Stimmen aus der Dunkelheit im Erzgebirge: Performance im ehemaligen DDR-Frauengefängnis

Das Theater Hoheneck wird zur Bühne für die vertonten Geschichten ehemaliger Insassinnen

Stollberg/Erzgeb.

Es ist ein Ort, an dem die Stille oft schwerer wiegt als jedes Wort: Hoheneck. Jetzt hat es im Theatersaal eine Veranstaltung gegeben, wo die Geschichte in besonderer Form dargestellt worden ist. Mit der Performance "Ich bin mir selber fremd geworden" brachten das Leipziger Ensemble "Neue Kammer" und das Musiktheater-Kollektiv "Schatz & Schande" vertonte Gedichte ehemaliger Insassinnen dorthin zurück, wo sie einst unter größtem Leid entstanden sind: hinter die Mauern des ehemaligen DDR-Frauengefängnisses.

In einer Symbiose aus zeitgenössischer Musik, Choreografie und einer beklemmend realen Lichtinstallation machten die Künstler die Enge und Monotonie des Haftalltags greifbar.

Musik verleiht den Gedichten eine Stimme

Die Kompositionen von Philipp Rücker gaben den Zeilen der verfolgten Frauen eine Stimme, die mal zerbrechlich, mal gewaltig durch den Raum hallte. "Wir wollten gerne etwas zur DDR-Geschichte machen anlässlich 35 Jahre friedliche Revolution vor zwei Jahre. Das war der Auslöser für dieses Projekt", erzählt der 35-jährige aus Leipzig: "Hoheneck ist eine Geschichte, die wichtig ist und aufgearbeitet werden muss."

Zeitzeugin berichtet vom Schicksal

Im anschließenden Zeitzeugen-Gespräch war Karin Leberwurst, die 1974, als 19-Jährige im Gefängnis Hoheneck war als politisch Gefangene. Die gebürtige Dresdnerin lebt heute in Waiblingen bei Stuttgart. Die 70-jährige erinnert sich noch ganz genau an ihre Verhaftung. Damals war ihre Freundin, derer Fluchtpläne sie für sich behielt, bereits sechs Wochen inhaftiert: "Und ich habe damit gerechnet, dass die Staatssicherheit irgendwann kommt und mich befragt.

Aber das es morgens kurz nach sechs Uhr klingelt und zwei Männer vor der Tür stehen, damit habe ich nicht gerechnet. Mein Vater war schon zur Arbeit und meine Mutter kam glücklicherweise gerade die Treppe hoch, sonst hätte niemand gewusst, dass ich verhaftet worden bin. Da wäre ich einfach weg gewesen."

Verhör und Haft: Ein Schicksal in Hoheneck

Karin Leberwurst wurde zur Staatssicherheit gebracht und verhört: "Mittags war mein Tiefpunkt und mir war klar, ich komme nicht mehr raus. Als man mir abends halb sieben sagte, Sie bleiben hier, habe ich keine Träne mehr vergossen." Was man ihr vorwarf, war das "Nichtanzeigen einer Straftat". Im Jahre 1975 wurde Karin Leberwurst von der Bundesrepublik freigekauft und durfte in den Westen ausreisen.

Rückkehr und Frustration

"Erst nach zwölf Jahren habe ich eine Genehmigung zur Einreise in die DDR bekommen. Damals war ich eingeladen zur Jugendweihe in der Verwandtschaft. Die Reise war toll für mich, weil ich da die DDR sehen konnte und ich war erschüttert, wie es aussah in Dresden." In Hoheneck war Leberwurst jetzt schon öfter: "Da ich die Phase in Richtung der Gedenkstätte mit begleitet habe. Was Hoheneck betrifft bin ich relativ frustriert. Immer, wenn man denkt, jetzt kommt es zum Laufen, ist wieder was anderes."

 

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