• Corona-News
  • Sachsen
  • Chemnitz
  • Erzgebirge
  • Mittelsachsen
  • Vogtland
  • Westsachsen

Werner Kempf: Ein Unikat in Wort und Bild

Original Original Werner Kempf hätte 2020 seinen 95. Geburtstag gefeiert

Neustädtel. 

Neustädtel. Werner Kempf (1925-1999) wäre heuer 95 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass brachte ein Wegbegleiter ein Heimatblatt mit Texten des Erzgebirgsmalers und -dichter heraus. Werner Kempf hat der Nachwelt ein stolzes Erbe hinterlassen. In Wort und Bild verewigte der Neustädtler seine geliebte Erzgebirgsheimat auf Papier - ob in Aquarellen, Gedichten oder Mundartgeschichten. Kempf galt als ein ganz Großer der hiesigen Volkskunst, obwohl er körperlich nur 1,44 Meter in die Höhe wuchs. Sein Schaffen brachte ihm 1985 die Ehrenbürgerwürde von Schneeberg ein und soll unvergessen bleiben.

 

 

Zwei besondere Erinnerungen sind dem 95. Geburtstag gewidmet, den Kempf am 1. Oktober gefeiert hätte. Zum Wiederholungstäter wurde Rudolf Sack, ein Wegbegleiter des Erzgebirgsoriginals. Schon vor fünf Jahren brachte der ehemalige Schuldirektor innerhalb der Reihe "Unsere Heimat" der Auer Druckerei Rockstroh das Heft "Rupprich, bist du dr Wern?" heraus. Es war in Kürze vergriffen und Sack schon damals klar: Fortsetzung folgt. "Sie ist pünktlich zum 95. erschienen", sagt der ehemalige Schuldirektor, der den "klaanen Kerl" in den Köpfen der Menschen halten will. Das ist schwer. "Die Jugend weiß fast nichts mehr mit diesem Erbe anzufangen. Leider", so der Autor, der auch im zweiten Heft die Texte von Kempf kommentiert und für den Leser einordnet. Erzählt wird vom "Neie WC", vom "Hagebuttenwein" und "Järgerlatein". Die Inspiration? Sack würde sagen, "Kempf lauschte die Geschichten dem Alltag ab". Und trieb sie in Mundart zur Perfektion. Er foppte die Leute indirekt, zeigte Schwächen und Missstände auf - stets mit Humor. Seine Sketche, Prosatexte, Theaterstücke und Gedichte unterhalten bei Feiern fast jeder Art - und sind ungezählt.

"Ein erzgebirgisches Wörterbuch"

Eine Gesamtausgabe wäre sicher ein Mehrbänder, ist Sack sicher. In drei Wochen war das zweite Heft mit rund 60 Seiten niedergeschrieben. "Im Kopf schwirrt mir alles viel länger herum." Die Auflage beträgt 1000 Stück. Auch das vergriffene erste Heft ist mit 500 Exemplaren noch einmal aufgelegt. Die dritte Ausgabe nimmt gedanklich längst Form an. "Ein erzgebirgisches Wörterbuch", verrät Sack.

Kempf beherrschte aber nicht nur die Kunst des geschliffenen Wortes. Er führte auch den Pinsel geschickt und verewigte die Bergbaulandschaft von Schneeberg-Neustädtel in etlichen Aquarellen. Dazu kommen Kirchen und Ortsansichten, Bauerngüter und seltene Motive der Lausitzer Seen, die im Urlaub entstanden. Allein im Schneebergs Museum sind 28 Reisen mit Aquarellen belegt. Zum 95. schafften es 160 Bilder in eine Sonderschau, die wegen Corona früher endete. Unbeschwert und idyllisch wirken die Bilder und vergessen kein Detail - auch kein unansehnliches wie schiefe Zäune, Bretterverschläge oder bröckelnden Putz. Denn wie für seine Texte gilt: Einen Kempf erkennt man sofort, weil er nichts beschönigte, sondern seine Umwelt so original wie möglich dokumentierte. In Wort und Bild. Ein echtes Original eben, das seinesgleichen sucht. Info zu den Kempf-Heften der Reihe "Unsere Heimat" unter: www.rockstroh-druck-aue.de