Zeitreise im Erzgebirge: Wie sah es vor 500 Jahren in einem labyrinthischen Stollensystem aus?

Winterferien im Besucherbergwerk "Im Gößner": Abenteuer und Geschichte unter der Annaberger Altstadt

Annaberg-Buchholz

Die Winterferien in Annaberg-Buchholz bieten jede Menge Abwechslung. Ein besonderes Highlight für kleine Entdecker: Das zirka 500 Jahre alte Besucherbergwerk "Im Gößner" lädt zu zwei spannenden Führungen ein. Während die Jüngsten mit dem Bergzwerg auf Schatzsuche gehen, erforschen ältere Kinder die faszinierende Welt der Mineralien und Gesteine.

 

500 Jahre unter Annaberg

Wer die unscheinbare Treppe im Hof des Erzgebirgsmuseums hinabsteigt, betritt eine andere Welt. 24 Meter unter der Annaberger Altstadt erstreckt sich ein labyrinthisches Stollensystem, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Die Temperatur sinkt auf konstante 8 Grad, die Gänge sind eng, und an den Wänden sind noch die originalen Abbauspuren zu erkennen.

Hier, im Besucherbergwerk "Im Gößner", schlugen vor über 500 Jahren Bergleute mit Schlägel und Eisen das begehrte Silbererz aus dem harten Gestein.

Ein Bergwerk mit Geschichte

Die Geschichte des Bergwerks ist eng mit der Stadtgründung Annabergs verknüpft. Zwischen 1498 und 1510 entstand das Stollensystem auf einem der reichsten Erzgänge der Region, dem Silbermühlen Flachen, der sich über 840 Meter Länge durch die gesamte Altstadt zieht. Fundgrübner war Andreas Gößner, ein angesehener Bürger, der ab 1519 dem Stadtrat angehörte und 1524 zum Mühlenamtsverwalter ernannt wurde. Er heiratete eine Tochter von Andreas Sturtz, dem ersten Bürgermeister der Stadt.

Fast 500 Jahre lang ruhte das Bergwerk wie in einer verschlossenen Zeitkapsel, bis im November 1985 bei Bauarbeiten in der Kupferstraße erste Hinweise auf die alten Stollen entdeckt wurden. 1992 begannen Erkundungsbohrungen im Museumshof, 1993 startete der Aufbau der heutigen Besucherstrecke.

 

Teil des UNESCO-Welterbe

Im August 1995 wurde das Bergwerk "Im Gößner" offiziell eröffnet und ist heute Teil des UNESCO-Welterbes "Montanregion Erzgebirge/Krušnohorí".

Einzigartiges Ensemble

Was das Bergwerk besonders macht, ist seine Lage direkt unter der Altstadt und die räumliche Nähe zur St. Annenkirche, deren Bau 1499 begann. Auf der Rückseite des Bergknappschaftsaltars findet sich eine eindrucksvolle Darstellung des obererzgebirgischen Montanwesens aus genau jener Zeit, als unter der Erde das Silber abgebaut wurde. Diese enge Verbindung von Kirche, Stadt und Bergbau macht den Ort einzigartig.

Das Bergwerk umfasst insgesamt vier Sohlen mit einer Gesamttiefe von 104 Metern, wobei nur die erste Sohle für Besucher zugänglich ist. Die Besucherstrecke führt rund 300 Meter durch das alte Stollensystem. Im gesamten Annaberger Bergbaurevier erstrecken sich die bekannten Stollen über rund 600 Kilometer. Jährlich lassen sich rund 9.000 Besucher von dieser faszinierenden Unterwelt begeistern.

 

Winterferienprogramm für junge Entdecker

In den Winterferien wird das Bergwerk zum Abenteuerspielplatz für Kinder. Bereits am 5. Februar startete die erste Führung, weitere Termine gibt es am 12. und 17. Februar jeweils von 13.30 bis 14.30 Uhr. Unter dem Titel "Im Reich des kleinen Bergzwergs" können Sechs bis Neunjährige auf Schatzsuche gehen. Gemeinsam erkunden sie das unterirdische Reich, lösen Rätsel und dürfen selbst mit Schlägel und Eisen den harten Fels bearbeiten, wie die Bergleute vor über 500 Jahren.

Für ältere Kinder ab neun Jahren gibt es am 19. Februar von 13.30 bis 15 Uhr die "Forscher-Tour: Mineralien und Gesteine". In dieser Wissens- und Erlebnisführung lernen die Teilnehmer die verschiedenen Gesteinsarten kennen und erforschen ganz praktisch, welche davon im Bergwerk zu finden sind.

 

Mit Taschenlampe und Hammerwerk auf Entdeckungstour

Wer noch mehr erleben möchte: Am 13. Februar heißt es "Nachts im Museum", wenn nach Einbruch der Dunkelheit mit der Taschenlampe auf einen geheimnisvollen Rundgang durch das Erzgebirgsmuseum gegangen wird. Und am 20. Februar lockt der Frohnauer Hammer mit einer Kinderführung, bei der nicht nur das Hammerwerk des ältesten Schmiedemuseums Deutschlands unter die Lupe genommen, sondern auch ein selbst funktionierendes Hammerwerk gebastelt wird.

Wichtige Hinweise für Besucher

An jeder Führung können maximal zwölf Personen teilnehmen. Kinder müssen mindestens sechs Jahre alt sein und in Begleitung Aufsichtsberechtigter kommen. Festes Schuhwerk und eine Jacke sind Pflicht, denn im Bergwerk herrschen konstante 8 Grad Celsius. Jeder Besucher erhält einen Umhang und einen Helm. Wer unter Platzangst leidet, sollte bedenken, dass die Gänge nur etwa 80 mal 180 Zentimeter groß sind. Das Mitführen von Gehhilfen und Tieren ist aus Sicherheitsgründen nicht gestattet.

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