Welterbe verbindet: Deutsch-spanischer Schüleraustausch erlebt Bergbaugeschichte in Ehrenfriedersdorf

Wasser als zentrales Element im Bergbau der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří

Ehrenfriedersdorf

Wie Wasser Regionen, Kulturen und Menschen verbindet – genau darum ging es beim internationalen Projekttag am 4. März auf der historischen Zinngrube Ehrenfriedersdorf. 35 Schülerinnen und Schüler aus Spanien und Deutschland erlebten dort hautnah, wie zentral dieses Element für den jahrhundertealten Bergbau im Erzgebirge war und welche Bedeutung es heute für das Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří hat.

Der Tag war Teil eines deutsch-spanischen Austauschprogramms im Rahmen von Erasmus. Zu Gast waren Jugendliche der Internationalen Schule Sant Hilari Sacalm aus Katalonien sowie der Internationalen Oberschule Neukirchen/Pleiße. Untergebracht in sächsischen Gastfamilien verbringen sie eine gemeinsame Projektwoche zum Thema „Wasser“. Bereits im Vorfeld hatten sich die Schülerinnen und Schüler digital ausgetauscht und erste sprachliche wie kulturelle Brücken gebaut.

Ein Welterbe, das verbindet und erfahrbar macht

Im Besucherbergwerk und auf den obertägigen Anlagen tauchten die Jugendlichen tief in die Geschichte des Montanwesens ein. Eine Führung durch die Grube sowie ein BNE-Workshop mit eigens entwickelten Bildungsmaterialien des Welterbevereins standen auf dem Programm. Ziel war es, die Bedeutung des Wassers im historischen Bergbau zu verstehen – von seiner Rolle als Energiequelle über die Wasserhaltung bis hin zur Entwicklung technischer Innovationen wie dem Ehrenfriedersdorfer Kunstgezeug.

„Wasser war über Jahrhunderte hinweg eine zentrale Voraussetzung für den Bergbau im Erzgebirge“, erklärt der Welterbeverein Montanregion Erzgebirge e. V. „Gleichzeitig prägt es bis heute Landschaft und Lebenswelt der Region. Damit bildet es eine ideale Brücke zwischen den Partnerschulen aus Deutschland und Spanien.“

Der Verein unterstützte den Projekttag finanziell und ermöglichte so das Lernen direkt am authentischen Ort. Ein Gegenbesuch der deutschen Schülerinnen und Schüler in Katalonien ist bereits geplant.

„Die Einfahrt in den Berg war für viele ein Highlight“ – Eindrücke der Lehrkräfte

Für Katja Schnupp, Lehrerin der Internationalen Oberschule Meerane und Erasmus-Verantwortliche, war die Wahl des Ortes naheliegend:

„Unser gemeinsames Projektthema lautet Wasser – und genau deshalb fiel die Wahl auf Ehrenfriedersdorf. Die Bedeutung des Wassers im historischen Bergbau spielt hier eine enorme Rolle. Die Möglichkeit, das unter Tage direkt erklärt zu bekommen und praktisch zu erarbeiten, passte für uns perfekt.“

Besonders die spanischen Jugendlichen seien tief beeindruckt gewesen, berichtet sie:

„Für unsere Schüler – besonders die aus Spanien – war es komplett neu. Die Einfahrt in den Berg war für sie schon ein Highlight. Auch das große Wasserrad hat sie beeindruckt.“

„Unsere Schülerinnen und Schüler nehmen sehr viel mit – geschichtliche Einblicke, technische Zusammenhänge und vor allem ein Gefühl dafür, wie hart die Arbeit damals wirklich war.“

Ihr Fazit:

„Ich werde definitiv mit meiner Klasse wiederkommen. Das Erzgebirge hat so viel zu bieten – und solche Erlebnisse bleiben Kindern im Gedächtnis.“

„Die größte und beeindruckendste Grube, die ich je gesehen habe“ – Stimmen der Schüler

Auch die Jugendlichen selbst zeigten sich begeistert. Der 15-jährige Joel Thomas Köhler erzählt:

„Für mich war das bisher die größte und beeindruckendste Grube, die ich gesehen habe. Ich finde, das sollte man unbedingt weiterempfehlen. Es ist sehr sehenswert.“

Besonders faszinierte ihn, wie hart und gefährlich der damalige Bergbau war:

„Man bekommt ein ganz anderes Verständnis dafür, was früher unter Tage geleistet wurde. Heute machen Maschinen vieles in kurzer Zeit. Damals waren die Menschen teils tagelang unter der Erde – viele haben ihr Leben verloren.“

„Man sollte sich anschauen, wie es früher war. Es ist authentisch, man lernt viel, und der Unterschied zu heute ist krass.“

Ein Tag, der zeigt: Welterbe ist lebendig

Der Projekttag auf der Zinngrube Ehrenfriedersdorf zeigte eindrucksvoll, wie Welterbe nicht nur historische Stätten bewahrt, sondern Menschen zusammenbringt – über Grenzen hinweg. Die gemeinsame Auseinandersetzung mit dem Thema Wasser verband Schüler aus zwei Ländern, zwei Kulturen und zwei Bergbauregionen.

Ein Tag voller Austausch, Begegnungen und neuer Perspektiven – und ein lebendiges Beispiel dafür, dass Welterbe weit mehr ist als Vergangenheit: Es ist ein Ort des Lernens, des Dialogs und der gemeinsamen Zukunft.

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