Sonderschau weckt Erinnerungen

Familiengeschichten Gottfried Becher hat als Fuhrunternehmer für die Möbelindustrie gearbeitet

Die Entwicklung von Johanngeorgenstadt interessiert Gottfried Becher noch immer. Und das obwohl der heute 86-Jährige die Stadt in den 1950er Jahren verlassen musste. "Das hing alles mit der Wismut zusammen", sagt der Rentner, der heute in Schwarzenberg lebt. Die Geschichte lässt ihm keine Ruhe, denn in Johanngeorgenstadt ist er aufgewachsen und hat die ersten Berufsjahre dort verbracht.

Zirka 3,5 Millionen Kilometer hat er am Lenkrad zurückgelegt, denn Becher arbeitete jahrelang im Fuhrunternehmen der Familie. Seine Vorfahren hatten mit vier bis sechs Pferden angefangen. "Sie haben Lebensmittel aus Auerbach nach Johanngeorgenstadt geholt", sagt Becher. Eigentlich wollte er Ende des zweiten Weltkrieges bei Horch in Zwickau anfangen. "Wir waren ja dort gute Kunden", erzählt er. Doch als er schließlich bei Horch vor der Tür stand, hatten sich die Zeiten geändert. "Dort hieß es schließlich, einen Unternehmersohn nehmen wir nicht." Also fing Becher bei seinen Eltern im Fuhrgeschäft August Müller an.

Mit dem Box-Möbelwerk haben er und seine Familie eng zusammengearbeitet. "Wir haben zuerst das benötigte Holz nach Johanngeorgenstadt gebracht und dann die fertigen Sachen ausgeliefert." Daher interessierte ihn auch die aktuelle Ausstellung zur Entwicklung der Möbelindustrie in der Bergstadt, die noch bis Mitte Dezember im Pferdegöpel zu sehen ist und für die Harald und Frank Teller verantwortlich zeichneten. Diese zeigt eindrucksvoll, wie sich die Möbelindustrie wandelte. Ein besonders großer Teil widmet sich der Zeit, als in der Box Gehäuse für Rundfunkgeräte gebaut wurden. "Wir sind dreimal wöchentlich nach Berlin-Treptow gefahren und haben die Rundfunkgeräte dorthin gebracht", erinnert sich der ehemaige Fuhrunternehmer. Als 1958 dann endgültig für seine Familie in Johanngeorgenstadt Schluss war, wagte man in Schwarzenberg den Neuanfang.