Wenn der Bundespräsident den Meiler zum Glühen bringt

Frank-Walter Steinmeier wandert ins Erzgebirge, würdigt das Ehrenamt und taucht bei der Erlebnisköhlerei Sosa in ein jahrhundertealtes Handwerk ein

Eibenstock

Es riecht nach Rauch und frisch geschlagenem Holz, als an diesem Julinachmittag ein ungewöhnlicher Wandergast durch das schmiedeeiserne Tor der Erlebnisköhlerei in Eibenstock-Sosa tritt. Über den Baumwipfeln steht eine dünne graue Fahne in der Luft, aus dem großen Kohlenmeiler quillt der erste Rauch, und zwischen den Holzstapeln warten schon die Ehrenamtlichen in ihren schwarzen Poloshirts mit dem roten Halstuch. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist zu Gast, und man merkt ihm die Freude über den ungewöhnlichen Ort sofort an.

Sieben Kilometer für eine gute Sache

Angereist ist der Bundespräsident nicht direkt mit dem Auto vor die Tür, sondern zu Fuß. Als Schirmherr des Deutschen Wanderverbandes hat er sich gemeinsam mit Verbandspräsident Dr. Michael Ermrich sowie weiteren Vertretern aus Verband und Politik auf einen rund sieben Kilometer langen Weg vom Auersberg hinunter zur Talsperre Sosa gemacht.

Eine neue Wegmarkierung

Unterwegs schraubte Steinmeier eigenhändig eine neue Wegmarkierung für den europäischen Fernwanderweg E3 an einen Wegweiser, stellvertretend für die vielen Ehrenamtlichen, die Deutschlands Wanderwege Tag für Tag pflegen und instand halten.

Inoffizieller Auftakt

Die Tour war zugleich der inoffizielle Auftakt für den 123. Deutschen Wandertag, den Kurort Oberwiesenthal vom 24. bis 27. September gemeinsam mit zahlreichen Partnern im Erzgebirge ausrichtet. Bürgermeister Jens Benedict sprach von einem gemeinsamen Signal für die Region. Die Veranstaltung mache Stadt und Erzgebirge weit über Deutschland hinaus sichtbar und lade Gäste ein, Natur und Kultur der Region kennenzulernen.

Auch DWV-Präsident Dr. Michael Ermrich fand deutliche Worte für das, was er an diesem Tag erlebte. Wandern verbinde Menschen, stärke die Gesundheit und schaffe Verständnis für den Wert der eigenen Natur. Wer Landschaft bewusst erlebe, entwickle auch Verantwortung für ihren Schutz.

Ein Handwerk, das selten geworden ist

Am Ziel der Wanderung wartete dann die Köhlerei selbst. Der schwarze, mit Erde und Rasenstücken bedeckte Meiler wölbt sich mannshoch neben dem alten Holzhaus, an dessen Giebel die Schrift Erlebnis Köhlerei Sosa in gelben Buchstaben leuchtet. Rundherum stapelt sich frisch geschlagenes Holz, an der Seite raucht bereits eine kleine Grillstation, und Mitglieder des Köhlervereins Erzgebirge begrüßen die Gäste mit ihrem traditionellen Gruß „Gut Brand“.

Bekannte Tradition für Steinmeier

In seiner kurzen Ansprache erzählte Steinmeier, dies sei nicht der erste Kohlenmeiler, den er sehe. In der Heimat seiner Frau werde diese Tradition ebenfalls gepflegt, allerdings von einer Familie, die tatsächlich noch wirtschaftlich Holzkohle herstelle. Der Verein in Sosa sei ihm aber der einzige bekannte, der sich ausdrücklich der Erhaltung dieses alten Handwerks widme, und dafür sprach er den Ehrenamtlichen seinen Respekt und seinen Dank aus.

So wie man sich an diesem Tag bereits beim Deutschen Wanderverband für die tägliche Pflege der Wege und die Erneuerung der Hinweisschilder bedankt habe, so gelte der Dank nun den vielen Helfern hier, die dafür sorgen, dass das Köhlerhandwerk lebendig bleibt und Gäste wie er überhaupt erst so gastfreundlich empfangen werden können.

Gut Brand für den Bundespräsidenten

Die Begrüßung vor dem Meiler geriet entsprechend persönlich. Immer wieder bildeten sich kleine Gruppen um Steinmeier, es wurde gelacht, fotografiert und erzählt. Ein Vertreter des Europäischen Köhlerverbandes, das rote Tuch mit der Aufschrift „Gut Brand“ um den Hals, führte die Runde mit dem Mikrofon durch das Programm und erklärte den Gästen, wie ein Meiler aufgeschichtet wird und wie lange das Feuer im Inneren später glimmen wird, bevor am Ende die fertige Holzkohle übrig bleibt.

Der Moment des Anzündens

Der Höhepunkt des Nachmittags war das Anzünden des Meilers selbst. Durch eines der kleinen, mit Brettern verschalten Zugluftlöcher wurde Glut in das Innere des Haufens gebracht, während sich die Gäste dicht gedrängt am Rand des grünen Bodenläufers versammelten, Handys und Kameras erhoben. Auch Steinmeier verfolgte das Geschehen aus nächster Nähe. Für den festlichen Rahmen sorgte die Sosaer Köhlerliesl Amanda Rockstroh, die in ihrem Dirndl mit grüner Schärpe ihr Glas in die Höhe hielt und der Zeremonie ihren ganz eigenen Charme verlieh.

Feierliches Anstoßen mit Kräuterschnaps

Im Anschluss wurde angestoßen. Aus kleinen Gläsern wurde ein dunkler Kräuterschnaps gereicht, und auch der Bundespräsident hob sein Glas mit auf das Gelingen des neuen Meilers und auf das Ehrenamt, das diesen Tag überhaupt erst möglich gemacht hatte. Mit einem Augenzwinkern erinnerte Steinmeier in seiner Rede noch an die Wernesgrüner Sonnenschirme am Rand des Festplatzes und ließ durchblicken, dass er sich nach der langen Wanderung nun auch auf das kühle Bier darunter freue.

Ein Eintrag fürs Gästebuch

Bevor es zum verdienten Bier ging, nahm sich Steinmeier noch Zeit für einen Eintrag ins Gästebuch der Köhlerei. Konzentriert beugte er sich über das aufgeschlagene Buch auf dem weiß gedeckten Tisch, während im Hintergrund noch immer der Rauch des Meilers durch die Fichten zog. Eine kleine, sehr persönliche Geste zum Abschluss eines Besuchs, der zeigte, wie viel Wertschätzung ehrenamtliches Engagement in diesen Tagen erfährt, ob auf dem Wanderweg oder eben am Kohlenmeiler mitten im Erzgebirge.

Habt ihr eine Meinung zu diesem Artikel oder einen Fehler entdeckt? Dann weist uns gern darauf hin.

Auch interessant für dich