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Der Mann, der James Bond in Szene setzte

Er setzte James Bond in einen Aston Martin und baute "das beste Szenenbild, das jemals für einen Film entworfen wurde": Vor 100 Jahren wurde Oscarpreisträger Ken Adam geboren.

Da kann die Politik noch so oft über Elektroautos oder Carsharing sprechen - James Bond bleibt sich auch in seinem 25. Kinoeinsatz treu: In "Keine Zeit zu sterben" jagt 007 weiter im Verbrenner bösen Buben hinterher. Vier verschiedene Autos, so heißt es, fahre Bond in dem immer wieder verschobenen neuen Film der Agentenreihe, der wohl im Oktober endlich in den Kinos startet. Zum Einsatz kommt auch ein Aston Martin DB5, jene Kultkarre, die zu Bond längst so gehört wie Martini und hübsche Girls. Wobei selbst ein Traumwagen wie der DB5 mehr können muss als nur schnell fahren, wenn Bond am Steuer sitzt. Das dachte sich auch Quartiermeister Q, als er Nebelwerfer, Schleudersitz und natürlich ausfahrbare Maschinengewehre in dem Fahrzeug verbaute. Im Jahr 1964 war das, im dritten Bond-Film "Goldfinger".

Möglich gemacht hat dieses Wunderwerk der Automobiltechnik Ken Adam, der vielleicht legendärste Szenenbildner der Kinogeschichte. Adam, am 5. Februar vor 100 Jahren in Berlin geboren, hat insgesamt 74 Filme ausgestattet, siebenmal setzte er Bond in Szene.

Schon 1962, beim ersten Bond-Film "007 jagt Dr. No", schuf Adam in den englischen Pinewood Studios die Kulissen. Obwohl er nur ein geringes Budget zur Verfügung hatte - schließlich konnte noch niemand ahnen, wie erfolgreich die Reihe werden würde -, war das Hauptquartier von Dr. No, das Adam bauen ließ, der heimliche Hauptdarsteller des Films. "Bei 'Dr. No' hatte man mir ein Budget von 14.000 Pfund gegeben", sagte er Jahre später. "Ich hatte mir vorgenommen, zukunftsorientiert zu arbeiten. Aber was, um Gottes willen, kann man schon erfinden - bei 14.000 Pfund?"

"Ich liebte immer die Gefahr"

Manche Zuschauer erinnerten die engen, verschachtelten Gänge von Dr. Nos geheimer Anlage an frühe deutsche Filme wie "Das Kabinett des Dr. Caligari". Und tatsächlich war es das Berlin der 20er-Jahre mit seiner Architektur und seiner expressionistischen Kunst, das Ken Adam prägte. 1921 wurde er in der deutschen Hauptstadt geboren, als Sohn einer jüdischen Familie und unter dem Namen Klaus Hugo Adam. Seine Eltern betrieben ein Modehaus, für das sie Mies van der Rohe einen avantgardistischen Neubau aus Eisenbeton errichten ließen. Ein Jahr nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten musste die Familie Deutschland verlassen, im britischen Exil studierte Adam später Architektur.

Zum Film kam er kurz nach dem Krieg, in dem er als Jagdflieger gedient hatte. "Ich war nicht gegen Deutschland, ich wollte die Nazis und Hitler bekämpfen", sagte er einmal. Und: "Ich liebte immer die Gefahr, beim Fliegen, beim Sport, wenn ich mit schnellen Autos Rennen fuhr." Seinen Filmsets sah man diese Leidenschaft fürs Technische, fürs Kriegerische an.

"Für die Kamera muss man immer ein bisschen übertreiben"

Seine Vorgehensweise erklärte Adam einmal so: "Für die Kamera muss man immer ein bisschen übertreiben. Es geht darum, den Inhalt eines Films zu erfassen und ihn dann in die Einbildungskraft des Zuschauers zu verlängern - wie irreal das im wirklichen Leben auch sein mag." Manche seiner Sets aber wirkten so real, dass sogar US-Präsidenten sie für echt hielten. Für Stanley Kubricks "Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben" (1964) baute Adam den "War Room", laut Steven Spielberg "das beste Szenenbild, das jemals für einen Film entworfen wurde". Und er baute es so überzeugend, dass sich Ronald Reagan sich bei seinem Amtsantritt erkundigt haben soll, wo genau sich die Kommandozentrale befinde. Zumindest verbreitete Adam diese Ankekdote später immer wieder gerne.

Für seine Arbeit an Kubricks "Barry Lyndon" (1975) und "King George - Ein Königreich für mehr Verstand" (1994) von Nicholas Hytner bekam Adam jeweils einen Oscar, "Taking Sides - Der Fall Furtwängler" von István Szabó war 2001 seine letzte Arbeit. Rund 5.600 grafische Objekte sowie Video- und Tonaufzeichnungen vermachte Adam, der seit 1952 mit dem italienischen Ex-Mannequin Letizia Moauro verheiratet war, 2012 für eine Dauerausstellung der Deutschen Kinemathek in Berlin. Vier Jahre später, am 10. März 2016, verstarb er im Alter von 95 Jahren.