Wir haben den Krieg nicht verlernt

Das Wort zum Sonntag von Walther Kurth

Was macht die Seele Europas aus? Angesichts dieser vielschichtigen Vergangenheit, die unser Europa in sich trägt, lohnt es sich einmal auf den 11. November nach Frankreich vorauszuschauen. Ein Gedenktag erinnert an das Ende des 1. Weltkrieges. Am 11. November 1918, vor 97 Jahren, wurde in Compiègne der Waffenstillstand zwischen Deutschland und Frankreich unterzeichnet. Viele Menschen haben damals gehofft, dass ihnen ihr 20. Jahrhundert doch noch Frieden bringen könnte. Meine Großmutter hat 1914 ihren ersten Mann verloren. Das Kriegerdenkmal in Stollberg mit seinen Namen existiert nicht mehr. Wohl, weil man in früheren Zeiten vom Heldentod sprach.

Obwohl es so furchtbar angefangen hatte. Mit dem ersten und zweiten Krieg, in den beinahe die ganze Menschheit verstrickt war. Geführt mit allen technischen Errungenschaften der Moderne. Nicht nur gegen Soldaten, sondern auch gegen die Zivilbevölkerung. Sogar ein Krieg gegen die Natur: Bis heute kann man in den südlichen Vogesen die Wunden sehen, die er ihr geschlagen hat.

Und das Schlimme dabei, weltweit blutet unser blauer Planet auch heute immer noch mit vielen kriegerischen Wunden. Obwohl Kriege so schrecklich sind, haben die Menschen sie nicht verlernt.