Verzweifelte Wohnungssuche als Computerspiel: "Berlin Flat Quest"

Berlin Flat Quest Es klingt wie ein verspäteter Aprilscherz, aber es gibt tatsächlich ein Computerspiel, das die frustrierende Wohnungssuche in deutschen Großstädten zum Kernelement des Gameplays erkoren hat.

Ein adipöser Klempner, eine Katze in Cyberwelten, ein gelber Ball in einem Labyrinth - die Geschichte der Videospiele ist voller ungewöhnlicher Protagonisten. "Berlin Flat Quest" setzt auf das glatte Gegenteil: Hier spielen Charaktere die Hauptrolle, die in der Hauptstadt eine Wohnung suchen.

Das Game im nostalgischen Pixel-Art-Stil ist kostenlos im Browser spielbar. Wie bei einem RPG lässt sich ein Charakter erstellen. Zur Wahl stehen beispielsweise ein Student, ein IT-Experte, ein kreatives Talent, ein Süddeutscher ...

Weitere konfigurierbare Eigenschaften wirken sich teils auf den Schwierigkeitsgrad aus. So hat ein Arbeitsloser schlechtere Chancen auf dem Wohnungsmarkt als ein Bewerber, der in Vollzeit arbeitet. Leider nicht weniger realistisch: Ein ausländisch klingender Name macht den Wohnungssuchenden die Mission schwerer als Müller oder Meier. Auch Schufa-Einträge können die Quest schwerer machen. Entscheidend ist zudem die Wahl des Stadtteils, da beliebte Viertel mehr Bewerber anziehen und die Konkurrenz höher ist.

Wer steckt hinter dem Game?

In Minispielen gilt es, seine Chancen zu erhöhen. Beispielsweise, wenn im Stil von Spielhallenklassikern wie "Space Invaders" auf Immobilienplattform-Anbieter geschossen werden muss, während man Betrüger-Portalen ausweicht. Zufallsereignisse können die Wohnungssuche erschweren - etwa Zusammenschlüsse von Immobilienkonzernen oder der Bedarf nach Fachpersonal in der Tesla-Fabrik in Grünheide.

"Berlin Flat Quest" erscheint vielleicht auf den ersten Blick wie ein Scherz-Projekt, doch der Gedanke dahinter ist ernst gemeint. Die in der Corona-Pandemie entstandene Idee basiert auf den eigenen Erfahrungen von Bastien Allibert, der 2011 mit seiner Familie von Frankreich nach Berlin zog und die Nöte der Wohnungssuchenden daher aus eigener Hand bestens kennt.

Das Spiel erzählt laut dem Macher "eine Geschichte von Ungleichheit, Zufall und Ungerechtigkeit". Dennoch soll das Spiel nicht Pessimismus verbreiten, sondern die Herausforderungen der Wohnungssuche mit Humor nehmen.

Das Spiel entstand in Kooperation mit seinen Brüdern, welche die Indie-Spieleschmiede Pierre Feuille Studio gegründet und das Spiel "Chronique des Silencieux" veröffentlicht haben. Eingebettet ist das englischsprachige Spiel "Berlin Flat Quest" in Bastien Alliberts Blog settle-in-berlin.com, wo er über das Thema Wohnungssuche in Berlin schreibt.

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