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Zschopauer Gewerbeverein wendet sich an Ministerpräsidenten

Brief Erzgebirger machen Michael Kretschmer auf dramatische Lage aufmerksam

Zschopau. 

Zschopau. Aktionen, um auf ihre derzeit schwierige Lage aufmerksam zu machen, haben die Zschopauer Händler schon mehrere unternommen. Passiert ist wenig, sodass sich der örtliche Gewerbeverein nun mit einem Brief an den sächsischen Ministerpräsidenten persönlich gewandt hat. "Die Luft ist raus aus Zschopauer Unternehmen" heißt es in dem Schreiben an Michael Kretschmer, in dem die fehlende Unterstützung kritisiert wird: "Seit nunmehr über sechs Wochen gibt es weder adäquate Hilfszahlungen noch eine Perspektive aus der Politik."

"Ein Schlag ins Gesicht"

Verfasst und unterzeichnet hat den Brief Robert Hähnel. Um die dramatische Lage zu verdeutlichen, berichtet der Vorsitzende des Gewerbevereins "Unser Zschopau", dass viele Unternehmer zum Decken der notwendigsten Kosten bereits auf ihre Altersvorsorge zurückgreifen mussten. Obwohl die Geschäftsleute meist über Jahrzehnte hart gearbeitet haben, um einen funktionierenden Betrieb aufzubauen, Arbeitsplätze zu schaffen und die Region aktiv mitzugestalten, könnten nun mitunter einfachste Dinge wie Strom und Miete kaum noch bezahlt werden. Die aktuelle Form der Überbrückungshilfe, die auf maximal 90 Prozent der Fixkosten basiert, bezeichnet Hähnel daher als einen "Schlag ins Gesicht jedes Unternehmers". Hilfreicher wäre zusätzlich eine anteilige Erstattung des entgangenen Umsatzes, um das geschäftliche Überleben zu sichern.

Düstere Prognose

In dem Brief, dem auch ein Schreiben von Oberbürgermeister Arne Sigmund beigelegt ist, der ebenso um gezielte Hilfe bittet, malt Hähnel ein düsteres Zukunftsszenario: "Werden Hilfen nicht bedarfsgerecht verbessert und bleibt die Perspektive aus, dann werden unsere Innenstädte ihre Gesichter verlieren. Nicht nur hier in Zschopau, sondern landesweit." Über Jahre hinweg mit den Folgen einer hohen Verschuldung zu kämpfen, würde jeden vernünftigen Geschäftsmann abhalten. Deshalb appelliert Hähnel an den sächsischen Ministerpräsidenten, Perspektiven zu bieten und konkrete Maßnahmen einzuleiten. Beispiel dafür ist das "Click and collect"-System, mit dem gewünschte Waren in einem Geschäft online bestellt und dann dort abgeholt werden können. Auch auf das Impfversprechen der Politik weist Robert Hähnel hin.

Bundesweite Aktion trägt Früchte

Abgesehen von diesem Brief bleibt der Zschopauer Gewerbeverein auch in anderer Hinsicht aktiv. So wollen einige Händler auch am kommenden Montag an der bundesweiten Aktion "wir machen auf_merksam" teilnehmen. Vor einer Woche hatten sich sieben Unternehmer beteiligt - und sich anschließend über eine große Resonanz in den sozialen Medien gefreut. "Insgesamt konnten wir über unsere Vereinsseite auf Facebook in den letzten Tagen 15.500 Menschen erreichen", berichtet Hähnel.