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Die düsteren Ursprünge der Kingsman

Mit seinem wilden Agentenabenteuer "The King's Man - The Beginning" liefert Matthew Vaughn ein Prequel zu den beiden bisherigen Kingsman-Filmen ab. Trotz erzählerischer Schwächen haben einige Passagen schrägen Unterhaltungswert.

In seiner unnachahmlichen Art nahm sich Quentin Tarantino in seinem Kriegsepos "Inglourious Basterds" den Nazi-Schrecken vor und schrieb kurzerhand die Geschichte des Zweiten Weltkriegs um. Ein durchaus kühner, diskutabler Ansatz, der filmisch und dramaturgisch jedoch aufging. Ähnliches versucht nun auch "Kick Ass"-Regisseur Matthew Vaughn in seiner dritten Arbeit über den aus einer Comic-Reihe stammenden regierungsunabhängigen Geheimdienst Kingsman. Spielten "Kingsman: The Secret Service" und "Kingsman: The Golden Circle" in der Gegenwart, geht es im Prequel "The King's Man - The Beginning" in der Zeit zurück, da hier die Ursprünge der um Weltfrieden bemühten Organisation im Mittelpunkt stehen.

Nach einem kurzen Prolog im Jahr 1902, in dem der britische Aristokrat Orlando Oxford (Ralph Fiennes) seine Ehefrau Emily (Alexandra Maria Lara) bei einem Heckenschützenangriff in Südafrika verliert, springt der Film zu den Anfängen des Ersten Weltkriegs. Mit großer Sorge sieht der durch den Verlust schwer getroffene Pazifist Oxford die militärischen Ambitionen seines inzwischen zu einem jungen Mann herangewachsenen Sohnes Conrad (Harris Dickinson), der den Tod seiner Mutter einst mit ansehen musste. Schon damals schwor sich Orlando, sein Kind vor allen Gefahren abzuschirmen, und setzt daher jetzt alle Hebel in Bewegung, um Conrads Eintritt in die Armee zu verhindern.

Das Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand, das die beiden Oxfords aus der Nähe erleben, löst schließlich einen verheerenden bewaffneten Konflikt zwischen europäischen Großmächten aus. Während Orlando Conrads Bestrebungen weiter zu unterbinden versucht, bemüht er sich irgendwann auf geheimen Wegen um Informationen, die eine Deeskalation des blutigen Treibens ermöglichen. Im Hintergrund zieht allerdings ein mysteriöser Schattenmann, der den Krieg überhaupt erst eingefädelt hat, die Strippen und will vor allem England schaden.

Teil eins bleibt unerreicht

Der Reihenauftakt "Kingsman: The Secret Service" überzeugte als mit herrlich absurden Ideen und wahnwitzigen Actionsequenzen garnierte Spionagesause, die Genreparodie und -hommage in einem war. Teil zwei lieferte zwar ebenfalls ein halbwegs launiges Spektakel ab, reichte aber keineswegs an die kreative Energie des Vorgängers heran. Ein Urteil, das auch auf "The King's Man - The Beginning" zutrifft.

Matthew Vaughn, der zusammen mit Karl Gajdusek ("Oblivion") das Drehbuch verfasste, beweist in der munter historische Personen und Ereignisse mit fiktiven Figuren und Geschehnissen vermischenden Handlung große Fabulierlust, schüttelt immer mal wieder amüsante Ideen aus dem Ärmel und bietet ein paar echte Highlights auf - etwa die schräge Kampfchoreografie des diabolischen Zarenflüsterers Rasputin (dreht in seiner Schurkenrolle richtig auf: Rhys Ifans).

Gleichzeitig ist "The King's Man - The Beginning" jedoch spürbar überfrachtet, kommt inhaltlich wiederholt ins Stolpern und arbeitet den melodramatisch aufgeladenen Vater-Sohn-Disput um falsch verstandenen Heldenmut eher schematisch ab. Dass Orlando seine pazifistische Einstellung an einem gewissen Punkt überdenken wird, lässt sich ebenso erahnen wie die Identität des mysteriösen, von einer entlegenen Berghütte aus operierenden Manipulators, dessen Motive, die Welt in Brand zu stecken, etwas bizarr erscheinen. In Zeiten von Fake News und lautem Verschwörungsgeschrei fühlt es sich auch ein wenig komisch an, wenn ein Film ein düsteres historisches Kapitel wie den Ersten Weltkrieg umschreibt und von im Verborgenen agierenden Lenkkräften erzählt. Im Januar 2019, als der Dreh zu Vaughns Agentenabenteuer begann, konnte freilich noch niemand ahnen, dass eine Pandemie Hass und Misstrauen befeuern würde.