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Zwickauer Polizeibeamter bei gewalttätigem Angriff auf Asylbewerber involviert

Blaulicht Am 18. Juli schlug eine achtköpfige Gruppe einen Asylbewerber im Bus zu Boden.

Bad Schlema. 

Ein Busfahrer verständigte am Abend die Polizei nach einem Angriff auf einen 20-jährigen somalischen Staatsbürger in einem Linienbus. Was war passiert? Der junge Mann stieg in der Auer Straße zu und wurde in der Folge von acht im Bus sitzenden Männern im Alter zwischen 38 und 49 Jahren zunächst ausländerfeindlich beleidigt. Die Situation spitzte sich weiter zu. Mindestens zwei Männer aus der achtköpfigen Gruppe stießen den 20-Jährigen im Bus zu Boden und traten auf ihn ein. Der somalische Staatsbürger wurde dabei leicht verletzt.
Eingesetzte Polizisten stellten schließlich sowohl die acht Tatverdächtigen als auch den Geschädigten im Linienbus fest. Während der Erstversorgung des jungen Mannes erhoben die übrigen Beamten die Personalien der Tatverdächtigen. Zudem sprachen sie gegen die acht tatverdächtigen Männer Platzverweise aus. Der 20-Jährige verzichtete auf eine ärztliche Behandlung.

Polizeibeamter schreitet bei Überfall auf Asylant nicht ein 

Im Zuge der ersten Befragungen und Ermittlungen, die seit gestern das Dezernat Staatsschutz der Chemnitzer Kriminalpolizei führt, stellte sich heraus, dass ein Polizeibeamter der Polizeidirektion Zwickau im Dienstfrei zur besagten achtköpfigen Gruppe gehörte. Nach Sichtung der Videoaufnahmen aus dem Linienbus ist ein aktiver Beitrag des Beamten an der gefährlichen Körperverletzung nicht ersichtlich. Zu sehen ist aber auch, dass der Polizeibeamte den körperlichen Angriff nicht unterbunden hat und dem 20-Jährigen, der leicht verletzt wurde, auch nicht zu Hilfe kam. Die Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung werden fortgeführt und abschließend der Staatsanwaltschaft Chemnitz vorgelegt.

Vorwurf: Verstoß gegen beamten-rechtliche Pflichten

Zugleich wird im Rahmen der Ermittlungen zu prüfen sein, ob sich der Polizist strafbar gemacht hat. Parallel hat die Polizeidirektion Zwickau dienstrechtliche Schritte gegen den Polizeibeamten geprüft und im Ergebnis ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Ihm wird vorgeworfen, gegen - auch außerdienstlich bestehende - beamten-rechtliche Pflichten verstoßen zu haben. In welchem Umfang er letztlich an dem Übergriff beteiligt war, müssen die weiteren Ermittlungen ergeben.
Übereinstimmend erklärten die zuständigen Polizeipräsidenten Lutz Rodig und Carsten Kaempf: "Wir erwarten von unseren Polizisten, dass sie auch außerhalb des Dienstes die Begehung von Straftaten verhindern, zu deren Aufklärung beitragen und nicht wegschauen."

 



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