Altes Schwert in jungen Händen

Ein gemobbter Schüler tritt die Nachfolge von König Artus an - und erkennt, was in ihm steckt. Trotz einiger Schönheitsfehler bietet Joe Cornishs Fantasy-Abenteuer pfiffig-charmante Unterhaltung.

Braucht es wirklich schon wieder eine Neuauflage der Artussage? Erst im Mai 2017 verpasste Guy Ritchie dem altbekannten Stoff mit "King Arthur: Legend of the Sword" eine mittelprächtige Frischzellenkur, und bei Netflix soll noch in diesem Jahr die Artus-Serie "Cursed" an den Start gehen. "Attack the Block"-Regisseur Joe Cornish hat sich dennoch nun die schon so oft verfilmte Legende vorgenommen. Erfreulicherweise ist sein Ansatz aber origineller als gedacht. Statt eines Historienabenteuers erwartet den Zuschauer eine im England von heute spielende Teenager-Variation der populären Heldengeschichte, die sich glaubhaft für Werte wie Zusammenhalt und Vertrauen starkmacht.

Großen Rückhalt spürt der zwölfjährige Alex (Louis Ashbourne Serkis, Sohn von Gollum-Darsteller Andy Serkis) zu Beginn des Films allerdings noch nicht. Immer wieder geraten er und sein bester Freund Bedders (Dean Chaumoo) ins Visier der auf Krawall gebürsteten Mitschüler Kaye (Rhianna Doris) und Lance (Tom Taylor). Eines Tages entdeckt Alex auf einer Baustelle jedoch ein geheimnisvolles Schwert, das nur er aus dem Stein ziehen kann. Wie ihm sehr schnell dämmert, hält er Excalibur, die sagenumwobene Waffe König Artus', in den Händen.

Alex will das Schwert so schnell wie möglich wieder loswerden. Dummerweise bereitet gerade jetzt die Hexe Morgana (Rebecca Ferguson) ihre Wiederauferstehung vor und droht, die Welt zu unterwerfen. Angeleitet vom weisen Zauberer Merlin (als Jugendlicher: Angus Imrie, als zerzauster, alter Mann: Patrick Stewart), versucht Alex mit einigen Helfern, die Katastrophe abzuwenden.

Eine kleine Wohltat

Die Grundzüge der Handlung erinnern an das Fantasy-Spektakel "Hellboy - Call of Darkness", das derzeit in den deutschen Kinos läuft. Anders aber als die fahrig erzählte, lieblos zusammengebastelte Comic-Adaption entführt Regisseur Joe Cornish den Zuschauer in "Wenn du König wärst" auf eine kurzweilige, abwechslungsreiche und manchmal auch berührende Heldenreise. Nicht alle dramaturgischen Entscheidungen überzeugen. Und einige emotionale Wendepunkte fühlen sich etwas schematisch an. Die meiste Zeit verbindet der familientaugliche, flott inszenierte Abenteuerfilm allerdings geschickt Action, Humor und überraschende Wendungen.

Als heimlicher Star des Films entpuppt sich Alex' Mentor Merlin, der sich mehr als einmal über die Gepflogenheiten der Gegenwart wundert und einige der lustigsten Momente geschenkt bekommt. Sympathisch wirkt freilich auch der zu großen Taten auserkorene Alex. Seinen gefahrvollen Weg pflastert der ebenfalls für das Drehbuch verantwortliche Cornish mit Höhen und Tiefen und schafft es, den Protagonisten zu einer starken Identifikationsfigur für alle Altersklassen zu formen. Amüsant sind nicht zuletzt der hübsch animierte, die Artussage rekapitulierende Prolog und die immer mal wieder eingestreuten Anspielungen auf andere bekannte Heldenabenteuer.

Dass die Macher im Showdown etwas zu stark auf digitale Effekte setzen, ist schade. Am Ende verlässt man das Kino dennoch mit dem Gefühl, eine unterhaltsame und charmante Variation des eigentlich zur Genüge erzählten Artusstoffes gesehen zu haben. Inmitten all der seelenlosen, innovationsarmen Neuverfilmungen und Fortsetzungen, die derzeit das Kino fluten, ist Cornishs Fantasy-Streifen trotz seiner Schwächen eine kleine Wohltat.

Trailer "Wenn du König wärst"