Flop trotz Superstars: Microsoft zieht Mixer den Stecker

Verschwindend geringe Marktanteile trotz millionenteurer Exklusiv-Deals: Microsoft stampft die Gaming-Videos-Plattform Mixer wegen anhaltender Erfolglosigkeit ein. Die Streaming-Superstars "Ninja" und "Shroud" müssen sich aber offenbar keine Sorgen um ihre Zukunft machen.

Die millionenteuren Abwerbungen der einstigen Twitch-Superstars "Ninja" und "Shroud" - am Ende waren sie nutzlos. Zwar konnten die beiden Promi-Streamer, die im echten Leben Tyler Blevins und Michael Grzesiek heißen, die Abrufzahlen der Plattform Mixer deutlich nach oben schrauben. Aber letztlich nicht hoch genug: Microsoft stellt sein auf Games-Videos spezialisiertes Angebot komplett ein.

Der Grund liegt nahe: Zu groß ist der Abstand zur Konkurrenz - allen voran zur führenden Plattform Twitch, die im ersten Quartal 2020 auf rund 65 Prozent Marktanteile kam und für 2019 fast zehn Milliarden geschaute Stunden vorweisen kann. Weit abgeschlagen auf Platz zwei und drei: Youtube Gaming mit 22 Prozent und Facebook Gaming mit 11 Prozent Marktanteilen. Mixer kam indes nur auf mickrige zwei Prozent.

"Es wurde klar, dass die benötigte Zeit für das Wachsen der eigenen Livestreaming-Community auf die gewünschte Größe unverhältnismäßig zu unserer Vision ist, die Microsoft und Xbox den Spielern schon jetzt anbieten wollen", schreibt der Windows-Konzern etwas zerknittert in einem Blogeintrag.

Restlaufzeit: ein Monat

Bis zum 22. Juli haben Zuschauer und Streamer Zeit, sich anderweitig umzusehen. Danach leitet man alle Anfragen auf die Domain von Mixer zum einstigen Konkurrenten Facebook Gaming weiter, mit dem Microsoft eine Partnerschaft eingeht, von der man sich mehr soziale Reichweite für kommende Prestigeprojekte wie die Xbox Series X-Konsole oder den Spiele-Streaming-Dienst xCloud erhofft. "Wenn wir an xCloud und die Möglichkeit denken, Gameplay für zwei Milliarden Menschen freizuschalten, wissen wir, dass es von kritischer Wichtigkeit sein wird, dass unsere Services ein großes Publikum erreichen und Facebook gibt uns eindeutig diese Gelegenheit", so Microsoft weiter.

Facebook Gaming halte zudem bereits geschlossene Mixer-Verträge weiterhin ein, stellt es professionellen Streamern aber völlig frei, davon zurückzutreten und zu anderen Plattformen zu gehen. "Es liegt an ihnen und ihren Prioritäten", sagt Facebook-Gaming-Chef Vivek Sharma.

Superstars halten sich bedeckt

Und was machen nun "Fornite"-Superstar "Ninja" und sein Kollege "Shroud", für deren Exklusiv-Partnerschaft Microsoft - wie es heißt - zweistellige Millionenbeträge gezahlt habe? Erstmal nachdenken und neue Angebote abwarten.

"Ninja" schrieb kurz nach der Bekanntgabe bei Twitter: "Ich liebe meine Community und was wir bei Mixer zusammen aufgebaut haben. Ich muss nun einige Entscheidungen treffen und werde dabei an Euch denken, wenn es so weit ist." Auch Kollege "Shroud" beteuerte seine Liebe zu den Fans und wolle nun seine nächsten Schritte abwägen.

Dem eSports-Experten und Branchen-Insider Rod Breslau zufolge hätten die beiden jedoch eine Facebook-Offerte, die ihnen eine Verdoppelung des bisherigen Vertragsvolumens beschert hätte, ausgeschlagen.