Weshalb das DRK jetzt 40 Mitarbeitern kündigt

Einzelfallhelfer Ratlosigkeit bei Eltern von behinderten Schulkindern

Erzgebirgskreis. 

Erzgebirgskreis. Das Corona-Virus beschäftigt derzeit die Menschen. In den Medien überschlagen sich die Meldungen. Gespannt verfolgt eine Mutter aus dem Erzgebirgskreis die Nachrichten. Ihre behinderte, schulpflichtige Tochter ist zuhause, da die Schulen geschlossen haben. Dann erreichte sie am gestrigen Dienstag der Anruf einer sogenannten Einzelfallhelferin, welche ihre Tochter im Schulalltag begleitet. "Ich wurde heute gekündigt" bekommt sie von ihr mitgeteilt.

Fassungslosigkeit macht sich bei der Mutter breit: "Das heißt nicht nur, dass diese Menschen nun arbeitslos sind, sondern auch, dass unter anderem mein Kind nach den Osterferien weiter nicht zu Schule gehen darf, weil sie auf ihren Einzelfallhelfer angewiesen ist."; so die Erziehungsberechtigte. Mindestens 40 Einzelfallhelfer sind allein in der Region Aue-Schwarzenberg davon betroffen, alle angestellt beim Deutschen Roten Kreuz. "Am 16. März haben wir einen Anruf bekommen, dass wir uns doch bitte am Tag darauf in der Geschäftsstelle zum Personalgespräch einfinden sollen. Hier wurde uns die Kündigung ausgesprochen - mit 14 Tagen Kündigungsfrist zum 31. März", erzählt unserem Reporter eine Einzelfallhelferin. Weiter sagt sie: "Es ist ja nicht nur ein Job. Wir sind mit den Kindern ja immer in der Schule zusammen, betreuen sie im Alltag, füttern sie, wechseln die Windeln, schreiben im Unterricht mit. Wir haben eine sehr enge Bindung zu den Kindern aufgebaut. Sie vertrauen uns, brauchen uns. Gerade jetzt in schulischen Belangen sind die Eltern mit dem digitalen Unterricht ihrer Kinder überfordert. Wir wissen wie es in der Schule läuft, sind im Unterricht dabei, könnten helfen", so ihre Aussage.

Privater Kontakt zu den Kindern soll gehalten werden

Der Schock sitzt tief bei Eltern und den Einzelfallhelfern. "In den Nachrichten heißt es doch immer, es sollen keine Jobs wegfallen. Es wird immer davon geredet, dass gerade jetzt Pflegepersonal benötigt wird, wir zu den kritischen Berufen der Infrastruktur gehören." Privat werden die Einzelfallhelfer dennoch Kontakt zu ihren Schützlingen halten, zu sehr ist man zusammengewachsen. Problematisch gestaltete sich auch die Arbeitslosenmeldung, da die Agentur für Arbeit und auch die Jobcenter aktuell geschlossen haben und telefonisch vorerst keiner erreichbar war. "Wie es weitergehen soll? Das kann ich ihnen momentan nicht sagen, ich habe keine Ahnung" so die Einzelfallhelferin weiter. Das DRK wies die Verantwortung zunächst von sich und teilte der Mutter schriftlich mit: "Wir können ihren Unmut nachvollziehen. Diese Entscheidung ist uns im Hinblick auf unsere Mitarbeiter und die zu betreuenden Kinder sehr schwer gefallen. Allerdings setzen wir hierbei nur ein Anweisung der Kostenträger um."

Kündigung soll nicht endgültig sein

Auf Nachfrage des BLICK wurde folgendes mitgeteilt: "Wir treiben aktuell die Vorbereitungen für den Katastrophenfall voran und arbeiten an mehreren Fronten. Wir haben die Anweisung von den Kostenträgern bekommen, diesen Schritt zu gehen. Die Leistungen, die wir von den Kostenträgern bekommen, sind an die Schulpflicht gebunden und 40 Mitarbeiter sind ohne diese nicht finanzierbar. Wir stehen weiterhin im Kontakt, ob es eine politische Lösung zur Finanzierung gibt. Sobald diese gefunden ist, werden die Kündigungen aufgehoben. Wir haben aktuell keine Chance, diese Mitarbeiter aus eigenen Mitteln zu finanzieren, sehen die Kündigung aber keinesfalls als endgültig an", teilte der DRK-Kreisverband Aue-Schwarzenberg mit.

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