdem er nach seinem Sturz im gestrigen Sprintrennen einen Streckenmarshall bei der Bergung seines Arbeitsgerätes geohrfeigt hatte. Heute entschuldigte sich der Italiener reumütig in der Öffentlichkeit sowie beim be- bzw. getroffenen Streckenposten persönlich.

Auch sein Teamkollege Jorge Martin hatte einen gebrauchten Tag. Zunächst wurde er wegen der Verursachung des Startunfalls zuletzt auf dem Balaton Park Circuit in Ungarn mit einem Doppel-Long-Lap-Penalty belegt. Bei der Erledigung dieser Sonderaufgabe fiel er von Platz acht auf 13 zurück und kämpfte sich danach wenigstens noch auf die neunte Position nach vorn. Wenigstens behielt auch er seinen zweiten Tabellenrang.

Dabei wurde ihm im Rennen sogar ein Platz von Pedro Acosta (ESP / Red Bull KTM Factory Racing) geschenkt, denn in der letzten Runde schied der bisherige WM-Vierte mit technischen Problemen an seinem überwiegend orangen Alpen-Bike aus. Dadurch rutschte er in der Tabelle auf die sechste Position ab, denn Marquez, der zwei Läufe verletzungsbedingt auslassen musste, ist jetzt hinter Fabio di Giannantonio (ITA / Pertamina Enduro VR46 Racing Team) Tabellenvierter, nur noch 40 Punkte hinter Bezzecchi. "Diggia" wurde heute Vierter vorm Honda-fahrenden Überraschungsmann Joan Mir (ESP / Honda HRC Castrol).

Am Ende kackt die Ente

Das Rennen der Moto2 führte rundenlang der gestrige Trainingsschnellste David Alonso aus Kolumbien vom CFMOTO Inde Aspar Team an. In der Schlussrunde verdrängte ihn jedoch der vierfache Moto3-GP-Sieger Ivan Ortola aus Spanien vom Platz an der sengenden Sonne und feierte seinen ersten Moto2-Sieg.

Hinter dem Spanier und dem Kolumbianer ließ der Tscheche Filip Salac vom OnlyFans American Racing Team vor allem die einheimischen Fans jubeln.

Auf den Plätzen vier und fünf kamen die beiden Hoffnungsträger des Memminger Teams LIQUI MOLY Dynavolt Intact GP, der Australier Senna Agius und der WM-Spitzenreiter Manuel Gonzalez, ebenfalls aus Spanien, ins Ziel. Vor allem die Leistung von Manuel Gonzalez ist hoch anzurechnen, denn wegen eines Grid Penaltys wegen langsamen Fahrens im Qualifying wurde er gestern Abend vom ursprünglich vierten Startplatz auf den 13. verbannt. Mit seiner Fahrt vor auf Rang fünf hatte er seine klare Tabellenführung sogar ausbauen können, denn den WM-Zweiten Izan Guevara (ESP, BLU CRU Pramac Yamaha Moto2) konnte er im Rennen hauchdünn hinter sich lassen.

Die letzte Zieldurchfahrt ist die wichtigste

Auch das Moto3-Rennen war nichts für schwache Nerven. In der Sechser-Führungsgruppe hatte die meiste Zeit der klare WM-Spitzenreiter und fünffache Saisonsieger Maximo Quiles (ESP, CFMOTO Gaviota Aspar Team) die Führungsarbeit geleistet. Auch Brian Uriarte (ESP, Red Bull KTM Ajo) und David Almansa aus der Moto2-Abteilung des letzten deutschen WM-Teams Liqui Moly Dynavolt Intact GP tauchten, zumindest bei einer oder mehrerer Start-Ziel-Überfahrten in führender Position auf.

Im entscheidenden Moment, der finalen Ziel-Überfahrt, hatte jedoch der Malaysier Hakim Danish vom Team AEON Credit - MT Helmets - MSI die Nase vorn und feierte seinen ersten Grand-Prix-Sieg. Im vorigen Jahr war der 18-Jährige noch in der Moto3 Junior-WM aktiv und wurde bei dieser am Jahresende Achter. Nun verwies er Uriarte, Qulies, Almansa sowie Veda Pratama (INA / Honda Team Asia) und Alvaro Carpe (ESP / Red Bull KTM Ajo) auf die Plätze.

Der Ersatzfahrer im Team Liqui Moly Dynavolt Intact GP für den seit dem vorangegangenen Rennen am Balaton verletzten David Munoz aus Spanien, Marcos Uriarte, fuhr als 13. immerhin in die Punkteränge (bis Platz 15).

Am kommenden Wochenende geht es mit dem Grand Prix im niederländischen Assen weiter, danach kommt der Tross am zweiten Juli-Wochenende zum Sachsenring.

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