Wohl fast jeder Junge im mit gut 230 Millionen einwohnerreichsten Land Afrikas träumt das Nationaltrikot seiner Heimat Nigeria zu tragen. Oder im fernen Europa Fußball zum Beruf zu machen. Für Jamilu Collins, der seit dieser Saison für den FC Erzgebirge in der 3. Liga aktiv ist, wurde der Kindheitstraum wahr.
Mit seiner Routine, Ballsicherheit und Einsatzfreude überzeugte Jamilu Collins auch im letzten Heimspiel am 7. Februar gegen den 1. FC Saarbrücken als ein wichtiger Rückhalt. Es war sein zehnter Drittliga-Einsatz für die Veilchen. Eine Verletzungspause hatte den Neuzugang Ende 2025 ausgebremst, inzwischen ist er ein Leistungsträger der Mannschaft.
30 Länderspiele für Nigeria
Der Außenverteidiger bestritt bislang 30 A-Auswahlpartien für seine Heimat, Platz drei beim Afrika Cup 2019 in Ägypten ist sein gewiss wertvollster Erfolg. Gleich gefolgt von zwei Aufstiegen in Folge mit dem SC Paderborn - 2018 in die 2. und ein Jahr später in die 1. Bundesliga.
Zudem behauptete sich der heute 31-Jährige Westafrikaner in der zweiten englischen Division; 43 Spiele in der EFL Championship für Cardiff City - die Blue Birds aus Wales - stehen in seiner Vita. Ein erfahrener Mann also, der seine Qualität seit September beim Auer Kumpelverein einbringt.
Mit Paderborn in der Bundesliga
Geboren wurde Jamilu am 5. August 1994 in der nigerianischen Millionenstadt Kaduna. Mit Altersgefährten auf staubigen Straßen zu kicken war die erste "Akademie" des Vierjährigen, der ein Jahrzehnt später das unfassbare Glück hatte, an die Football Academy der Hauptstadt Abuja zu wechseln.
Zwei Jahre später, 2012, ging es sogar nach Europa, wo er Scouts des kroatischen Top-Clubs HNK Rijeka aufgefallen war. Eine Riesenchance und zugleich eine enorme Prüfung für das achtzehnjährige Talent. Fremde Kultur und Sprache, von der Familie tausende Kilometer entfernt, das harte Profigeschäft und immer wieder neue Vereine in Kroatien, die ihn ausleihen. Das Lehrgeld macht sich spätestens bezahlt, als ihn 2017 der damalige Drittligist SC Paderborn verpflichtet. Mit dem Land an der Adria freilich bleibt Collins bis heute verbunden, denn dort lernt er seine große Liebe Ina kennen. Mit ihr und den beiden Kindern Santiago (10) und Sophia (3) lebt er nun im Erzgebirge.
Paderborn ist sein Durchbruch. 127 Punktspiele bestreitet der Abwehrmann zwischen 2017 und 2022 für die Ostwestfallen. Sein erstes Bundesligator (von zweien insgesamt) schießt der Nigerianer 2019 gegen den großen FC Bayern. Namentlich SCP-Sportdirektor Markus Krösche, der sein Talent sah und dem Spieler im unbekannten Deutschland half, ist er dankbar. Ganz neue Erfahrungen bedeutete auch die folgende Etappe beim FC Cardiff in Wales, wo ihn allerdings Verletzungen plagten und er zuletzt nicht wie gehofft zum Zuge kam.
Begeistert von Fan-Power in Aue
Umso mehr nehme er sich jetzt beim FC Erzgebirge vor. Seit September 2025 verstärkt der inzwischen 31-Jährige den sächsischen Drittligisten. Gleichwohl er Fan-Power von Insel und aus den drei besten deutschen Ligen kennt, begeistert ihn der Support von den Auer Rängen: "Der ist ein Verein mit großer Tradition und Fans, die mir in schweren Situationen auf dem Platz helfen. Ich brauche diese Energie. Die Fans geben uns Kraft und wir sollten alles tun, es ihnen zurückzugeben."
Noch viel Arbeit bis zum Klassenerhalt
Obwohl Jamilu schon fast 14 Jahre in Europa sein Brot verdient, steht er zu seinen Wurzeln in der alten Heimat. Die Familie gehört zum Volk der Hausa, einem der größten im multiethnischen Nigeria. "Schön war, als meine Mutter Jummai nach Paderborn reiste, extra um mich Fußball spielen zu sehen. Ich hoffe, sie kann mich auch in Aue besuchen, vielleicht noch im Winter, denn der Schnee wird ihr gefallen und ist auch für mich noch etwas Besonderes."
Was der Fußball an Zeit lässt, gehört der Familie. Die freut sich schon auf die Sommerferien bei Inas Eltern an der Adria, doch Jamilu weiß, dass bis dahin noch viel Fußball-Arbeit wartet. Sprich, das Tal verlassen und den Klassenerhalt sichern.
Habt ihr eine Meinung zu diesem Artikel oder einen Fehler entdeckt? Dann weist uns gern darauf hin.




