• Corona-News
  • Sachsen
  • Chemnitz
  • Erzgebirge
  • Mittelsachsen
  • Vogtland
  • Westsachsen

Tragödie eines jungen Familienvaters nahm vor 55 Jahren ihren Lauf

Unfall Dieter Krumpholz verunglückt bei Versuchsfahrt tödlich

Streckewalde. 

Streckewalde. Es war eine unbeschreibliche Tragödie, die sich an einem Freitag vor 55 Jahren, am 22. April 1966, auf der Serpentinenstraße zwischen Flöha und Augustusburg in der letzten Kurve abspielte. Der Versuchs- und Rennfahrer von MZ, Dieter Krumpholz, war an diesem Tag mit seinen Kollegen mit behördlicher Genehmigung auf einer öffentlichen Straße für Versuchsfahrten unterwegs. Der Spitzenfahrer, zum damaligen Zeitpunkt bereits vier Jahre MZ-Werksfahrer, war auf einer Serien-ES 250 unterwegs, als sich das Drama nach dem offiziellen Ende des Testprogramms abspielte. Der junge Rennfahrer hatte sich gerade in der Motorrad-Weltspitze etabliert, als das Unfassbare geschah und ihn mit knapp 25 Jahren (09.07.1941 geboren) aus dem Leben riss.

Die Reifentests waren eigentlich abgeschlossen. Doch Dieter Krumpholz war der derjenige, der unbedingt ein weiteres Mal fahren wollte. Jene letzte Fahrt wurde ihm zum Verhängnis. Nachdem er das Waldstück passiert hatte, geriet der Versuchsfahrer in der letzten Kurve unter einen entgegenkommenden Lkw mit Festbrennstoffen. Einer, der zufällig vorbei fuhr, war Reiner Steinert. Er kam aus Richtung Flöha, wo er als Maschinenschlosser an Portalkränen arbeitete. Mit seinem Motorrad befand er sich zur gleichen Zeit auf der Heimfahrt nach Pockau: "Es waren sämtliche unglückliche Umstände, die aufeinandertrafen. Als ich die Unfallstelle passierte, konnte ich das Ausmaß bereits erahnen. Einsatzkräfte bockten gerade den Laster hoch, um den Zweirad-Fahrer bergen zu können. Mir war aber nicht klar, wer es war, der da unter dem Lkw lag", erinnert sich Reiner Steinert. Er wurde 1971 selbst Rennfahrer. "Auf öffentlichen Straßen Testfahrten zu machen war durchaus legitim. Es gab ja anderweitig keinerlei Möglichkeit, die Maschinen auszuprobieren. Rennstrecken wie heutzutage gab es noch nicht. Wir sind dann immer auf der B101 bis zum Kalkwerk hochgepfiffen. Wir hatten uns zuvor ein rotes Nummernschild besorgt, es war durch die Polizei genehmigt. Natürlich musste sich alles im Rahmen der STVO abspielen. Angesichts des dichten Verkehrs wäre diese Praktik heutzutage undenkbar. Damals herrschte aber weitaus weniger Verkehr auf den Straßen. Zum Beispiel die Börnichener Länge, das war schon zu Vorkriegszeiten DKW-Versuchsstrecke", erinnert sich der 79-Jährige, der auf seiner Eigenbau-Rennmaschine UHL-STEIN seine Laufbahn 1976 mit dem Vize-Meister in der Schnapsglasklasse beendete. Er lebt schon seit Jahrzehnten in Heuerßen bei Hannover.

Versuchsfahrer-Kollege Rudi Postrach musste die Schreckensbotschaft der jungen Ehefrau des Rennfahrers überbringen. Rosi war gerade dabei, die Lederstiefel fürs Rennen ihres Mannes zu putzen, da an den nächsten beiden Tagen der DDR-Meisterschaftsauftakt auf der Halle-Saale Schleife anstand. Was in der jungen Frau in diesem Moment vor sich ging, lässt sich wohl kaum erahnen. Der Vater des verunglückten Rennfahrers war in der Zwischenzeit an der Unfallstelle eingetroffen, nachdem sich die Nachricht über den schweren Verkehrsunfall wie ein Lauffeuer im MZ-Werk verbreitet hatte, doch er konnte nichts mehr tun. Eine Welt brach für den Vater zusammen. Es war der Vorkriegs-Rennfahrer Erhart Krumpholz, der bis in die 50er Jahre hinein für das Zschopauer IFA-Werk erfolgreich auf Rennstrecken unterwegs war.

1962 war Erhart Krumpholz, der sechs Jahre vorher zwar offiziell seine Laufbahn beendet hatte, ein weiteres Mal auf den Plan getreten. Im August jenes Jahres waren Vater und Sohn beim Großen Preis der DDR auf dem Sachsenring als MZ-Werksfahrer unterwegs. Das hatte es in der Geschichte der Motorrad-WM seit deren Beginn 1949 noch nicht gegeben. Der Seniorfahrer wurde in der 50-ccm-Klasse 9. bei seinem finalen Auftritt als Rennfahrer, Sohn Dieter fuhr in der Achtelliterklasse als Zehnter durchs Ziel. Ein Jahr später wurde der MZ-Werksfahrer in jener Klasse DDR-Meister. In der Saison 1964 errang Dieter Krumpholz mit Rang 6 beim Großen Preis von Finnland seinen ersten Punkt in der Motorrad-WM. Seinen wohl größten Erfolg in der Weltmeisterschaft feierte der gebürtige Zwickauer im Folgejahr auf dem Sachsenring mit Platz 2 (125ccm-Klasse) nach einem atemberaubenden Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Sieger, dem Kanadier Frank Perris auf Suzuki.

Dieter Krumpholz hinterließ neben seiner Ehefrau Rosi auch seine 7 Monate alte Tochter Katrin, seine Eltern und drei Schwestern.



Prospekte