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Keine Sex-Spielchen mehr in Deutschland: Steam zensiert sich selbst

Zu sexy für Steam? Vor einem Jahr noch sorgte die Spieleplattform selbst dafür, dass das Nischenthema Erotik-Games mehr Aufmerksamkeit bekam. Nun ist damit plötzlich Schluss - aber nur in Deutschland. Der Grund für die Selbstzensur?

Auch Erwachsene dürfen plötzlich nicht mehr in die "Adult only"-Schmuddelecke des Online-Games-Stores Steam. Zumindest in Deutschland. Wer versucht, sich auf Valves Spieleplattform ein Erotik-Game herunterzuladen, bekommt neuerdings den Hinweis: "Ups, Sorry! Bei der Verarbeitung Ihrer Anfrage ist ein Fehler aufgetreten: Diese Inhalte sind in Ihrem Land nicht gestattet."

Der Betreiber Valve suggeriert zwar mit dem letzten Satz, dass die Entscheidung quasi von Behörden getroffen wurde, doch handelt es sich in Wahrheit eher um vorauseilenden Gehorsam beziehungsweise Selbstzensur: Valve wollte offensichtlich drohenden Ärger umgehen und warf die Erotikinhalte für deutsche User aus dem Programm. Der Betreiber der Plattform reagierte mit der Maßnahme auf eine Beschwerde der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein. Die behördlichen Medienwächter hatten schon mehrmals die freie Zugänglichkeit zu pornografischen Inhalten auf Steam angeprangert.

Zu sexy für Steam

2019 noch war Steam der Grund, warum 3D-Sex-Games aus ihrem Schattendasein traten. Die Spieleplattform nahm damals einige Vertreter des Nischen-Genres ins Portfolio auf. Nun sind alle Spiele in Deutschland nicht mehr zu finden, deren Entwickler ihren Content mit "sexueller Inhalt" markiert haben. Auf Anfrage erklärt der Support, man prüfe die Möglichkeit, derlei Inhalte zukünftig auch in Deutschland wieder verfügbar zu machen. Spiele, die eine USK-Alterskennzeichnung erhalten haben, bleiben von der Maßnahme bereits verschont.

Einzelne Titel wurden bereits Anfang des Jahres in Deutschland gesperrt. Für Verwirrung sorgt: Es geht der Medienanstalt nicht um die Spiele selbst, sondern um den Umstand, dass Screenshots auf den Infoseiten zum Game auf Steam frei zugänglich waren. Valve hat offenbar Anwälte, die wissen, welche Folgen das in Deutschland haben kann: Wer hierzulande pornografische Inhalte öffentlich zugänglich macht, begeht eine Ordnungswidrigkeit im Sinne des Jugendmedienschutzes. Im schlimmsten Fall drohen Geldbußen, die bei einer massenhaften Verbreitung wie auf Steam bis zu einer halben Million Euro kosten könnten. Brancheninsider erklären, Valve hätte sich den Ärger ersparen und die Spiele weiterhin anbieten können: mithilfe von Altersverifikationssystem, die in Deutschland anerkannt sind - und nicht nur einer bloßen Angabe des Geburtsdatums. Ein Verfahren wie Postident könne, so die Experten, dafür sorgen, dass nur volljährige Spieler die sexy Games zu Gesicht bekämen.