Exzellente Köpfe für leichtere Autos

Uni Forschungsnetzwerk MERGE für leichtere Werkstoffe startete diese Woche auch offiziell

Einhundert Kilogramm Gewicht, so sagt es der Volkswagen, erhöhen den Spritverbrauch eines Autos um 0,3 Liter je 100 Kilometer. Was für viele Fahrer Anlass sein könnte, die eigenen Kinder nicht mit in den Urlaub zu nehmen, ist für die meisten Autohersteller der Grund, sich um leichtere - und damit spritsparende - Autos zu bemühen: Neue Materialien werden gesucht, die weniger wiegen als die herkömmlichen metallischen Werkstoffe - sogenannte Leichtbaumaterialien. Forscher der TU Chemnitz sind da schon lang vorne dran: Eine Heckklappe für Volkswagen entwickeln sie beispielsweise aus faserverstärktem Duroplast: "Wir haben dafür eine neue Lösung erarbeitet, die die Herstellungszeit von zwei bis drei Stunden auf 15 Minuten reduziert", erklärt Lothar Kroll. Als Professor für Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung ist er einer der führenden Köpfe auf diesem Gebiet. Und nicht nur führend, exzellent: Die Einrichtung eines Exzellenzclusters an der TU Chemnitz belegt das. Mit 34 Millionen Euro wird die Forschung an den Werkstoffen der Zukunft bis zum Jahr 2017 unter dem Namen "MERGE", für "Verschmelzung", von der Bundesregierung gefördert, diese Woche gab es bei einer Auftaktveranstaltung im Veranstaltungszentrum "Pumpwerk eins" den offiziellen Startschuss. Neben der Entwicklung neuer Materialien wird es vor allem um bessere Verarbeitungsprozesse, aber auch um die Integration von Mikro- und Nanosystemen für zusätzliche Funktionen gehen. Deshalb sind sechs Fakultäten der TU in das Exzellenzcluster eingebunden, 75 Wissenschaftler arbeiten derzeit in den sechs Aufgabengebieten. "Wir wollen an unserer Universität eine Plattform schaffen, die auf dem zukunftsweisenden, stark umkämpften Technologiefeld Leichtbau wichtige Impulse für die Wirtschaft und für die Wissenschaft setzt", erklärte Uni-Rektor Arnold van Zyl. Gesucht wird derzeit noch nach einem Platz, um dem Exzellenzcluster auch ein exzellentes Gebäude zur Verfügung zu stellen: Die Verhandlungen mit dem Freistaat Sachsen als Geldgeber seien derzeit in der Feinabstimmung, so die Uni.