"Wu iech derham bie": Vom Scheibenberg bis Annaberg auf Sendung

Der Heimateck-Sendebetrieb verbindet die Fans des heimischen Zungenschlags rund um Scheiben- und Auersberg.

Tannenberg/Aue

Eine aufgeweckte Hörerrunde stellt dienstags seine Sende- und Empfangsbereitschaft her. Mit einem dafür verwendeten QRV melden sich jeweils ab 21 Uhr zwei Dutzend Akteure zu einer speziellen Programmeinlage an: dem Mundart-Stammtisch der Ortsgruppe Sachsen 45 Aue/Schwarzenberg im Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC).

Heimatecke auf Sendung

Auf UKW-Frequenz 438.950 sind für runde 20 Minuten Beiträge im erzgebirgischen Zungenschlag zu vernehmen. Berthold Reichel, in der Funkergilde als Bertl weithin unter seinem Stationsruf DG2 BRT bekannt, gestaltet die Vortragsrunde. "Heimatecke nennt sich meine Rubrik", berichtet der 76-Jährige. In Tannenberg wohnend, frönt der Erzgebirger, entsprechende Lehrgänge abgeschlossen und Lizenzen in der Tasche, seit über 30 Jahren dem Hobby Funk.

Vom Scheibenberg bis Annaberg auf Empfang

"Ich gehöre dem Ortsverband Aue/Schwarzenberg an, dessen Clubanlage meine technische Basis bildet", so der gelernte Werkzeugmacher. "Aktuell strahlen wir über die Relais-Stationen Auers- und Scheibenberg im 2m- und 70cm-Band aus. Im Umkreis der Relais sind Funkamateure aus Annaberg, Beierfeld, Schwarzenberg, Zwönitz, Breitenbrunn und Schneeberg an Mikrofon- und Lautsprecher dabei."

"Wu iech derham bie": Literatur, Bräuche und Humor aus der Heimat

Die abendliche Kulturstunde im Sendebetrieb der Clubstation mit Kennung DL0 AUE genießt unter Fans des heimischen Dialekts Kult. "Da werden Berichte von Dorfchronisten in Erzgebirgisch vorgetragen, Reiseerlebnisse von Mitbürgern, Naturbeobachtungen von Einheimischen, Bräuche und Sprüche erklärt, aber auch Prosa-Lektüre und selbst Gedichte vorgestellt", so der gebürtige Hermannsdorfer. "Klar, dass die Lektüre von Anton Günther, Hans Soph, Manfred Pollmer und anderen Autoren und Musikern unserer Region die Basis ist. Entscheidend ist das Lokalkolorit unter der Devise Wu iech derham bie. Ich will gern einen kleinen Beitrag leisten, dass diese Redeweise nicht verloren geht."

Tradition will geübt sein

Als Hiesiger mit dem Zungenschlag vertraut, präpariert sich Bertl dennoch für seine Vorträge. "Die Druck- und Schreibweise unserer Vorgänger will gelesen und gesprochen sein, daher lese sie zwei, drei Mal vorab durch."

Funkergruß zum Ausklang

Mit einem "73" für Viele Grüße! und dem Signal QRT für "Es liegt nichts mehr vor", endet die Sendestunde, deren technischen Fachbegriffe indes keine erzgebirgische Eigenworte kennen.

 

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