Diese Bäckerei aus dem Erzgebirge überzeugt nicht nur durch ihre 120-jährige erfolgreiche Handwerkstradition, sie begeistert auch seit letztem Sommer tausende Menschen auf Social Media. Auf dem Account @kreationenseidel (TikTok und Instagram) können Interessierte gespannt hinter die Kulissen des Backhandwerks und der Konditorei schauen.
„Wir machen in Gelenau viel geilere Sachen“
Hinter dem Account steckt Konditormeisterin Doreen Seidel (42) aus Gelenau. Sie leitet die Konditorei und Bäckerei Seidel in vierter Generation. Dabei zeigt sie vor allem, wie sie Torten und Kuchen herstellt, aber manchmal auch Eis, Stollen oder andere Backwaren.
Doch wie kam es eigentlich dazu? „Ich war selbst viel auf Instagram unterwegs und habe gesehen, was andere da so hochladen und habe mir oft gedacht: Das können wir tausendmal besser, wir machen hier in Gelenau viel geilere Sachen.“ Sechs Meister arbeiten im Betrieb, auch Doreens Mama ist mit 72 Jahren noch Teil des Teams.
Das letzte Einhorn: Produktion noch wie zu DDR-Zeiten
Dabei produziert die Konditorei und Bäckerei noch wie zu DDR-Zeiten. „Wir greifen auf einige alte Rezepturen aus der Familie zurück. Wir produzieren noch ganz traditionell. Die Konditoreiwaren mache ich noch genauso, wie es meine Eltern 1974 in der HO in Zschopau gelernt haben. Dabei habe ich oft das Gefühl, dass wir da noch die Einzigen sind, als wären wir das letzte Einhorn“, lacht Doreen. Doch das bedeutet in keinem Fall, dass das Geschäft altbacken ist. Doreen und ihr Team lieben es, neue moderne Rezepte für die Kundschaft zu kreieren. Gerade die Kreativität und immer am Ball zu bleiben, machen den Beruf auch so spannend.
„Ich habe nie überlegt, einen anderen Weg einzuschlagen“
Die 42-Jährige erzählt gegenüber BLICK.de, dass es schon immer ihr Kindheitstraum war, die Konditorei eines Tages zu übernehmen. „Der Storch hat mich in diese Bäckerei reingesetzt. Ich habe bei meinen Großeltern und Eltern die Liebe zum Beruf, zur Backstube und Konditoreiwaren tagtäglich erlebt. Deshalb ist das keine Bürde, sondern tatsächlich eine Freude.“
Es habe nie einen anderen Weg gegeben. Obwohl Doreen das Abitur habe machen können, wollte sie lieber die Ausbildung zur Konditorin und später den Meistergrad machen. „Ich habe mit meinem Großvater als Kind schon in der Backstube gestanden und durfte Pflaumenkuchen auflegen. Meine Großmutter hat, bis sie weit über 70 Jahre alt war, im Laden gestanden und die Backwaren mit verkauft. Ich habe nie überlegt, einen anderen Weg einzuschlagen.“
Der Wandel im Handwerk: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“
Doch so ein Traditionsbetrieb ist vor allem heutzutage mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Darum hat sie sich auch für den Weg auf Social Media entschieden. „Wir befinden uns in einem Ort mit 3.600 Einwohnenden. Es ist unumgänglich, dass wir uns den neuen Kanälen nicht verschließen und Werbung machen müssen. Ich will den Beruf noch mindestens 20 Jahre machen und mit der Zeit gehen. Und wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit und das wollen wir nicht. Auch weil wir so tolle Produkte produzieren. Es macht sehr viel Spaß, das auf Social Media zu zeigen. Das fetzt schon.“
„Wir werden oft gefragt, wie wir das alles schaffen“
So können die Follower und Followerinnen auch einmal hinter die Kulissen blicken und verstehen, was alles zum Beruf gehört und wie viel Arbeit und Aufwand in den Backwaren steckt. „Die Leute müssen das sehen und nur so lässt sich auch erklären, wie die Preise zustande kommen. Es steckt viel Arbeit, Manpower, Energie und Kreativität hinter den Produkten.“
Dabei bekommt Doreen auf Social Media auch viel tolles Feedback für ihre Arbeit. „Wir werden oft gefragt, wie wir das alles schaffen, und dann sage ich nur, dass wir das schon immer so gemacht haben, nur früher haben wir das nie nach außen getragen. Das, was man im Laden sieht, ist ja nur ein Bruchteil von unserer ganzen Arbeit.“ Dabei ist ihr eins besonders wichtig: „Wir wollen weiterhin regional, saisonal und herkömmlich produzieren. Das ist sehr anstrengend und viele können das nicht mehr leisten, aber wir wollen das gern so und behalten das so bei.“
Saisonale Produktion sehr wichtig
Auch in den Videos steckt noch einmal sehr viel zusätzliche Arbeit, erzählt die Konditormeisterin. Doch es mache einfach unglaublichen Spaß. „Jeder Tag ist anders. Ich habe nie ein Drehbuch. Es ergeben sich tagsüber im Produktionsablauf immer Dinge, die gefilmt und dann zu Videos verarbeitet werden.“ Nach der Ostersaison kommt der Muttertag, danach die Sommersaison, in der allem viele Hochzeits- und Schulanfangsanfragen reinkommen. Auch eigene Eiskreationen werden im Sommer verkauft, wie die neueste Kreation zum 150. Jubiläum von Anton Günther oder das neue Matchaeis. Im Herbst geht es schon mit der Weihnachtsbäckerei los.
Eins ist dem Team nach wie vor wichtig: Neben traditionellen Rezepten wollen sie die Kundschaft immer wieder mit neuen Kreationen verzaubern. „Unsere Kundschaft ist extrem interessiert an neuen Sachen. Wir sind sehr stolz, wenn wir etwas kreiert haben und es funktioniert einfach, wie zum Beispiel unsere Brotwochen im letzten Jahr, die an verschiedene Länder angepasst waren.“ Solche Specials wird es auch in diesem Jahr wieder geben.
Im Interview mit BLICK.de wird klar: Doreen Seidel macht dieses Handwerk mit Leib und Seele voller Hingabe. Wer also einmal auf Instagram oder live vor Ort vorbeischauen will, der findet die Konditorei Seidel in der Straße der Einheit 271 in Gelenau. Zum Schluss ergänzt die Konditormeisterin noch: „Bäckerei und Konditorei ist halt der schönste Beruf der Welt. Punkt.“
Öffnungszeiten:
- Di-Fr: 7 bis 17 Uhr
- Sa: 6 bis 10 Uhr
- Mai bis September auch sonntags von 14 bis 17 Uhr
Mehr Informationen: www.kreationen-seidel.de
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