Sind wir jetzt angekommen?

Flüchtlinge Mädchengruppe interviewt Asylbewerber

Seit diesem Jahr betreut Melissa Roscher vom Kreisjugendring zusammen mit der Diakonie eine engagierte Mädchengruppe im Erzgebirge. Dazu erklärt Melissa: "Die Mädchen haben Interviews mit Asylsuchenden durchgeführt und sind durch uns auf die Idee gekommen dies zu veröffentlichen. Sie möchten anonym bleiben und trotzdem etwas in ihrem Umfeld verändern, denn es ist ihnen wichtig den Erzgebirgern zu zeigen, wie es Asylbewerbern hier geht." Sie schreiben: "Wir möchten mit Vorurteilen aufräumen und versuchen Beleidigungen und Unterdrückung zu verhindern. Wir finden es nicht sinnvoll andere nach ihrem Aussehen und ihrer Kultur zu beurteilen. Deshalb haben wir im Juli drei Asylbewerber interviewt." Die Befragten kamen aus dem Kosovo und aus Lybien. Kida (15) eine junge Kosovo-Albanerin wohnt seit zehn Monaten in Deutschland. Achmet und Mohammed, beide 34, (alle Namen geändert) sind seit fast zwei Jahren hier. Sie befinden sich alle noch im laufenden Asylverfahren. Kidas Vater wurde erpresst und mit einem Messer bedroht. Er sollte entweder Geld bezahlen oder nach Syrien in den Krieg geschickt werden. Mit dem Bus fuhren sie nach Serbien, von da aus sind sie fünf Stunden ohne Essen und Trinken, stets mit der Angst vor der Polizei im Nacken, nach Ungarn gelaufen. Von Budapest aus ging es mit dem Zug weiter nach München. Die lybischen Männer kamen per Flugzeug von Malta über München und Düsseldorf. Auch sie verließen ihre Heimat wegen des Bürgerkriegs. Kida möchte mit ihrer Familie in Deutschland bleiben, später mal im Krankenhaus arbeiten und selbst eine Familie gründen. Achmet ist Elektriker, er darf momentan nicht arbeiten. Den Volkshochschul-Deutschkurs finanziert er von Sozialleistungen für Asylbewerber zuzüglich der Fahrtkosten. "Ich muss arbeiten" sagt er, er muss vier Kinder versorgen. Alle drei leben mit der Ungewissheit, ob sie in Deutschland bleiben dürfen oder abgeschoben werden. Was geschieht, wenn Kida, Achmet und Mohammed mit ihren Familien zurück müssen? Das ist die Frage, welche die Mädels aus dem Erzgebirge jetzt umtreibt. ru/pm