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Zu Besuch an der Trinkwasser-Talsperre: Wasserknappheit auch in Sachsen? 

Aufklärung Wie abgesichert ist die Region Chemnitz-Zwickau wirklich?

Eibenstock. 

Italien will den Ausnahmezustand ausrufen, da durch die andauernde Hitze Wasserknappheit herrscht. Könnte sowas auch auf Deutschland zukommen, denn auch bei uns in Sachsen stiegen die Temperaturen bis 35 Grad im Juni. Punktuelle Starkniederschläge machen es der Natur derzeit schwer in Einklang zu kommen, da die Böden so trocken sind, dass sie das Wasser nicht genug aufsaugen können. 

Wird es eine Wasserknappheit in der Region geben?

Blick-Redakteurin Anika hat sich mit Fotograf Daniel Unger auf den Weg nach Eibenstock zur Trinkwasser Talsperre gemacht und Staumeister Falk Müller mit Fragen zu diesem Thema gelöchert. Er gibt erstmal Entwarnung. "Auf unseren Stausee bezogen wird es keine Wasserknappheit geben, eine Trockenheit, aber keine Knappheit." Der Wasserpegel liegt derzeit bei 535,19 Meter über Normalnull. Damit fehlen 1,47 Meter bis zum Stauziel. "Das ist aber für die Jahreszeit nichts Ungewöhnliches", so Falk Müller.

Über die Talsperre Eibenstock werden im Großraum Chemnitz-Zwickau rund 600.000 Menschen mit Wasser versorgt. Das Wasser wird für die Trinkwasseraufbereitung und die Auffüllung der Mulde bereitgestellt. Das Trinkwasser läuft von der Talsperre durch einen elf Kilometer langen Stollen und kommt übrigens ohne Pumpen bis zum Wasserwerk.

Wie lange ist der Verbraucher abgesichert, wenn es keinen Regen mehr gäbe?

Der Stausee umfasst aktuell rund 60 Millionen Kubikmeter Wasser und es werden jährlich etwa 20 bis 25 Millionen Kubikmeter verbraucht. Die Region ist also bestens abgesichert. Selbst wenn es gar nicht mehr regnen würde, erklärt Falk Müller, würde eine Versorgung des Großraums mit der gleichen Qualität gewährleistet sein. "Wenn wir von einem Jahr ausgehen ist das realistisch und positiv." Je weniger Wasser im See wäre, desto schlechter würde auch die Wasserqualität durch Trübstoffe und Erosion werden. "Der Puffer ist also da", lacht er. Die Bevölkerung brauche sich keine Sorgen machen und kann normal zu Hause baden und Wasser trinken, ohne Einsparungen vornehmen zu müssen.

Im Ernstfall abgesichert

Es gibt übrigens sieben Entnahmestellen des Wassers, wo die Qualität und Temperatur überprüft werden. Für den Ernstfall gibt es in Eibenstock drei Bereitstellungsstufen. Wenn der Pegel des Wassers diese erreicht, würden verschiedene Maßnahmen in Kraft treten, wie z.B. weniger Wasser der Mulde zuzuführen und das Wasser besser zu rationieren. "Wir haben das Glück in Sachsen, durch die vielen Talsperren, dass wir da gut aufgestellt sind und uns da aktuell keine Sorgen machen müssen." 

Rückblick: 2018 sank der Pegel um knapp zehn Meter

Im Jahr 2018 sah das ein bisschen anders aus. Der Pegel der Talsperre sank auf den niedrigsten Stand seit 35 Jahren um fast zehn Meter ab. Damals musste der Ausgleich mit der Mulde bereits zurück gefahren werden. Aber auch in dem Jahr herrschte kein Grund zur Unruhe, auch wenn die Bilder spektakulär aussahen und das Relief der Felsen preisgaben, die sonst unter Wasser waren. 

27. Drei-Talsperren-Marathon

Baden und Wassersport sind übrigens in der Talsperre strengstens verboten und ziehen ein Bußgeld nach sich. Aber Sport drum herum ist erlaubt. Am 17. September findet zum Beispiel der Drei-Talsperren-Marathon statt. Es wird 42 Kilometer um die Erzgebirgstalsperren Eibenstock, Sosa und Carlsfeld gelaufen. Die Anmeldung ist bis 11. September online möglich.

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