Der Zwergen-Punk mit der Holzfäller-Axt

Die prominente Fantasy-Lizenz "Warhammer" und Rollenspiel-Action nach "Diablo"-Art: Das klingt nach einer potenten Mixtur mit viel Action und einer fesselnden Story. Aber kann das Dämonen- und Monster-Verkloppen dem Vorbild das Wasser reichen?

Mit seiner von brutalen und geifernden Dämonen-Horden belagerten Fantasy-Welt "Warhammer" hat der britische Verlag Games Workshop seit Jahrzehnten eine der wertvollsten Brettspiel- sowie Pen-and-Paper-Marken im Gepäck, außerdem erweitern Romane, Comics und natürlich auch Computer-Games den bizarren Kosmos fortwährend. Zuletzt haben die auf schnelle Koop-Action getrimmten "Vermintide"-Spiele von Fatshark der "Warhammer"-Marke zu einem Popularitäts-Boost auf PC und Konsole verholfen, jetzt versuchen sich der deutsche Hersteller Bigben Interactive und das französische Entwicklerstudio Eko Software an der komplexen Hintergrundwelt der Briten.

Ihr Action-Rollenspiel "Chaosbane" vermischt das seit Anfang der 1980-er bekannte Hintergrunduniversum mit der Spielmechanik eines "Diablo", indem es Helden wie einen Axt-schwingenden Zwergen-Berserker mit Punker-Frisur, einen Elfen-Magier oder einen Schwert-schwingenden Inquisitor durch von schräg oben abgebildete Level schickt. Hier fegen die Helden entweder mit rasiermesserscharfen Klingen oder mächtigen Angriffszaubern monströse Horden vom Bildschirm, die Entwickler Eko dem umfangreichen Bestarium der gedruckten Vorlage entliehen hat. Das Who-is-who des Schreckens reicht von allerlei standardisierten Fantasy-Bestien bis hin zu bizarren Dämonen mit so vielen Augen, Armen und anderen schleimigen Extremitäten, dass selbst gestandenen Axtschwingern das Frühstücks-Müsli hochkommt. Genau so müssen Monster aussehen!

Stimmungsvolle Kulisse, fehlende Akzente

Mit umfangreicher Gegner-Palette und wunderbar gruselig ausgearbeiteten 3D-Welten bedient sich "Chaosbane" gekonnt beim Vorlagen-Fundus, um für spielerische und visuelle Abwechslung zu sorgen. Leider mangelt es der rund 15 Stunden langen Kampagne hier und da an den nötigen Akzenten: Sind die ersten zwei oder drei Stunden ins Fantasy-Land gegangen, stellen sich bereits Ermüdungserscheinungen ein - bis sich der Spieler immer teilnahmsloser durch das endlose Gewimmel aus Klauen, Zähnen und glitschigen Greifarmen hackt oder zaubert. Abgesehen von ein paar imposanten Boss-Gegnern fehlen die spielerischen Kontraste und eine fein ausbalancierter Rüstungsspirale, die ein "Diablo 3" so spannend machen.

Trotzdem: Wer den "Warhammer"-Kosmos schätzt, der freut sich über eine Fülle von fein animierten Kreaturen und schrägen Genre-Gestalten, die man viel zu selten auf dem Computer- oder Konsolen-Bildschirm sieht. Hinzu kommt eine gelungene und dynamische Controller-Unterstützung, mit denen es sich in "Chaosbane" auf PS4 oder Xbox genauso flott metzelt wie mit PC-Maus und -Tastatur - vor allem im lokalen Koop-Modus mit den Kumpels.

Warhammer: Chaosbane - EndGame & Post Launch [PEGI USK]