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Der Beginn von etwas Großem

Nach David Lynch hat nun auch Denis Villeneuve den Sci-Fi-Klassiker "Dune" verfilmt. Das zweieinhalbstündige Werk ist grandioses Überwältigungskino - und lässt dennoch auf eine bessere Fortsetzung hoffen.

Wo soll man anfangen, wenn man über "Dune" spricht? Bei Denis Villeneuves Neuverfilmung und den fantastischen, überlebensgroßen Bildern, die der Frankokanadier auf die Leinwand zaubert? Beim atemberaubenden Soundtrack, mit dem Hans Zimmer eine ganze Welt und eine uralte Kultur zum Leben erweckt? Bei den fantastischen Schauspielern, die Villeneuve gewinnen konnte, von Timothée Chalamet in der Hauptrolle bis hin zu einer Charlotte Rampling, die man unter ihrem Schleier höchstens an den Augen oder der Stimme erkennt?

Am besten beginnt man vielleicht mit einer Geschichte des Scheiterns. Damit, wie zwei der visionärsten Regisseure des 20. Jahrhunderts sich schon einmal daran versucht haben, den Science-Fiction-Roman "Der Wüstenplanet" fürs Kino zu adaptieren, und wie es ihnen misslang, jedem auf seine eigene Weise. Denn so versteht man vielleicht, vor welchen Herausforderungen nun auch Denis Villeneuve stand, als er sich als dritter Kino-Regisseur an den Stoff wagte. Und warum auch er, zumindest ein Stück weit, gescheitert ist.

"Dune", so der Originaltitel von Frank Herberts Buch, gilt seit seinem Erscheinen im Jahr 1965 als einer der ganz großen Romane der Science-Fiction. Es ist ein episches Werk, das in einer weit entfernten Zukunft auf einem unwirtlichen Wüstenplaneten spielt, ein Roman, der Sixties-Psychedelic mit einer noch heute aktuellen Öko-Botschaft verbindet, der komplex ist und gleichzeitig sehr fokussiert auf wenige Handlungsstränge.

Eine Geschichte des Scheiterns

Der Chilene Alejandro Jodorowsky ("Der heilige Berg") sollte "Dune" bereits 1975 verfilmen. Von Großprojekten hatte der Underground-Regisseur keine Ahnung, dennoch wollte er den ganz großen Wurf wagen. Kein Geringer als Salvador Dalí sollte die Rolle des Weltraum-Imperators übernehmen, für 100.000 Dollar pro Minute Leinwandzeit. Pink Floyd sollten die Musik komponieren, H. R. Giger das Setdesign entwerfen. Als bereits zwei Millionen Dollar ausgegeben waren, zogen sich die Produzenten zurück, und der Film wurde nie gedreht.

Ein paar Jahre später, Mitte der 80-er, drehte dann David Lynch die erste "Dune"-Adaption, ein Werk, das bis heute spaltet. Lynchs "Wüstenplanet", so der deutsche Verleihtitel, entwickelte sich schon während des Drehs zum Desaster und wurde schließlich am Schneidetisch vollends zerstört. Am Ende kam ein Film in die Kinos, den niemand mehr verstand. Lynchs Werk war visuell beeindruckend, inhaltlich aber leer und dramaturgisch ein einziges Durcheinander.

Denis Villeneuve wollte nun alles anders machen, alles besser. Und das ist ihm auch gelungen, wenn auch nicht ganz. Die erste richtige Entscheidung war es auf jeden Fall, Herberts Romanvorlage nicht in einen einzigen Film quetschen zu wollen: Villeneuves "Dune" ist auf zwei Teile angelegt, die Dreharbeiten zur Fortsetzung könnten schon im kommenden Jahr beginnen. Villeneuve hat so viel Raum, um seine Charaktere zu entwickeln, nutzt seine 156 Filmminuten aber auch für reichlich Überwältigungsspektakel.

