"Stuttgart ist meine Liebe, Aue meine Heimat": Emotionales Dilemma von Fußballfans aus dem Erzgebirge

Trotz Rivalität in der 3. Liga halten Fußballfreunde zu beiden Clubs

Thalheim

Mitte April treffen die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart und die Veilchen" vom FC Erzgebirge Aue im Kampf um Punkte in der 3. Liga aufeinander. Ein paar Fußballfans aus dem Zwönitztal sind bei diesen Duellen jedes Mal her- und hingerissen. Sie drücken beiden Vereinen die Daumen.

 

Fans von Schwaben und Erzgebirgern

Entstanden ist "Thalheim/Erzgebirge" 1999 als Fanclub des VfB Stuttgart, doch die Bindungen zum Auer Kumpelverein sind ebenso stark. Die Fußballfreunde um Mitgründer Rico Weisbach fahren so oft es geht zu den Heimspielen der Veilchen ins Lößnitztal oder verbinden einen Bundesliga-Ausflug in die Cannstatter MHP-Arena mit dem Besuch einer Auswärtspartie der Auer bei Stuttgart II.

 

Sportfan durch und durch

Rico ist Sportfan durch und durch. Einem Groundhopper gleich tourt der Fünfzigjährige quer durch Europa, wenn besondere Spiele anstehen, nicht nur im Fußball, sondern zum Beispiel auch im Eishockey. Mit Kumpel Heiko Martin, der als Groundhopper mit seiner Fahne "Thalheim" Stadien in rund neunzig Ländern der Welt live erlebt hat, fuhr er zu Auswärtsspielen der Veilchen und Spielen der deutschen Nationalelf.

 

"Stuttgart ist meine Liebe, das Erzgebirge meine Heimat"

"Stuttgart ist meine große Liebe, aber ,Wismut‘ mein Heimatverein", sagt der Thalheimer, der Anton Günther, die Regionalgeschichte und überhaupt die ganze erzgebirgische Kultur mag. Und fast täglich selber die Wanderstiefel schnürt, raus in Wald und Flur zieht und hier den Kopf frei bekommt. Zu DDR-Zeiten schon fuhr der Junge ins Grotewohlstadion, zu Hause wurde abends Bundesliga geguckt. 1989 sah er im Dresdner Dynamostadion den VfB Stuttgart live, seitdem steht Rico auf diesen Verein. In "Tholm" nicht der einzige, der so tickt.

 

Leidenschaft wird vererbt

Vor 27 Jahren fanden sich hier sieben Anhänger des Schwaben-Clubs zusammen. Die Gruppe mit nun zehn Leuten besteht noch immer, reist mit ihrer Fahne "Thalheim/Erzgebirge" häufig an den Neckar und begleitet ihre Idole wenn‘s passt um die halbe Welt. Ein guter Draht besteht zu Skerdilaid Curri, mit dem sie schon gemeinsam zu Spielen der albanischen Nationalelf ins Ausland reisten. Die Leidenschaft für Stuttgart und Aue wird vererbt, wie Falko Konrad erzählt: "Ich kam durch meinen Pap‘ zum Fußball und mein Sohn Benny ist mit seinen zwölf Lenzen schon voll bei der Sache." Natürlich auch, wenn die Tholmer ihre Veilchen im Erzgebirgsstadion pushen.

 

Für "Wismut" geht es ums Überleben

Auch gegen Stuttgart II? "Ja, erst recht in der jetzigen Situation, in der es für unseren Auer Kumpelverein ums Überleben geht", stellt Rico Weisbach klar. "Die Veilchen brauchen jeden Punkt, um die Klasse zu halten. Und jeden Fan, der sie dabei unterstützt." Am Wochenende um den 17. April - der genaue Termin steht noch nicht fest - wollen die Gäste aus Sachsen gegen den VfB II drei Zähler im Schwabenland erkämpfen. Bleibt zu hoffen, dass die "Schachter" bis dahin auf gutem Kurs sind.

 

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