Games-Geschenke zeigen Wirkung: Epic Store ist Steam auf den Fersen

Liebe kann man nicht kaufen, Marktanteile schon: Mit teuren Spiele-Geschenken und immer mehr Exklusiv-Titel lockt "Fornite"-Macher Epic im mehr User in seinen Games Store. Das Ziel ist klar: Steam als führende Online-Vertriebsplattform im PC-Bereich ablösen.

Die Milliarden-Einnahmen aus dem Battle-Royale-Shooter "Fortnite" lassen US-Hersteller Epic immer kühner agieren, um ein großes Unternehmensziel zu erreichen: Der eigene Games Store soll Steam als führende digitale Plattformen für den Erwerb von PC-Titeln ablösen.

Das Vorhaben stößt in der Games-Branche auf offene Ohren: Schließlich lässt sich Steam-Betreiber Valve den Vertriebs-Service ausgesprochen gut bezahlen. Rund 30 Prozent der jeweiligen Verkaufserlöse bleiben beim "Half-Life"-Macher hängen. In ähnlichem Maße hält auch Apple in seinem App-Store die Hand für nahezu jede Transaktion auf.

Darum bietet Epic den Entwicklern und Publishern spürbar bessere Konditionen: Statt 30 Prozent beansprucht man nur 20 Prozent des jeweiligen Umsatzes für sich. Außerdem umgarnt man viele Spiele-Firmen - je nach Attraktivität ihrer Titel - sogar mit Vorkasse. Vorausgesetzt, der jeweilige Hersteller erklärt sich dazu bereit, das eigene Game entweder nur oder zumindest zeitweise exklusiv im Epic-Store anzubieten. Klar, dass viele Anbieter sich das nicht zweimal sagen lassen - zumal das Quasi-Monopol von Steam vielen schon seit Jahren ein Dorn im Auge ist.

Wie lange ann das gutgehen?

Doch Epic lockt nicht nur Entwickler, sondern auch Spieler in seinen Store - mit teuren Geschenken: Wer sich rechtzeitig auf der Plattform anmeldet, kann sich im Wochentakt Games gratis herunterladen - zuletzt sogar begehrte Blockbuster wie "GTA 5", "Borderlands: The Handsome Collection", "Civilization 6" und "Ark: Surival Evolved". Ab 25. Juni gibt es das Pixel-Adventure "Stranger Things 3: The Game" und das abstrakte Open-World-Abenteuer "AER Memories of Old" kostenlos.

Ergebnis der aggressiven Expansionspolitik: 61 Millionen aktive User im letzten Monat. Zugegeben: Auf Steam haben sich im gleichen Zeitraum circa 91 Millionen Gamer getummelt, aber der Epic-Trend zeigt steil nach oben. Fragt sich nur: Wie lange kann Epic diese harte Gangart noch durchhalten? Aktuell muss man sich um finanzielle Mittel nicht sorgen, denn mit dem chinesischen Mobile- und Games-Giganten Tencent (der über 48 Prozent an Epic hält) weiß man einen potenten Partner an seiner Seite. Außerdem konnte man mit "Fortnite" allein im vergangenen Jahr 1,8 Milliarden US-Dollar erwirtschaften.

Ob jedoch geschenkte Spiele allein reichen, um Kunden auf Dauer zu binden, bleibt fraglich. Wenn es um Features wie anpassbare User-Profile, Community-Märkte, Foren oder Mod-Implementierung geht, hat Steam nach wie vor die Nase vorn. Vielleicht sieht sich der Marktführer aus genau diesem Grund bisher nicht unter Zugzwang.

Und schließlich hat man bei Valve ja noch immer die beliebten Sales-Aktionen im Programm: So läuft der nächste Steam-Summer-Sale zum Beispiel vom 25. Juni bis zum 09. Juli und verführt damit ganze zwei Wochen zu digitaler Schnäppchenjagd.