Ein neuer Auftrag

Der Film beginnt im elften Jahrtausend, auf dem Planeten Caladan, über den das Herrscherhaus Atreides regiert. Leto Atreides (Oscar Isaac) ist ein gütiger Herzog, seine Konkubine Lady Jessica (Rebecca Ferguson), ein Mitglied der Sekte der Bene Gesserit, eine strenge, kühle Frau. Gemeinsam ziehen sie ihren erwachsenen Sohn Paul (Timothée Chalamet) groß, den Thronanwärter. Nachdem sie der Imperator, der über die gesamte bekannte Galaxis herrscht, mit einem neuen Auftrag betraut, müssen die Atreides ihre Heimat verlassen. Sie sollen fortan über den Planeten Arrakis herrschen, eine Wüstenwelt, auf der das Spice abgebaut wird, eine Substanz, die das Bewusstsein der Menschen verändern kann, aber auch notwendig ist, um durchs Weltall zu reisen.

Über Arrakis herrschte bislang das grausame Haus der Harkonnen, dessen Oberhaupt (Stellan Skarsgard) den Planeten mit harter Hand regierte und die Fremen, ein einheimisches Volk, gewaltsam unterdrückte. Leto Atreides will auf Arrakis nun alles anders machen, doch muss schon bald feststellen, wie gewaltig die Aufgabe ist, die vor ihm liegt.

Man hat ihn unter falschen Vorwänden auf den Planeten gelockt, sich hinter seinem Rücken gegen ihn verschworen. Vor allem aber ist Arrakis ein feindlicher Planet, voller Sand, auf dem Wasser neben Spice der begehrteste Rohstoff ist. Der junge Paul Atreides ist allerdings fasziniert von dieser Welt. Er, der als Sohn einer Bene Gesserit über magische Fähigkeiten verfügt, wird von den einheimischen Fremen als eine Art Messias empfangen. Doch noch hat er seine Künste nicht unter Kontrolle und ist er nicht sicher, ob er wirklich zu Großem berufen ist.

Banges Warten auf die Fortsetzung

Alles ist groß an "Dune", die Bilder, die Musik, die Namen der beteiligten Schauspieler. Und ja, man kann sich kaum sattsehen an den Bildern des Wüstenplaneten, an den riesigen Sandwürmern, die ihn durchqueren, kann nicht genug bekommen vom Soundtrack von Hans Zimmer und überhaupt von dieser fantastischen Welt, die da vor einem auf der Leinwand geboren wird. Aber so richtig packen will einen all das nicht, "Dune" überwältigt, aber bewegt nicht wirklich. Vielleicht, weil so viel in diesem Stoff steckt, dass man ihn einfach nicht perfekt verfilmen kann. Vor allem das mystische Element kommt auf der Leinwand nicht zum Tragen, vieles wird nur angedeutet, bleibt Oberfläche.

Der Film verwendet viel Zeit darauf, die Welt von "Dune" zu etablieren, die Konflikte zu setzen, die Charaktere vorzustellen. Im geplanten zweiten Teil, sofern er denn wirklich gedreht wird (schließlich muss sich "Dune" erst an den Kinokassen beweisen), könnte sich das aber ändern. Denn dann taucht Paul ein in die geheimnisvolle Welt der Fremen und geht das Abenteuer, wie die Fremen-Kämpferin Chani (Zendaya) in den letzten Filmminuten sagt, erst richtig los.

Trotz all dieser Kritik: Ein sehenswerter Film ist "Dune" dennoch. Und das nicht nur, wenn man ihn mit Lynchs gescheitertem Versuch vergleicht. Sondern auch, weil Regisseur Villeneuve eine unbändige Leidenschaft fürs Geschichtenerzählen besitzt und er es wie kaum ein anderer Filmemacher versteht, seine Visionen in Bilder umzusetzen. Und so sitzt man dann doch zweieinhalb Stunden mit offenem Mund vor der Leinwand ob der Wunder, die sich vor einem auftun, und kann gar nicht anders als sehnsüchtig auf die Fortsetzung zu warten. In der Hoffnung, dass "Dune" doch noch zu dem Meisterwerk wird, auf das das Kino seit Jahrzehnten wartet.