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Tapferes Mädchen zieht den Hauptgewinn

Verlosung Große Freude bei Rassekaninchenausstellung in Neudorf

Neudorf. 

Neudorf. Die Losnummer 600 markierte den Hauptgewinn bei der Rassekaninchenausstellung in Neudorf am letzten Wochenende. Als die kleine Laya im Kaiserhof ihr Los ausrollte, strahlte sie übers ganze Gesicht: Unter 600 Losen hatte die 8-jährige Thüringerin den Hauptpreis, ein hölzernes Wichtelmännchen, gezogen. Sie war zusammen mit einem Freund der Familie, Mirko Franke, in die Tier-Ausstellung gekommen. Der Neudorfer sagte: "Ich selbst gehe mittlerweile seit 40 Jahren in die Ausstellung und habe dabei noch nie den Hauptpreis gewonnen. Ich war überwältigt, wie sie sich gefreut hat."

Zu Hause im thüringischen Bad Lobenstein leben bei dem tierlieben 8-jährigen Mädchen zwar keine Kaninchen, vielmehr die Katze Marie. Sie wurde von der Familie Franke vermittelt, mit der die 34-jährige Mutter Isabell und der drei Jahre ältere Vater Laya's, Steven Watzek, seit vielen Jahren eng befreundet ist.

Ausstellung war ein Erfolg

Die 8-jährige Laya sitzt im Rollstuhl, denn sie leidet an der unheilbaren Krankheit Osteogenesis imperfecta, im Volksmund auch Glasknochenkrankheit genannt. Kurz nach der Geburt eröffneten die Ärzte den Eltern, dass ihre Tochter diesen Gendefekt aufweist. Wann immer sich die Gelegenheit ergibt, verbringt die Thüringer Familie, in der, neben der trotz ihrer schweren Krankheit lebensfrohen Laya, auch die vier Jahre jüngere Schwester Nyah lebt, das Wochenende im erzgebirgischen Neudorf. "Die Ausstellung mag ich sehr gern. Es sind immer so viele Hasen, die mir alle sehr gefallen. Aber auch die süßen Meerschweinchen mag ich", erzählt Laya.

Im Kaiserhofsaal präsentierte der Rassekaninchenverein Neudorf eine große Vielfalt. 24 Aussteller waren mit 152 Kaninchen, die sich in 23 Rassen unterscheiden lassen, zugegen. "Die Ausstellung ist sehr gut verlaufen und wir hatten sehr viele Zuschauer da. Uns haben die Tierverluste in der Region im letzten Sommer weniger betroffen, denn unsere Tiere sind geimpft", so der Vorsitzende des Rassekaninchenvereins Neudorf, Maik Hempel.

Bereits über 30 Operationen durchgestanden

"Ich habe an der Verlosung teilgenommen, weil ich es spannend finde und wegen der tollen Preise. Ich habe noch nie etwas gewonnen. Umso mehr freue ich mich nun über den Wichtelmann. Ich finde, der Name Paul passt zu ihm. Ja, so werde ich ihn nennen", verrät das freundliche Mädchen im Rollstuhl.

Laya erlitt bislang zahlreiche Brüche, musste mehr als 30 Operationen über sich ergehen lassen. Doch die 8-Jährige kämpft sich immer wieder hoch, hat einen starken Willen. "Es wird nicht immer alles in der Klinik operiert, wir können viel daheim in der Klinik Bad Lobenstein machen lassen. Dann bekommt sie eine Gipsschiene und darf wieder nach Hause. Zu Hause hat sie ihr gewohntes Umfeld und kann wieder in die Schule gehen", so ihre Mutter. Das außergewöhnlich intelligente Mädchen besucht die 2. Klasse der örtlichen Freien Montessori-Gemeinschaftsschule. "Sie hat einen Schulbegleiter und kommt sehr gut zurecht", sagt ihre Mutter.

Zum Gehen benutzt das Mädchen eine Art Rollator, der ihr die nötige Standsicherheit gibt. Ansonsten sitzt die Zweitklässlerin im Rollstuhl. "Wilde Rodelfahrten kann sie halt nicht machen. Wenn sie vom Schlitten fallen würde, ist das Bruchrisiko erhöht. Das Wichtigste im Alltag ist, dass Laya nur das macht, was sie sich selber zutraut. Auf einem Rutscher zu rodeln, wäre auf kurzer Strecke möglich, doch Skifahren ist definitiv nicht drin", sagt Mutter Isabell. Im Alter von zwei Jahren musste Laya nach einem Knochenbruch erstmals in einer Klinik operiert werden. Ihr wurde ein Nagel in den Oberschenkel gesetzt und der Knochen begradigt. "Wir machen seither das Beste aus der Situation", sagt die Mutter.

Der Selbsthilfeverein gibt Unterstützung

Die Familie stand anfangs neben den täglichen Herausforderungen im Alltag mit der kleinen Laya vor der Aufgabe, sich in das völlig unbekannte Gebiet hineinzuarbeiten. "Das Schlimmste war die Bürokratie. Welche Hilfsmittel sie braucht, welche Fachärzte auf die Krankheit spezialisiert sind. Denn es gibt nicht viele Mediziner, die sich damit auskennen", erinnert sich die 34-Jährige und weiter: "Über den Selbsthilfeverein haben wir Kontakte zu anderen Betroffenen bekommen. Ab dann war es für uns bedeutend einfacher."

Die letzte OP war im August. Schon kurz nachdem der Gips abgekommen war, hatte Laya am ersten Herbstferientag, dem 1. Oktober, einen Unfall mit dem Rolli. Sie ist umgekippt und hatte sich dabei ein Schulterblatt und den rechten Oberschenkel gebrochen.

Mitte Januar steht bereits die nächste OP in Berlin an. Bei dem Eingriff wird ein neuer Nagel in das Schienbein eingesetzt. Mit Beginn der Pubertät wird die Knochenstabilität etwas besser, da dann ein Hormon für die Knochen gebildet wird, so sagte uns das der Arzt", so ihre Mutter und ergänzt: "Aber sicher ist, dass sie mit der unheilbaren Krankheit leben muss."