Mitarbeiter beklagen sich über Arbeitsklima bei "Anthem"-Macher Bioware

Brutale Deadlines, Nervenzusammenbrüche und Mitarbeiter, die hinschmeißen, weil sie den Stress nicht mehr ertragen: Ehemalige Bioware-Entwickler klagen über die Entwicklungs-Politik beim "Anthem"-Studio.

Was es mit der berühmten "Bioware-Magie" wirklich auf sich hat, will ein Enthüllungsbericht der US-Plattform "Kotaku" aufdecken: Deren Redakteure wollen sowohl von ehemaligen wie auch immer noch aktiven Bioware-Mitarbeitern erfahren haben, wie das einst legendäre Rollenspiel-Studio hinter Klassikern wie "Baldur's Gate" oder "Jade Empire" arbeitet.

Ihnen zufolge handelt es sich bei der vielzitierten "Bioware-Magie" weder um Feenstaub noch besonders viel Kompetenz, sondern schlicht um eine außergewöhnlich brutale Crunch-Kultur. Will heißen: Innerhalb der letzten Monate einer Produktion wird die Arbeitslast für den Einzelnen so schwer, dass es regelmäßig zu gesundheitlichen Problemen, Nervenzusammenbrüchen und entsprechenden Krankschriften kommt - zum Beispiel, weil die Mitarbeiter keinen anderen Ausweg mehr sehen, um sich Stress zu entziehen. Die Philosophie des Unternehmens wäre es seit jeher gewesen, dass man Fehler am Produkt ausbessern und die gewünschte Qualität erreichen könnte, wenn man nur beherzt und intensiv genug "cruncht".

Bei "Dragon Age: Inquisition" wäre die Belastung gleich so intensiv gewesen, dass sich viele Mitarbeiter ein Scheitern des Projekts gewünscht hätten, um die ungesunde Crunch-Politik des Unternehmens auf diese Weise aufzudecken und schließlich zu beenden - entsprechend enttäuscht und überrascht wäre man gewesen, als es zum Erfolg wurde. Schuld an der schadhaften Arbeitsweise wären viele strategische Fehl-Entscheidungen von Publisher-Seite sowie technische Probleme gewesen. Immerhin war "Inquisition" das erste Spiel des kanadischen Studios, das mithilfe der Frostbite-Engine von DICE erstellt wurde - einer Entwicklungs-Umgebung, die zwar grafisch sehr potent ist, aber eigentlich für Ego-Shooter konzipiert wurde.

Ähnlich problematisch waren wohl die Entwicklung der beiden umstrittenen Bioware-Produkte "Mass Effect: Andromeda" und "Anthem", die zusammen so etwas wie den beginnenden Niedergang des einst gefeierten Studios markieren. Auch hier hätte man Mitarbeiter wegen psychischer Belastung freistellen müssen - tatsächlich hätte sich das Problem mit jedem neuen Produkt eher verschlimmert denn verbessert. Inzwischen hat Bioware allerdings auf den "Kotaku"-Bericht reagiert und beteuert, dass man Crunch-Phasen grundsätzlich vermeiden wolle.

Anthem - Launch Trailer deutsch [PS4]