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Blutiger Horror und ein engagierter Lehrer: Das sind die Kino-Highlights der Woche

"Saw: Spiral", "Je suis Karl" und "Herr Bachmann und seine Klasse": Das sind die Kino-Neustarts am 16. September.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 geschah etwas, das so wohl keiner vorhergesehen hatte: In den Jahren nach 9/11, im Zuge der blutigen Kriege in Afghanistan und im Irak und den abscheulichen Bildern, die aus Abu Ghuraib an die Weltöffentlichkeit drangen, wurden Splatter-Streifen wie die der "Saw"-Reihe (ab 2004) und der "Hostel"-Reihe (ab 2005) zu Publikumserfolgen. Derart blutige Werke waren bis dato filmischer Untergrund gewesen, auf einmal aber waren Folterpornos im Mainstream angekommen. Der öffentliche Diskurs über Folter könnte zu einer fiktionalen Auseinandersetzung mit dem Thema geführt haben, glauben manche Filmwissenschaftler und Soziologen. Die "Saw"-Reihe jedenfalls wuchs ab 2004 auf insgesamt acht Filme an, "Saw: Spiral" ist nun Film Nummer neun. Der blutige Streifen ist eines der Kino-Highlights der Woche - zusammen mit dem deutschen Drama "Je suis Karl" und dem Dokumentarfilm "Herr Bachmann und seine Klasse".

Saw: Spiral

Die "Saw"-Reihe gilt als weltweit erfolgreichstes Horror-Franchise. Einer der Fans der Splatter-Filme ist Chris Rock, ein Schauspieler, den man gemeinhin mit Komödien verbindet. Von Rock aber stammt die Idee zu "Saw: Spiral", dem neunten Teil der Reihe. Die Hauptrolle des abgebrühten Detective Ezekiel "Zeke" Banks übernahm er gleich selbst.

Banks wird einen Tag nach den Feierlichkeiten zum Independence Day zu einem grausigen Tatort gerufen: Ein Kollege wurde von einer U-Bahn überfahren, nachdem man ihn zuvor offenbar brutal gefoltert hatte. Bei den Ermittlungen unterstützen ihn nicht nur der junge Detective William Schenk (Max Minghella), der noch keinerlei Erfahrung mit derartigen Fällen hat; auch Zekes Vater, der pensionierte Polizeichef Marcus Banks (Samuel L. Jackson), hilft im Hintergrund bei der Suche nach dem Täter. Bald ist klar: Hinter dem Gemetzel könnte der Serienkiller Jigsaw stecken - der allerdings längst tot ist. Als weitere Polizisten brutal ermordet werden, beginnt Zeke, die Motive des Täters zu verstehen - und hegt einen furchtbaren Verdacht.

Je suis Karl

An Jannis Niewöhner kommt man derzeit kaum vorbei - gut so! Der 29-Jährige, der mit Kinder- und Jugendfilmen ("Edelstein-Trilogie") bekannt wurde, hat sich zuletzt an immer anspruchsvollere Stoffe gewagt. Letztes Jahr sah man ihn in der Hermann-Hesse-Verfilmung "Narziss und Goldmund", vor zwei Wochen erst startete die Thomas-Mann-Adaption "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" mit Niewöhner in der Hauptrolle in den Kinos. Und nun "Je suis Karl" von Regisseur Christian Schwochow, wieder Niewöhner in der Hauptrolle, diesmal an der Seite der nicht minder großartigen Luna Wedler.

Wedler spielt Maxi Baier, eine junge Frau, die bei einem Terroranschlag in Berlin ihre Mutter und ihre Zwillingsbrüder verliert. Geblieben ist ihr nur ihr Vater (Milan Peschel). Als Maxi Karl (Niewöhner) kennenlernt, gerät sie mitten hinein in eine europäische Jugendbewegung, die von dem charismatischen Studenten angeführt wird. Zunächst steht der Spaß im Vordergrund - Partys, mitreißende Reden, plötzlicher Ruhm. Doch als Maxi langsam wieder ins Leben zurückfindet, dämmert ihr: Karl und seine Bewegung wollen sie und ihr Schicksal lediglich für ihre Ziele instrumentalisieren.

Herr Bachmann und seine Klasse

Im aktuellen Wahlkampf wird über vieles diskutiert, herzlich wenig aber übers Thema Bildung. Dabei hatte die Corona-Krise die Missstände, mit denen Schüler und Lehrer konfrontiert sind, eigentlich schmerzhaft offengelegt. Einen Einblick, wie es aussieht in deutschen Schulen im Jahr 2021, gibt nun der Dokumentarfilm "Herr Bachmann und seine Klasse" von Maria Speth. Bei der 71. Berlinale im Frühjahr wurde ihre Langzeitbeobachtung mit dem Preis der Jury ausgezeichnet, wenig später mit dem Publikums-Preis für den besten Wettbewerbsfilm.

Satte 217 Minuten nimmt sich Speth Zeit, um Dieter Bachmann bei der Arbeit zu begleiten. Bachmann, einst Revoluzzer, Aussteiger, Folksänger und Bildhauer, unterrichtet an einer Gesamtschule im nordhessischen Stadtallendorf. In seiner Klasse, der 6b, sitzen Kinder aus neun Ländern, mit unterschiedlichen Hintergründen, Träumen, Perspektiven. Am Ende des Schuljahres wird sich für sie entscheiden, in welchem der anschließenden drei Schulzweige sie weiter lernen werden.

"Die Schule wird zum Wohnzimmer", sagt Regisseurin Speth über die Klasse von Herrn Bachmann. "Zu einem Ort des Vertrauens, in dem alles verhandelt werden kann, was den Schüler*innen auf der Seele brennt. Mit einem Lehrer, der sie im Gespräch herausfordert, provoziert, ermutigt, kritisiert und bestärkt. Der für Solidarität und Empathie wirbt. Und weiß, dass die Stärkung des Selbstwertgefühls wichtiger sein kann, als der Satz des Pythagoras."