Westgeld und Champagner

Erinnerungen Rolf Pöschels Rennsportgeschichten

Die Stadt Hohenstein-Ernstthal und der Sachsenring seien stets eine Reise wert", meinte jüngst im Rennsportmuseum der mittlerweile 87-jährige Rolf Pöschel aus Weinböhla bei Dresden. Ab den 1950er Jahren fuhr er am Sachsenring sowie auf allen deutschen Rennstrecken und auf Grasbahnen die Seitenwagen-Meisterschaften als Beifahrer. Er wurde fünffacher DDR-Champion und holte noch zwei Vizetitel dazu - fuhr 30 Mal auf das Podest bei 75 nationalen und internationalen Rennen. An ein Jahr erinnerte er sich besonders gern. "1954 gab es überall großen Beifall für mich und meinen Fahrer, ob im Osten oder Westen", erzählte der Pensionär. Denn sein Pilot war damals der allerorten bekannte Westberliner Karl Pusch. "Er hatte in Charlottenburg ein tolles Restaurant, natürlich immer etwas Westgeld in der Tasche und tolle Sponsoren - die auch allerhand Champagner übrig hatten", sagte Rolf Pöschel, der gern mit dem "Karli" aus dem Westen durch die deutschen Lande zog: "Wir waren das erste gesamtdeutsche Gespann - einer von drüben einer von hüben." Ob auf der Berliner Aus, am Nürburgring, in Leipzig oder in Schleiz, allerorten sei das Gespann als Symbol des gesamtdeutschen Motorsports begrüßt wurden. "Wir fuhren für die Einheit Deutschlands", lachte er heute.

1954 starteten sie beide am Sachsenring mit der Nummer 51 und einem 500er britischen BSA-Gespann. Gegen die späteren Weltmeister Willy Faust und Karl Remmert und deren BMW/RS hätten sie keine Chance gehabt. "Drei Runden lagen wir auf dem zweiten Platz. Als wir durch die Queckenberg-Kurve fuhren, winkten Tausende von Besuchern mit dem Programm - es war ein Höllenlärm und am Schluss wurden wir Vierte. Den zweiten Platz holte sich mein alter Freund Kurt Schönherr, der im Seitenwagen vom Karl-Marx-Städter Fritz Bagge saß", erzähle der Motorsportler und freut sich inmitten seiner alten Sachsenring-Freunde.