Der Traum vom eigenen Mischpult

"The High Note" startet am 26. Juni nicht nur im Kino, sondern ist gleichzeitig auch digital verfügbar. Eine große Leinwand braucht es für den etwas seichten Film nicht unbedingt - dafür aber gute Boxen!

Wovon träumt man als kleines Mädchen? Davon, Prinzessin zu werden vielleicht, oder von einem Leben als Sängerin oder Schauspielerin. Aber davon, später einmal Musikproduzentin zu werden? Produzenten, das sind jene Menschen, deren Namen zwar bisweilen von Musikjournalisten voller Ehrfurcht genannt werden ("produziert vom großen Rick Rubin"), von denen aber kaum einer wirklich weiß, was sie eigentlich so tun. Maggie (Dakota Johnson) hingegen, Hauptfigur von "The High Note", hat eine klare Vorstellung davon, wozu ein Musiker eine Produzentin braucht. Sie selbst wäre gerne eine, verdingt sich zu Beginn des Films aber noch als persönliche Assistentin. Wenn sie mit Soul-Diva Grace Davis (Tracee Ellis Ross) im Studio steht, dann nicht, um kreativen Input zu geben; Maggies Aufgabenbereich beschränkt sich aufs Holen von frisch gebrühtem Kaffee.

"The High Note" erzählt die sehr amerikanische Geschichte, dass man alles schaffen kann, wenn man sich nur genug anstrengt. Der Film von Regisseurin Nisha Ganatra ("Late Night") passt mit seinem kindlich-naiven Optimismus hervorragend in diese Zeit, die vielen so düster erscheint. Habe Geduld, schreit dieser Film beständig, dann wird alles gut!

Maggie allerdings ist mit ihrer Geduld nach drei Jahren als persönliche Assistentin am Ende. Die junge Frau, die in einem 70er-Jahre-Schlitten durch die Straßen von Los Angeles kurvt, will endlich zeigen, was sie kann. Also fertigt sie einen neuen Mix eines Songs ihrer Chefin an und bedrängt sie, endlich wieder neue Musik aufzunehmen. Grace lebt nämlich schon lange von ihrem einstigen Ruhm, und wenn es nach ihrem geldgeilen Produzenten (Ice Cube) ginge, dann würde sie sich mit allabendlichen Auftritten in Las Vegas den Ruhestand versilbern lassen. Maggie weiß aber, dass Musik mehr ist als ein Konsumprodukt - gute Songs, philosophiert sie, sind dazu da, damit sich die Menschen weniger alleine fühlen.

Überraschendes Finale

Tiefgründiger wird's leider nicht mehr in "The High Note", was nicht zuletzt auch daran liegt, dass Dakota Johnson vollkommen unglaubwürdig wirkt. Man will der etwas blassen "Fifty Shades of Grey"-Darstellerin einfach nicht abnehmen, dass sie weiß, welche Aretha-Franklin-Songs im Original von Bobby Womack sind oder was einen guten Song ausmacht. Daran ändert auch ein Kurzauftritt von Bill Pullman als ihr musikbesessener Vater wenig.

Großartig hingegen ist Tracee Ellis Ross als Soul-Sängerin Grace Davis. Sie spielt eine Frau, die ihre große Zeit lange hinter sich hat und nicht weiß, ob sie sich damit abfinden oder doch noch kämpfen soll. Tracee Ellis Ross, Tochter von Soul-Legende Diana Ross, wurde als Schauspielerin vor allem durch die Serie "Black-ish" bekannt, die hierzulande allerdings nicht im Fernsehen lief. In "The High Note" hat sie jetzt ihren ersten großen Kinoauftritt, außerdem singt sie auch, ebenfalls fantastisch. Und dann ist da noch Kelvin Harrison Jr. ("It Comes at Night"). Der 25-Jährige verkörpert einen Musiker namens David, der aus sehr reichem Hause stammt, aber dennoch mit seinen Kumpels am liebsten vor Supermärkten auftritt. Ihm will Möchtegern-Produzentin Maggie zum Durchbruch verhelfen. Harrison spielt diesen schwer zu durchschauenden Charakter äußerst sympathisch und sorgt gegen Ende des Films noch für einen wirklich überraschenden und guten Dreh. Und: Toll singen kann er auch noch.

Überhaupt ist es die Musik, die "The High Note" trotz flacher Story über weite Strecken trägt. Die Original-Songs stammen aus der Feder von Grammy-Gewinnerin Corinne Bailey Rae und Songschreiberin Sarah Aarons. Veredelt hat das Ganze dann Rodney "Darkchild" Jerkins, seines Zeichens: Produzent.