Kann die Games-Branche auch ohne E3?

Brauchen Spiele-Hersteller im Internet-Zeitalter noch lokale Messen, um ihre Produkte anpreisen und verkaufen zu können? Eine Studie legt nahe, dass zumindest Hardware-Hersteller und Groß-Publisher ohne Veranstaltungsformate wie die E3 auskommen.

Zu den frühesten Veranstaltungs-Opfern im Corona-Jahr 2020 gehörte die etablierte Gaming-Messe E3: Die sonst im LA Convention Center stattfindende "Electronic Entertainment Expo" ist normalerweise das Spiele-Event des Jahres und für internationale Medien sogar wichtiger als die deutsche gamescom, die deutlich höhere Besucherzahlen vorzuweisen hat.

Stellt sich nun die Frage: Wie kommt die Games-Branche ohne ihr Leit-Event aus? Normalerweise tummeln sich jedes Jahr tausende Journalisten, Influencer und andere Fachbesucher bei der E3, um von dort aus in alle Welt zu berichten, zu streamen und zu übertragen.

Um diese Frage zu beantworten, haben die Marktforschungs-Experten von SuperData die Zuschauerzahlen der diesjährigen Digital-Events mit denen aus letztem Jahr verglichen. Und dabei zum Beispiel herausgefunden, dass gerade Sonys digitale PS5-Enthüllungs-Show im Live-Stream auf Twitch satte 1,51 Millionen Zuschauer anlocken konnte - deutlich mehr als das E3-Xbox-Briefing vom letzten Jahr (0,94 Millionen), die "Game Awards 2019" (0,62 Millionen) oder Nintendos E3-"Direct"-Format (0,56 Millionen), das ebenfalls im digitalen Dunstkreis der letztjährigen E3-Messe stattfand.

Probleme bei kleinen und mittelgroßen Firmen

Zugegeben: Eine Konsolen-Enthüllung ist ein Ausnahmefall - aber auch diesjährige Online-Events ohne eigene Hardware im Rücken hatten starke Zuschauerzahlen. So haben sich dieses Jahr über eine Million Games-Begeisterte das Online-Format "Ubisoft Forward" angesehen. Zum Vergleich: Bei der E3-Pressekonferenz des Konzerns im letzten Jahr haben nur 0,75 Millionen Spieler zugeschaltet.

Nicht ganz so rosig sieht es dagegen für die kleinen bis mittelgroßen Entwickler und Spiele-Hersteller aus: Die können ohne E3 nur vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit auf ihre Produkte steuern. So hat die "PC-Gaming Show" 2020 nur 68.000 Gamer aktivieren können, bei der E3-Übertragungen 2019 waren es mit 141.000 über doppelt so viele.