Haben die Politiker wirklich verstanden?

Angemerkt Satz wirkt nach der Bayernwahl immer abgedroschener - ein Kommentar von Wieland Josch

Die Bayernwahl am Sonntag brachte wohl das Ende eines in den letzten Jahren lieb gewonnenen Satzes, der nach jeder Niederlage (von denen es ja eine Menge gab) hergebetet wurde, und der schon, als er das erste Mal ausgesprochen wurde, egal war. Unverdrossen wurde er dennoch mit mal mehr, mal weniger Pathos in jedes Mikro trompetet: "Wir haben verstanden." Schon einen Tag später musste aber jedem, der solchen Aussagen lauschte, klar sein, dass gar nichts verstanden worden war.

Das ist jetzt nicht anders, auch wenn der Satz gemieden wird. Es wurde immer noch nicht kapiert, dass sich mehr geändert hat als nur die Situation der Volksparteien. Und ebenfalls versteht in den Chefetagen der Parteien offenbar niemand, dass ihre Ängstlichkeit und das immerwährende Zögern genau das ist, was die Leute von ihnen wegtreibt. Jeder weiß, dass sich vor einem Jahr schon Grundsätzliches hätte ändern müssen. Angepackt hat es keiner. Wenigstens ist den Politikern der Verstanden-Satz inzwischen peinlich geworden.