Entwicklung von "System Shock 3" gescheitert?

"System Shock" gehört zu den größten Rollenspiel-Klassikern überhaupt und inspirierte unter anderem die Entstehung von Take 2s "Bioshock"-Reihe. Jetzt sieht es so aus, als stünde die Entwicklung des lang erwarteten dritten Teils vor dem Aus.

"System Shock" gehört zu den größten Rollenspiel-Klassikern überhaupt und inspirierte unter anderem die Entstehung von Take 2s "Bioshock"-Reihe. Jetzt sieht es so aus, als stünde die Entwicklung des lang erwarteten dritten Teils vor dem Aus.

Nach jahrelangem Hin und Her scheint es so, als wäre die Fortsetzung zum Cyberpunk- und Rollenspiel-Zweiteiler "System Shock" endgültig gescheitert: Ursprünglich startete die Entwicklung von "System Shock 3" unter der Obhut des seit 2018 scheintoten schwedischen Herstellers Starbreeze.

Der sah sich wegen seiner monetären Probleme allerdings dazu gezwungen, die Rechte an "System Shock 3" an dessen US-Entwickler OtherSide Entertainment in Austin zurückzugeben. Letzterer kann sich die Entwicklung eines würdigen "System Shock"-Nachfolgers aber noch weniger leisten als Starbreeze - darum stand die Entstehung des neuen Spiels spätestens ab diesem Zeitpunkt unter einem schlechten Stern.

März 2019 hatte Entwickler-Legende Warren Spector - der auch bei Teil 3 zu den leitenden Kreativ-Kompetenzen des Projekts zählt - seinen Fans noch Hoffnung auf einen baldigen Abschluss des Projekts gemacht. Doch jetzt hat sich ein ehemaliger Mitarbeiter von OtherSide anonym zu Wort gemeldet und behauptet, dass komplette Entwickler-Team sei entweder entlassen worden oder habe von sich aus gekündigt. Einen endgültigen Entwicklungsstopp konnte er allerdings nicht bestätigen.

Stark im Rückstand

Weiterhin spricht der Leaker gegenüber der Seite "Videogameschronicle.com" davon, dass die Entwicklung wegen Ressourcenmangel weit hinter dem Zeitplan gelegen habe: Die Arbeiten an dem grundsätzlichen Spielsystem hätte man zwar abgeschlossen, doch wäre es bisher nicht gelungen, auf Basis dessen das eigentliche Spiel zu entwickeln. Selbst mit den Finanzen, die Starbreeze vor 2018 noch zur Verfügung standen, wäre es kaum möglich gewesen, einen Titel auf die Beine zu stellen, der dem großen Namen "System Shock" gerecht geworden wäre.

Die hohen Erwartungen seien jedoch der Grund für eine Menge "teurer Experimente" gewesen. "Wir waren auf dem Weg, etwas Einzigartiges und möglicherweise sogar Spaßiges zu machen, aber wahrscheinlich nicht das, worauf das Publikum hungrig war", so die anonyme Quelle weiter.

Selbst der stets gut informierte Autor Jason Schreier von "Kotaku" ist skeptisch: "Es ist definitiv richtig, dass sie das Studio verkleinert haben. Ich weiß, dass Warren Spector immer noch an dem Spiel arbeitet und daran, einen Weg zu finden, wie es verwirklicht werden kann. Ich weiß nicht, wie viele andere Leute noch da sind."

Fertigstellung des Remakes offenbar ebenfalls fragwürdig

Bereits das ursprünglich 1994 veröffentlichte erste "System Shock" entstand unter der Leitung von Warren Spector: Der hatte zuvor mit den beiden "Ultima Underworld"-Spielen das Zeitalter flüssig scrollender, ego-perspektivischer Rollenspiele eingeleitet und hob später die beiden Serien "Thief" sowie "Deus Ex" aus der Taufe. Trotz des Erfolgs wurde der Nachfolger "System Shock 2" (1999) über 16 Jahre nicht fortgesetzt - bis OtherSide 2015 die Entstehung eines dritten Teils angekündigt hatte.

Ein mithilfe von Kickstarter-Spenden finanziertes Remake oder Reboot des Klassikers hat es bisher ebenfalls nicht zur Produktionsreife geschafft: 2018 kündigte Entwickler Night Dive an, die aufwendige Entwicklung vorerst zu stoppen, um das Projekt neu auszurichten.

System Shock 3 Teaser - Unity Keynote (GDC 2019)